Einfach mal aus der Distanz abziehen

Im aktuellen 05-Kader fehlt einer, der im Spiel einfach mal aus der Distanz draufschießt. Einer wie "BumBum" Babatz, dessen Schüsse in seiner Nullfünfer-Zeit - hier eine Szene aus der Saison 2004/05 - gefürchtet waren. Archivfoto: rscp

Dem Mainzer Spiel fehlt es nicht an defensiver Stabilität, sondern an offensiver Durchschlagskraft. Es fehlt den 05ern ein Typ wie "BumBum" Babatz!

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. Von Dennis Rink

Sicher überliefert ist es nicht, aber die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass Kasper Hjulmand in diesen Tagen gemeinsam mit seinen beiden Co-Trainern Keld Bordinggaard und Flemming Pedersen in seinem Büro im sehr schmuckvoll umgebauten Inneren der Haupttribüne des Bruchwegstadions gesessen und überlegt hat, wie dieser verdammte Ball am besten, schnellsten, saubersten und präzisesten in diesen Strafraum gelangen kann. Die klassischen Flanken, die berühmten vertikalen Pässe in die Schnittstellen (früher: Steilpass) oder doch ein gechipter Ball aus dem Mittelfeld über die Abwehrreihe hinweg - alle Mittel eint ein Zweck: der Ball muss in den Sechzehner. Da werden Tore gemacht und da werden Spiele entschieden. Ja, das stimmt - und jetzt kommt das große Aber - der Ball kann durchaus auch auf einem ganz anderen Weg in den gegnerischen Kasten gelangen. Der gute alte Distanzschuss, den spätestens Christof "BumBum" Babatz in Mainz salonfähig gemacht hat, müsste mal wieder ausgepackt werden.

Eingestaubt und ungenutzt schlummert dieser schon seit einiger Zeit in irgendeiner Taktik-Kiste. Die Frage ist nur, warum? Klar, ein präzises Kurzpassspiel mit einstudierten Laufwegen hebelt jede Viererkette aus und ist obendrein noch schön anzusehen - aber nicht bei andauernder Erfolgslosigkeit. Gerade, wenn die Laufwege nicht stimmen oder die Lücken zugestellt sind, kann so ein Distanzschuss viele Knoten lösen. Zumal die Mainzer in jeder Partie einige Chancen haben, um einfach mal abzuziehen. Sie tun es aber nicht. Stattdessen spielen Yunus Malli und Co. den Ball lieber noch einmal nach außen oder suchen verbissen nach einer nicht vorhandenen Lücke.

Jetzt ist etwa Malli nicht gerade für seinen krachenden Schuss aus der zweiten Reihe bekannt, aber Jungs wie Johannes Geis oder Julian Baumgartlinger (wenn er wieder fit ist) haben durchaus einen statthaften rechten Fuß. Ob spektakulär in den Winkel, abgefälscht oder einfach nur, um den gegnerischen Torhüter wachzuhalten - ein Distanzschuss birgt einige Vorteile und ist übrigens auch ein gutes Mittel, um eine Aktion abzuschließen, wenn man den Gegenspieler im Eins-gegen-Eins am Strafraum stehen gelassen hat, wie es Hjulmand von seinen Offensivkräften fordert. Zumal Pässe in die Schnittstellen und Distanzschüsse sich ja nicht gegenseitig ausschließen. Auch hier gilt, wie so oft im Leben: die Mischung macht‘s.