Elfmeter lügen nicht

Geld schießt keine Tore, heißt es. Aber unsere niederländischen Freunde, die kleinen Goudas, manchmal auch nicht. Vor allem aus einer bestimmten Entfernung.

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. Wir liiiiiieben unsere niederländischen Freunde. Kleine Elfmeter-Goudas. Chelsea und Gras // wie leicht dröhnt das. Oder: Frau Antje hat es schon wieder nicht geschafft. Arjen Robben hat am Dienstag aus der Hand von Bundespräsident Beckenbauer seine Entlassungsurkunde bekommen. Robben hat unter anderem beim Thema Nordrhein-Westfalen (Dortmund) aufs Kläglichste versagt und sich energiemäßig verhalten wie ein dreijähriges Kind, das zwei nasse Fingerchen in die Steckdose steckt. Oh, das haben wir jetzt mit dem Fall Röttgen verwechselt.

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Uns träumte, dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg liege der Antrag eines gewissen Uli H. vor, das Spiel FC Bayern gegen Chelsea müsse wiederholt werden, und zwar mit Blick auf den Paragrafen 20 des deutschen Strafgesetzbuches. Der behandelt die Schuldunfähigkeit wegen seelischer Störungen oder tiefgreifender Bewusstseinsstörungen bei Menschen, die Sachen gemacht haben, die sie besser nicht gemacht hätten.

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Im wirklichen Leben hatte Hertha BSC bei seinem ersten Antrag auf Wiederholung des Relegationsspiels gegen Fortuna Düsseldorf keine schlagenden Beweise. Obwohl: Hatten sie schon, aber die werden in einer gesonderten Verhandlung wahrscheinlich dazu führen, dass Hertha-Spieler wegen Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter in nächster Zeit an Wochenenden ziemlich viel Freizeit haben. Ferner kann es gut sein, dass auch auf Fortuna Düsseldorf noch einiges zukommt wegen des relativ unkommoden Verlaufs des Spiels. Als Strafe könnte man sich vorstellen, dass die Fortuna ihre nächsten 17 Heimspiele im Berliner Olympiastadion austragen und dort jedem Berliner, der ins Stadion kommt, 200 Euro Begrüßungsgeld auszahlen muss. Die Steigerung wäre dann noch, dass Fortuna seine Heimspiele in Köln austragen muss, und vor jedem Spiel wird in der Kabine vom Tonträger vorgespielt, wie Lukas Podolski seine Lebensgeschichte erzählt, und zwar in deutscher und polnischer Sprache, praktisch so ähnlich wie das Abspielen der Nationalhymnen vor sonstigen wichtigen Spielen. Aber es gäbe dann immer noch eine Steigerung im Strafmaß, nämlich, dass immer dann, wenn der Fortuna ein Elfmeter zugesprochen wird, schnellstmöglich von jedem Punkt der Erde Arjen Robben eingeflogen wird und mit Sondergenehmigung der Fifa und des niederländischen Königshauses den Elfmeter schießt. Das wäre dann aber wahrscheinlich der Punkt, an dem der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zugunsten der Fortuna einschreiten würde.

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Seufz. Es ist ja so, dass wir ein großer Anhänger des Komikers Otto Waalkes sind und deshalb bislang an dessen berühmte These glauben: Dänen lügen nicht. Dann lasen wir bei der Deutschen Presse-Agentur, dass der sogenannte Sportdirektor des Hamburger SV, der Däne Frank Arnesen, nach dem Chelsea-Sieg Folgendes von sich gab: "Ich habe da sechs Jahre gearbeitet und freue mich für Roman Abramowitsch. Er hat viel eigenes Geld investiert, davor habe ich großen Respekt." Nun. Abramowitsch, dem der FC Chelsea gehört, wurde zu einem der reichsten Männer Russlands durch Öl- und Stahlgeschäfte. Alles klar? Er verstand sich super mit Jelzin und Putin. Alles lupenrein. Am Anfang war es ja noch ganz sympathisch, da stellte er laut Wikipedia, "profane Dinge wie Plastikspielzeug her". 2006 hatte er Stress, als ihm seine Ehefrau bei der Scheidung, wohl ganz im Geiste des Plastikspielzeug-Gedankens, massiv ans Badewannen-Quietsche-Entchen ging und fette Abfindungen forderte. Aber ansonsten kam der Genosse Abramowitsch immer ganz gut über die Runden. Eigenes Geld? Da lacht die Gummihex‘!! Vollpfosten!!

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Extrem schwieriger Übergang jetzt zum SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, Siggi Popp, wie manche ihn damals nannten, als er noch Pop-Beauftragter der SPD war. Am Montag kam er in die Bredouille - und im Vergleich dazu war das Relegationsspiel in Düsseldorf Kinderkräppelkaffee. Er sprach beim Kongress der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) und konnte sich laut dpa "die Bemerkung nicht verkneifen", dass die SPD im Vergleich zu den Grünen für junge Frauen wenig anziehend sei. Beweis: Man müsse sich nur mal die Altersstruktur der ASF anschauen.... Nun. Man kann so was natürlich sagen. Man kann sich auch alleine vor 80.000 Borussia-Fans im Dortmunder Stadion hinstellen und "Scheiß BVB" brüllen. Es gibt aber angenehmere Suizid-Möglichkeiten. Sie hatten ihn aber auch gereizt. Hatten "männliches Verhalten" in der Parteiführung beklagt. Was sie damit meinten? Vermutlich: Essen, Saufen, Faulenzen, Fußballgucken, frauenfeindliche Sprüche klopfen, was Frauen halt so unter männlichem Verhalten verstehen. Ferner klagten die ASF-Damen über Schriftstücke im Willy-Brandt-Haus, "die nicht geschlechtergerecht" seien. Leute, was sind denn "geschlechtergerechte Schriftstücke"? Gebrauchsanweisungen für elektronische Einparkhilfen beim Einkaufswagen? Antragsformulare zur steuermindernden Berücksichtigung eines Damenschuhe-Zimmers im Einfamilienhaus? Liebe ASF, ihr wisst doch, wie wirklich böse Sozis aussehen, denkt doch nur mal an Dominique-"für-die-Frauenquote-springe-ich-aus-jeder-Hoteldusche"-Strauss-Kahn. Dagegen: Das ist doch kein Böser, der Siggi, der will doch nur, also, Kanzlerkandidat werden, oder so was.