Die Würstchen von der NSA

Abhören ist Trumpf. Foto: dpa

Wir feiern die internationale Akustik-Woche: Wir hören zu, die Spione hören ab, Bruno Labbadia hört auf.

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. Der US-Geheimdienst NSA hat auch das Hauptquartier der Vereinten Nationen abgehört. Eine Eskalation ohne gleichen. Am Ende wird noch herauskommen, dass die NSA auch sich selbst abgehört hat. Und als Weihnachtsgeschenk spielen sie sich dann die Aufnahmen vor. NSA-Mitarbeiter, sogenannte Spähtrupps, oder auch Hörgeräteakustiker genannt, stürzen unterdessen in tiefste Depressionen: "Ich höre Stimmen, o Gott, ich höre grässliche Stimmen." "Ja, Schatz, Du hast den Telefonhörer am Ohr und redest mit meiner Mutter."

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Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) sind die Aktivitäten der NSA auch vom Frankfurter Generalkonsulat ausgegangen. Frankfurt! Spionage im Bahnhofsviertel-Nachtleben. Der Begriff "Würstchen im Schlafrock" gewinnt da eine ganz neue Bedeutung. Wir nennen es ganz profan die Äppelwoi-Connection und denken an einen neuen Filmtitel: Der Spion, der aus dem Bembel kam. Einer der überragenden Vorzüge der Frankfurter ist ja ihr ausgeprägtes und sehr treffendes Idiom. Insofern muss man die Abkürzung NSA zukünftig vielleicht ganz anders lesen, nämlich Nachtkapp, Schissersche, Abeemick. Nachtkapp bedeutet Trottel, Schissersche spricht für sich, und Abeemick ist eine Toiletten- oder auch Schmeißfliege. In neuem Licht erscheint vor dem Hintergrund NSA auch das berühmte Äppelwoi-Lied "Die Fraa Rauscher aus de Klappergass". Rauschen, sogenanntes Grundrauschen, ist bei akustischen Vorgängen nicht wegzudenken.

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Auch in Wien, so dpa, hat die NSA einen Lauschposten. Ja, wo sonst?! Hat uns Falco, Gott hab‘ ihn selig, schon gesungen: "Drah di net um, oh, oh, oh//der Kommissar geht um, oh, oh, oh." Und wo passt eine Lauschzentrale besser hin als in eine Stadt mit einer so phantastischen Sprache:Ein Polizist heißt "Kiwara" (mittelhochdeutsch: Kieberer), ein zwielichtiger Kerl "Sacklpika". Da wird wohl irgendwas gepiekst an einer bestimmten Körperstelle. Wien, schon historisch eine Stadt für Spione, wie man aus dem berühmten englischen Film "Der dritte Mann" weiß, 1949 mit Orson Welles. Da geht es um Penicilin-Schmuggel. Dopingtests waren damals noch kein Thema. Berühmt auch die Filmmusik: das Harry-Lime-Thema, gespielt auf der Zither. Alte Bauernregel: Erst zithern//dann twittern.

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Kommen wir zu lustigeren Themen. Der Fußballbundesligist VfB Stuttgart ist derzeit grottenschlecht, manche sagen: die Fortsetzung von Stuttgart 21 mit anderen Mitteln. Also haben sie ihren Trainer Bruno Labbadia gefeuert. Labbadia, geboren in Darmstadt, also praktisch einer von uns. Wir lesen in der "Frankfurter Rundschau" (FR) den Kommentar, warum das so kommen musste. Labbadia habe sich extrem unbeliebt gemacht, weil er "zum Abschluss des Trainingslagers plötzlich tiefgestapelt" habe. Ja, aber das ist doch völlig klar! Labbadia wurde weltberühmt durch seinen Ausspruch, man solle nicht alles gleich so "hochsterilisieren". Dann lieber tiefstammeln. Extrem interessant auch die Überschrift der FR, die von einer "humorlosen Beurlaubung" Labbadias spricht. Interessanter Begriff. Jemand wird humorlos gefeuert. Klar, wir alle würden natürlich eine humorvolle Entlassung bevorzugen. So nach dem Motto: "Zum 30. September sind Sie gefeuert....April, April! Kleiner Scherz! Sie gehen schon am 31. August!" Brüller-Gag. Sehr beliebt auch der Spruch: "Wie lange arbeiten Sie schon bei uns - morgen mal nicht mitgerechnet?"

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Humorvolle Entlassungen wären auch in der Politik und bei anderen Promis das Mittel der Wahl. Wir hätten da Vorschläge (gehabt). Merkel zu Guttenberg: "Nicht pfuschen, schreib Dir das hinter die Ohren, Karl-Theodor. Wir blättern zum Abschied noch ein bisschen in Deiner Doktorarbeit." Zu de Maizière: "Zu Deinem Abflug schenk ich Dir einen Drohnenflug übers Kanzleramt." Zu Peter, the Body-Mass-Index Altmaier: "Bevor Du gehst, spielen wir noch mal Peterchens Mondfahrt: Wir gehen einen Salat essen und dann ins Fitness-Studio." Wenn Rainer Brüderle eines nicht allzu fernen Tages seinen Parteichef Philipp Rösler rauswirft, sagt er versöhnlich: "Komm‘, mir drinken Brüderleschaft." Nicht zuletzt: Wenn der FC Bayern München seinen Trainer Pep Guardiola feuert, schenkt Hoeneß ihm zum Abschied eine CD, und Beckenbauer, Firle¬franz, wie manche ihn nennen, packt sein einziges Spanisch aus: "Hasta la Vista, Baby."