Die Wahrheit is’ nach der Hochzeit

Bastian Schweinsteiger und Ana Ivanovic verlassen nach ihrer kirchlichen Hochzeit die Kirche Chiesa dell'Abbazia della Misericordia in Venedig. Foto: dpa

Jeder hat so seine Mechanismen, Niederlagen zu bewältigen. Bastian Schweinsteiger heiratete in Venedig die Tennisspielerin Ana Ivanovic. Gut, dachte er sich wohl, bevor...

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. Im Falle Schweinsteiger kann man sagen, dass nach dem Halbfinal-Aus gegen Frankreich, mithin nach einer bitteren Klatsche, eine Hochzeit kam. Oft sei es im Leben umgekehrt, behaupten böse Zungen. Aber das ist vielleicht übertrieben.

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Also, Schweinsteiger immer optimistisch: Canal grande statt Kanal voll. Nachdenklich machen uns allerdings zwei Dinge, die wir in der „Bild“-Zeitung lasen. Die Braut Ana habe dem Bräutigam während der Zeremonie nach alter serbischer Sitte auf den Fuß getreten, und DFB-Mannschaftsarzt Müller-Wohlfahrt sei bei der Hochzeit anwesend gewesen. Wie von selbst stehen uns da die Bilder vom WM-Finale 2014 vor Augen: Schweinsteiger blutüberströmt. Viel Glück.

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Sodann lasen wir die ultimative Erklärung dafür, warum Deutschland bei der EM frühzeitig rausflog. Die Bonner Wissenschaftler Hagen Buchholz und Nils Jeners fanden heraus: Sehr oft erleiden Sportler ein Formtief außer nach Verletzungen vornehmlich vor der Hochzeit. Ihrer eigenen natürlich. Fachleute sprechen, kein Scherz, vom „Hochzeits-Paradoxon“ und stützen damit die uralte Weisheit, dass manche Hochzeiten tatsächlich ganz generell paradox erscheinen. Nun gibt es auch die Meinung: Besser ein Formtief vor der Hochzeit als während oder nach der Hochzeit, aber das ist umstritten. Fest steht jedenfalls: Schweinsteigers Handspiel im Strafraum beim Halbfinale war nicht der vorauseilende Reflex „Hände hoch“ angesichts einer unterschwellig als schwere Bedrohung empfundenen Veränderung seines Familienstandes, sondern einfach ein banaler Schwächeanfall.

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Völlig überrascht stellen nach der EM alle fest, dass dem deutschen Fußball Mittelstürmer fehlen. Angeblich steht das Nationalmannschaftscomeback von Miro Klose (38) unmittelbar bevor, und Uwe Seeler (79) soll gesagt haben: „Mensch, wenn ich doch bloß 30 Jahre jünger wäre....“ Nicht zu vergessen Jogi Löw, der in seiner Jugend ein wilder Knipser war. So schoss er für den SC Freiburg zwischen 1985 und 89 in 116 Spielen 38 Tore! In sicherer Erwartung späterer Werbeverträge nannten ihn eingeweihte Kreise damals „Nivea-Bomber“.

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Angeblich haben Frankreichs Radler bei der laufenden Tour de Farce mit Epo auf den Halbfinalsieg der französischen Mannschaft bei der EM angestoßen. Aber schon droht den Pedalrittern neues Ungemach. Laut „Spiegel“ wird jetzt auch auf sogenanntes E-Doping kontrolliert, Minimotoren, die in den Rahmen der Räder eingebaut sind. Na ja, könnte man sagen, macht nicht so ein Gedöns, früher, wir Älteren erinnern uns, gab es vorne an den Reifen Dynamos für den Strom für das Licht am Rad. Irritiert hat uns dann aber in der Tour-Berichterstattung der FAZ die fette Überschrift „Volles Rohr“, die einerseits ein Hinweis auf die im Rahmen eingebauten Minimotoren sein könnte, ferner auf die von den Minimotoren wohl ausgehenden Vibrationen sowie, last but not least, auf die Überlegung, ob E-Doping auch bei den herkömmlichen Urinproben entdeckt werden kann und wie genau diese Urinproben dann vonstatten gehen sollen. Zudem war ein Foto des Radlers Christopher Froome abgedruckt, wie er bei einer rasenden Bergabfahrt nicht auf dem Sattel seines Rads sitzt, sondern, extrem weit nach vorne gebeugt, auf der Verbindungsstange zwischen Lenker/vorderer Radgabel und dem Hinterteil des Fahrrads. Befand sich in der Verbindungsstange, auf der Froome saß, vielleicht ein Minimotor? Wie ging Froome dann mit den vom Minimotor ausgehenden Vibrationen um? Suchte er sie nachgerade? Fragen über Fragen, zu denen eine Überschrift wie „Volles Rohr“ natürlich sehr gut passt. Ganz nebenbei: Froome sah schon sehr komisch aus in dieser Sitzhaltung, „wie en Aff‘ uffem Schleifstää“ (Schleifstein), hätte meine Großmutter selig gesagt.