Ei, Lizzie, moi Drobbe

Die Queen in Frankfurt - und Landeschef Volker Bouffier zeigt der britischen Königin vom Rathausbalkon - ja was eigentlich? Ein Flugzeug? Foto: dpa

Berlin ist eigentlich zu langweilig für die Queen. Wiesbaden wäre das Richtige für sie gewesen. Aber gut. Wie sagt man hierzulande: Frankfort, alsfort.

Anzeige

. Deutschland-Besuch der Queen. "Lizzie und die Feierbiester" nannten wir sie bisher. Wir sehen ein: Das war höchst despektierlich. We are so sorry, Majesty. Oder so. Wie meinen? Der ältere Gentleman dicht bei der Queen? Nein! Das ist nicht Rolf Seelmann-Eggebert!

*

Also. Das Wichtigste bei einem solchen Staatsbesuch sind ja die Benimmregeln. Da trifft es sich gut, dass wir in dieser unserer Zeitung am 19. Mai berichteten, dass sich in einer Umfrage 75 Prozent aller Deutschen für ein Schulunterrichtsfach "Benehmen" aussprachen. 75 Prozent! Verfluchte Hacke. Is‘ ja fast eine Zweidrittelmehrheit, Alder. Das kannst Du krass konkret nicht einfach kniggen.

*

Anzeige

Eine dieser Benimmregeln lautet: nicht ansprechen, sondern warten, bis man angesprochen wird. Nun, das soll es auch in normalen deutschen Ehen geben. Wobei, normal...Sagen wir mal so, in Ehen, in denen folgender Gag Realität werden kann: Beim Frühstück tropft Marmelade auf sein Hemd. Er: "Ach, bin ich ein Ferkel." Sie: "Ja, und bekleckert hast Du dich auch noch." Weitere Benimm-Regel gegenüber der Queen: nicht berühren. Michelle Obama hat dagegen mal verstoßen und den Arm um sie gelegt. Okay, es gibt echt Schlimmeres. Aber, wie gesagt: nur gucken, nicht anfassen. Logisch, Touchscreen-Lizzie - das ginge gar nicht.

*

Nun sind die Royals im Moment ja bester Dinge, weil Catherine am 2. Mai ihr zweites Kind bekommen hat, Charlotte Elizabeth Diana of Cambridge. Elterngeld? Herdprämie? Keine Ahnung. Wir entnehmen "Spiegel Online", dass die Queen am 5. Mai entzückt am Bettchen ihrer Urenkelin stand. Und wir vermuten, dass sie dem Baby, obwohl es noch nicht so richtig versteht, schon mal prophylaktisch ein bisschen was eingeflüstert hat, für die Tiefenwirkung. Es könnte so gegangen sein: "Pass auf, meine Kleine, ich erzähl Dir mal ein paar wichtige Sachen. Also, Dein Opa Charles ist nicht der Schlaueste, hoffentlich hast Du nicht seine Segelohren geerbt. Er denkt, er wird König. Pah! Nur über meine Leiche....nein, selbst dann nicht. Diana ist leider nicht mehr da, die ist auf Lummerland und kommt nicht mehr zurück. Dein Onkel Prinz Harry ist ganz in Ordnung, aber ziemlich durchgeknallt. Und, ach ja, noch was: Das dritte Tor in Wembley im WM-Finale 1966 gegen die Krauts war natürlich nicht drin. Meine Mutti, Queen Mum, hatte am Vorabend mit dem Schiedsrichter, einem komischen Schweizer, den einen oder anderen Gin gekippt." Jetzt weiß Charlotte schon ziemlich gut Bescheid.

*

Klar, dass die Queen bei ihrem Staatsbesuch nicht bloß im langweiligen Berlin bleiben konnte. Wohin, um das pulsierende Leben zu erleben wie in London - nur noch viel aufregender? Genau. Wiesbaden. Warum das letztlich nicht so kam, wir wissen es nicht. Vor ein paar Jahren galt es ja auch schon mal als sicher, dass Obama nach Wiesbaden kommen sollte, und es klappte auch nicht. Wahrscheinlich Sabotage, NSA, KGB, BND, SPD oder irgend so was. Na gut, dann wenigstens Frankfurt als Hessen-Metropole. Ist schon auch prädestiniert, als Stöffche-Empire mit Green Sooß und Big Bembel. Last but not least: God Save the Fraport.

Anzeige

*

Und jetzt kommt‘s: Der Name des Nesthäkchens Charlotte stellt ja eine ganz enge Beziehung zu Hessen her! Wir lesen bei Wikipedia: Der Name Charlotte setzt sich zusammen aus der romanisierten Schreibweise "Karl" des althochdeutschen Wortes "karal", der Tüchtige, plus der französischen Diminuitiv-Erweiterung -otte, was nichts Unanständiges ist trotz Charlotte Roche und ihrem Roman "Feuchtgebiete". Also bedeutet Charlotte letztlich "weibliches Karlchen", was hinwiederum klar auf den legendärsten hessischen Karl hinweist und auf seine Frau, die wir nur allzugut kennen: "Ei, Karl, moi Drobbe." Richtig, die so genannte Hesselbach-Linie lässt grüßen.

*

Eine weitere Verbindung zu Hessen: Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, geboren am 27. April 1650 in Kassel, und wenn Du in Kassel geboren wirst, bist Du natürlich prädestiniert, Karriere zu machen. Das gelang Charlotte Amalie dann auch, sie wurde durch Heirat Königin von Dänemark. Die so genannte Smörebröd-Connection. A propos: Charlotte ist laut Wikipedia auch noch der Name von zwei Süßspeisen, eine warm, Ursprungsland England, eine kalt, Ursprungsland Frankreich. Und nur böse Zungen behaupten, von der Süßspeise Charlotte sei der Kampfname "Calli" abgeleitet, für Reiner "Calli" Calmund.