Eine Runde Tetris mit den Profigamern

Korrekturen an der "Wand". Foto: Christine Bausch

Fünfspaltiger Aufmacher, dazu einen Freisteller und ein Infokästchen kommt auch noch dazu - und die Meldung muss bitte auch noch unbedingt mit auf die Seite. Die Arbeit am...

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. Bevor ich wusste, wie eine Zeitungsseite entsteht, habe ich mir immer vorgestellt, dass es wohl so ähnlich sein muss, wie Tetris zu spielen. Förmchen drauf, gucken, wo es passt, dreimal drehen - dam dadadam dadadam dadada - sitzt. Jetzt weiß ich, dass es ganz so einfach dann doch nicht ist. Eine Tageszeitung punktet nämlich nur, wenn die Artikel - also die Förmchen, um beim Tetris zu bleiben - auf der Seite auch möglichst hübsch aussehen. Dafür gibt es eine ganze Abteilung, in der täglich fleißige Kollegen daran arbeiten, die Nachrichten ansprechend zu verpacken. Das sind quasi die Profigamer. Und natürlich dürfen auch wir Volontäre dort von Zeit zu Zeit am Erscheinungsbild unserer Zeitung mitarbeiten. In meinem Fall allerdings zu Lasten des Punktestandes - zumindest in den ersten paar Runden.

Desk steht für "Dort Erfinden Sie Kunst"

"So, das tust Du jetzt hier rüber, das kommt da oben hin und das Bild muss rüber, dann kann der Infokasten da hin und dann… warte, ich mal es Dir eben auf!" Und in einem Affentempo ist die ganze Seite blau. Kästchen mit Ausrufezeichen, Pfeile die von rechts außen über Eck nach links unten laufen, eine große drei auf dem Artikel und eine Brille am Seitenende. Da kommen mir jetzt direkt diese Rätsel aus den Micky-Mouse-Heftchen in den Sinn, in denen man als Kind immer den richtigen Weg für die Maus gesucht hat, damit sie zum Käse kommt. Spätestens jetzt weiß ich, dass der Abteilungsname Desk wohl für "Dort Erfinden Sie Kunst" stehen muss. Was genau soll ich jetzt noch mal machen? Die Brille aufsetzen und mir die Seite in Dreiteufelsnamen noch mal ganz genau angucken?

Von wegen Tetris läuft auf jedem Rechensystem… Bei Volontären holpert es offensichtlich. Kein Wunder, dass man da spätestens am dritten Tag von der Arbeit träumt. Ein Artikel auf der Titelseite war ich im Traum. So richtig mit Zwischenzeilen, gelbem Infokästchen, schöner Überschrift, eben allem drum und dran. Rechts ins Eck hätte ich gesollt - wollte ich aber nicht. Dann hätte ich nämlich gekürzt werden müssen. "Mit mir nicht!", hat mein Artikel-Ich da wohl gedacht und erst mal das System abstürzen lassen. Ha! Da fällt mir gerade ein, von Tetris habe ich nachts auch manchmal geträumt. Das geht aber vielen so, stand mal im Nintendo-Magazin. Das kommt davon, weil das Spiel süchtig macht. Und da kommt mir gerade eine verrückte Idee: Was könnte man für Zeit sparen, wenn man die Zeitungsseite künftig einfach nachts schon fertig träumt. Dann hätte man ja quasi schon morgens Feierabend - und mehr Zeit zum Tetris zocken…

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Von Julia Schilling