Eine Ära geht zu Ende - der Abschied vom Volontariat

Auf einem Film- und Musikfestival erfährt ein Volontär viel Interessantes, vor allem neue Themen für die nächsten Ausgaben. Archivfoto: pa/Axel Schmitz

Nun rückt er unaufhaltsam näher. Der Zeitpunkt. So still und leise wie er gekommen ist. Der Status des Volontariats wird nicht mehr lange anhalten. Ein neuer Abschnitt...

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. Von Laura Jung

Eins vergisst man als alter Hase immer schnell: Aller Anfang ist schwer. Rückblickend war das Volontariat eine Reifeprüfung, eine große Fahrt ins Ungewisse, eine Reise, bei der man oft auf sich allein gestellt war, und gerade dadurch jeden Tag dazugelernt hat.

Alles begann mit dem Wunsch, zu schreiben und der Erkenntnis, dass Journalisten etwas bewirken können. Aber zwischen Wunsch und Wirklichkeit klafft bekanntermaßen eine Lücke.

Und plötzlich fand ich mich als freie Mitarbeiterin bei Micky Krause und Tim Toupet auf der Alzeyer Hüttengaudi wieder. "Geh mal Bier holen, du wirst schon wieder hässlich." Ich ahnte irgendwie, dass der Song so schlecht war, dass er schon wieder gut war. Und ich sollte recht behalten.

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Immer draußen und "nah bei de Leut"

Je verrückter der Termin, desto begeisterter war ich von meiner neuen Tätigkeit: Ob Astronomieverein in Weinheim, Jazz-Konzert in Bechtheim oder Waldkindergarten in Alzey, ich erlebte die Sternstunden einer Lokalreporterin. Immer unterwegs, immer draußen und "nah bei de Leut" und dem, was sie bewegt.

Nach einem Praktikum in der Mainzer Lokalredaktion war dann die Chance da: Der Verlag rüstete seine Volontärsmannschaft auf und ich bewarb mich. Nach ein paar Hintergrundgesprächen mit praktizierenden Volos, die ich heute meine Kollegen nennen darf, fühlte ich mich gewappnet und das Bewerbungsgespräch war eine unterhaltsame Diskussionsrunde. Die Begeisterung über die Zusage entlud sich in fröhlichem Gequietsche. Ich hatte es doch tatsächlich geschafft. Wo ein Wille war, war plötzlich auch ein Weg.

Wilde Reise durch Lokalredaktionen

Und dann ging sie los, die wilde Reise durch die Lokalredaktionen des Rhein-Main-Gebietes. Zwei Jahre auf Wanderschaft. Ein paar Brocken musste ich schlucken, andere aus dem Weg räumen. Man wächst bekanntlich an seinen Aufgaben. Wie fangen Schüchterne an zu reden? Wie findet man geeignete Ansprechpartner zu den unterschiedlichsten Themen? Wie reagieren, wenn man bei einem Vater anrufen soll, dessen Sohn kürzlich bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist?

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Man begegnet vielen unterschiedlichen Menschen auf dieser Reise. Manche unglaublich herzlich, andere eher garstig. Und mit allen muss man sich auseinandersetzen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Redaktion. Das schult fürs Leben.

Persönlichkeitsbildende Ausbildung

Zwei Jahre Ausbildung, nicht nur journalistisch, sondern auch persönlichkeitsbildend. Es gibt wenig, was jungen Menschen so viel Freiheit und so vielfältige Einblicke in die unterschiedlichsten Lebensbereiche ermöglicht wie ein Volontariat. Ein Privileg und eine Herausforderung zugleich.

Und das Beste: Es gibt auch Perspektiven für die Zukunft. Seit ich bei der Verlagsgruppe Rhein Main angefangen habe, wurden alle Volontäre als Redakteure übernommen. Das ist nicht selbstverständlich.

Auch ich trete ab Juli eine feste Stelle als Redakteurin beim Wiesbadener Kurier an. Andere Rheinseite, gleicher Verlag. Und wieder einmal neue Kollegen, neuer Arbeitsplatz, neue Aufgaben als Blattmacherin. Aber dem sehe ich gelassen, freudig und neugierig entgegen, denn wenn ich eins im Volontariat gelernt habe, dann ist es, sich auf neue Menschen und neue Situationen einzustellen. Der Zeitpunkt des Abschieds vom Volontariat ist gekommen, aber die Reise geht weiter!