Emine musste rein

Gesundheitsminister Herman Gröhe verzichtete zugunsten von Emine Demirbüken-Wegner auf seinen Platz im CDU-Präsidium. Foto: dpa

Sie kennen Emine noch nicht? Sollten Sie aber. Auf dem CDU-Parteitag hat sie den Gesundheitsminister abserviert. Es lebe die Frauenquote.

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. Die CSU macht ja immer so eigene Parteitage, meistens ganz lustig. Damit das so bleibt, hatte der CSU-Vorstand einen Leitantrag beschlossen. Das ist aber nicht etwa ein Antrag für - bayerisch gesprochen: "die Leit", also die Leute. Konkret sollte dieser Leitantrag lauten, dass Ausländer "angehalten" werden, "im öffentlichen Raum und in der Familie Deutsch zu sprechen". Das Ganze ist dann ein bisserl eskaliert. Zum einen sagen böse Zungen, es sei überhaupt nicht definiert, wer Ausländer sei, ob zum Beispiel auch Niederbayern und Kölner als solche zu behandeln wären. Außerdem: öffentlicher Raum - das klinge doch schwer nach Parkhaus-Toilette. Und beim Begriff "anhalten" werde man an die Bahn erinnert mit ihren Quadrillionen Minuten Verspätung, die Erinnerung daran sei zu bitter.

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Außerdem, und das war dann das Entscheidende, lachte sich halb Deutschland schief über diesen Antrag. Manche behaupteten, der arabische Nachrichtensender Al Jazeera wolle vom CSU-Parteitag berichten und habe gefordert, auf dem Parteitag solle ausnahmsweise Hochdeutsch gesprochen werden. Anderenfalls, so Al Jazeera, werde man den Tölzer Knabenchor engagieren und ihn quasi als Werbepause "Pull the Bavarians the leather-trousers out" singen lassen. Ob es beim Leitantrag bleibt, wer weiß.

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Ist schon ein Kreuz, mit Sprache generell. Dabei brauchen sich unsere Mitbürger mit bajuwarischem Hintergrund doch gar nicht zu verstecken. In der Studie "English Profiency Index", zitiert von "Spiegel Online", lesen wir: "Von den Flächenland-Bewohnern....." Wie meinen? Nein, das soll nicht "Flachland-Tiroler" bedeuten! Also, Hessen und Bayern seien ganz vorne bei Englisch, und außerdem, Achtung, jetzt ganz stark sein: Baden-Württemberg! Hessen, klar. Sätze für die Ewigkeit sind quasi hessische Spezialität. Zum Beispiel: "Ei Karl, moi Drobbe." Auf Englisch: "Egg Charles, drop me." Oder die hammermäßige Begrüßungsformel: "Gude, wie?" Englisch: "Goodly, how?" Bayern in English ganz vorne, logo: "Kruzitürken" heißt "Holy Turkey", oder? (Für etwaige Blasphemie entschuldigen wir uns im Voraus). Auch bezüglich der englischen Sprache sind sie natürlich topp, die Baden-Württemberger, the Bath Honour-Mountainers. EU-Kommissar Oettinger, Günther, the Englishman, hat die englische Sprache bekanntlich ganz neu erfunden.

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Auch die CDU hat ihre Bundesparteitage. Völlig überraschend wurde Angela Merkel jetzt wieder zur Vorsitzenden gewählt. Bei den stellvertretenden Vorsitzenden hatte Julia Klöckner das beste Ergebnis, 96,5 Prozent, d a hat sie also nicht abgenommen. Im sogenannten Präsidium gab‘s dann richtig Ärger mit der Frauenquote. Sieben Plätze, acht Personen bewarben sich, darunter zwei Frauen. Beide sollten rein, wegen der Quote. Eine, Emine Demirbüken-Wegner aus Berlin, hatte aber die wenigsten Stimmen. Sollte aber rein. Also verzichtete Hermann Gröhe, Bundesgesundheitsminister. Knallhart, diese CDU-Mädels. Da hätte man doch sagen können: Komm‘, drücken wir ein Auge zu, weil, erstens ist der Chef eine Frau, und zweitens hat sie Männer schon reihenweise abserviert: Kohl, Friedrich Merz, Roland Koch. Aber nix da. Emine musste rein, ist jetzt drin. Kopf hoch, Gröhe, wir sind bei dir.

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Wir lesen, dass der CDU-Parteitag das Verbot des Tragens von Burka-Schleiern in Deutschland nicht beschlossen hat. Szenenkenner hielten es aber auch ohne Verbot für unwahrscheinlich, dass tragende Kräfte der CDU Burka tragen wollen. Man stelle sich das vor. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen mit Burka im Kampfpanzer. Geht gar nicht. Nun lesen wir aber - kein Scherz - in der "Bild"-Zeitung vom 11. Dezember, Julia Klöckner wolle ein Burka-Verbot durchsetzen. Sie wird mit folgendem Satz zitiert: "Wenn Männer ein Problem mit dem Anblick einer Frau haben, haben nicht die Frauen ein Problem, sondern die Männer." Wir weinen. Sehr geehrte Frau stellvertretende Vorsitzende, liebe Julia Klöckner, im Falle Burka wissen wir, was Sie meinen, und da hat der Satz auch seine Berechtigung. Aber in dieser Verallgemeinerung, völlig undifferenziert, kann man das so wirklich nicht formulieren! Sie kennen sich da vielleicht noch nicht so gut aus, aber es gibt Situationen im Leben, da haben Männer definitiv ein Problem mit dem Anblick einer Frau, aber es ist definitiv nicht der Mann, der das Problem hat. (Angeblich gibt es auch den umgekehrten Fall.) Man muss sich jede Situation im Einzelnen genau anschauen. Es ist halt oft sehr kompliziert zwischen Männern und Frauen.