Diri Do, Du Dödel, Schwimm

Die gute Nachricht von den Deutschen bei den Londoner Schwimmwettkämpfen: Es ist niemand ertrunken. Doch sah der Auftritt unserer schwimmenden Olympioniken kaum besser aus als...

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. Wir geben offen zu, dass bezüglich unseres Verhältnisses zum Schwimmsport die Wogen der Begeisterung nicht sehr hoch gehen. Das hat wahrscheinlich mit einem dramatischen Erlebnis zu tun: unserer Prüfung zum sogenannten "Freischwimmer" vor gefühlt 250 Jahren. Man musste vom Beckenrand reinspringen und dann 15 Minuten schwimmen. Egal, welches Tempo. Einfach nur so schwimmen. Egal, wie. Wir wollen jetzt an dieser Stelle nicht reflektieren, ob der eine oder die andere unserer Londoner Olympioniken bei seinen/ihren Darbietungen Ähnliches im Sinn hatte. Jedenfalls: Als unsere 15 Minuten rum waren, war der die Prüfung abnehmende Bademeister in ein Gespräch mit seiner Kollegin vertieft. So vergingen 22 Minuten, und wir schwammen immer noch. Nachdem der Bademeister sein Gespräch beendet hatte, schaute er auf die Uhr und rief uns zu: "Dann machst du gleich den Fahrtenschwimmer." Was bedeutete: 30 Minuten schwimmen, wovon ja schon 22 rum waren, aber: Sprung vom 3-Meter-Brett!! Hatten wir noch nie gemacht. Nach 30 Minuten raus aus dem Wasser, der Sprungturm war schon geschlossen, ein Brett vor den Leitersprossen, zum Raufklettern mit Ach und Krach ein Fußbreit Platz. Hieß: Man kam auf diesem Weg über die Leiter rauf, aber nicht mehr runter, jedenfalls nicht ehrenvoll. Man glaubt ja gar nicht, wie hoch drei Meter von oben aussehen beim ersten Mal. Es dauerte dann gut zehn Minuten und bedurfte hämischer Zurufe einer älteren, uns bis heute unbekannten Dame, bis wir sprangen... nun, das wäre zu viel gesagt. Wir ließen uns runterplumpsen. Wir können also total mitfühlen, was dem deutschen Schwimmteam da gerade widerfährt.

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Die gute Nachricht von den Deutschen bei den Londoner Schwimmwettkämpfen: Es ist niemand ertrunken. Überhaupt haben wir nie verstanden, warum man schwimmen sollte, wenn man auch rudern kann. Allerdings muss man beim Rudern bereit sein, zu krepieren, aber erst hinter dem Zielstrich. Als die Briten im Achterfinale Ärger machten, entschied sich der deutsche Steuermann Martin Sauer, die Seinen nicht erst bei 1500, sondern schon bei 1200 Metern zum Endspurt zu bitten. Bei 2000 Metern Streckenlänge sind 800 Meter Endspurt relativ viel. "Wir haben einfach ein bisschen früher angefangen, es war notwendig", sagte Sauer hinterher. Es geht da also sehr korrekt und einfach zu.

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"Würdelos, unehrenhaft, geradezu beschämend" titelte die "Welt" am Dienstag. Na, mal nicht so hysterisch, dachten wir, immerhin bis dahin einmal Silber im Degenfechten. Gemeint war aber, dass sich der Chef der Bundespolizei über den Bundesminister des Innersten, Hans-Peter Friedrich (CSU), beklagte. Der hatte der Spitze der Bundespolizei in Zeitungen mitteilen lassen, dass sie gefeuert wird.

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Der russischen Frauenband Pussy Riot (nein, wir werden auf den Namen jetzt nicht näher eingehen) droht Haft wegen Rowdytums. Hans-Peter Friedrich droht keine Haft wegen Rowdytums. Ist doch schön, in einer Demokratie zu leben.

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Nochmal Schwimmen. "Dopingstreit zwischen China und USA" lesen wir in den Agenturen. Ruhig, Kinder, ganz ruhig, sind doch genug bunte Pillen für alle da. Aber mal im Ernst: Da wird wild spekuliert, nur weil die chinesische Olympiasiegerin Ye ihre Bestleistung binnen eines Jahres um sieben Sekunden verbessert hat. Leute! Jeder Mittelklassewagen verbessert sein Tempo von 0 auf 50 innerhalb von sieben Sekunden! Außerdem sei Ye beim 400-Meter-Lagen-Rennen auf den letzten 50 Metern schneller geschwommen als der männliche Olympiasieger Ryan Lochte. Hat wahrscheinlich ganz natürliche Ursachen, Heilkräuter und so. Vielleicht ist die gute Ye dann hinterher zu Lochte gegangen und hat gesagt: "Ich zeig’ Dir mal, was mit Deiner Ginsengwurzel falsch läuft."

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Den ersten Aufschwung für die Deutschen brachten die Pferde. Wie meinen? Die Reiter? Na ja. Wir, mein Kater Bébé und ich, sympathisieren da im Zweifel eher mit den Pferden, Motto: lieber Stroh in der Futterkrippe als im Kopf. "Das Paradies der Erde // liegt auf dem Rücken der Pferde // in der Gesundheit des Leibes // und am Herzen des Weibes." An letzterem zweifeln wir allerdings, wenn wir Franziska van Almsick am Beckenrand kommentieren sehen. Böse Zungen wandeln den Spruch ab: "Das größte Glück der Pferde // ist der Reiter auf der Erde." Wir wollten’s ja nur erwähnt haben. Der ursprüngliche Spruch stammt vom Dichter Friedrich von Bodenstedt, geboren 1819 in Peine, gestorben 1892 in Wiesbaden, also ein rasanter Aufstieg gegen Ende hin.

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Kommen wir zu den wirklich lustigen Dingen. Unser aller Kanzlerin urlaubte in Südtirol. Und: Sie wanderte dort, so entnehmen wir der Deutschen Presse-Agentur, mit der Bergsteigerlegende Reinhold Messner! Hinweggefegt all das Oppositionsgeschwätz, sie sei noch lange nicht überm Berg. Alles wird gut. Der Berg ruft, und auf der Alm, da gibt’s koa Sünd. In reiner Luft kann sie wieder klare Gedanken fassen, weit weg von diesem Berlin, wo es drunter und drüber geht, mithin aussieht wie früher bei Luis Trenker im Rucksack, übersetzt für Flachlandtiroler: wie bei Hempels hinterm Sofa. Diri-do-da-dödel-du. Vielleicht macht sie sogar ihr Jodeldiplom. Eine Vision: "Da vorne ist der Yeti", ruft Merkel. War aber nur eine Fata Morgana, der irrlichternde Hans-Peter Friedrich, verfolgt von seinen Kritikern, die brüllen: "Das ist der Gipfel!"