Leihstimmen in Niedersachsen, da fällt uns Verleihnix ein, der Fischhändler von Asterix und Obelix. Die spinnen, die Römer. Aber nicht nur die.

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. Wir müssen jetzt alle ganz ruhig bleiben, verehrte Leserinnen und Leser, und Ihr, liebe Kinder, fragt wie immer die Mutti, wenn Ihr was nicht versteht (oder sie fragt euch, wenn sie was nicht versteht). Also. Diese FDP-Sache ist heikel, da muss man mit viel Fingerspitzengefühl drangehen. Vor allem muss man störende Nebengeräusche ausblenden, wie zum Beispiel die Überschrift "Wir sind halt ein geiles Team." Die stammt nämlich nicht von der FDP, sondern völlig harmlos vom Torwart der Deutschen Handballnationalmannschaft, Silvio Heinevetter. Und der hat damit nur sein Handballteam gemeint, noch nicht einmal seine enge Beziehung zur Schauspielerin Simone Thomalla, "Tatort"-Kommissarin und 2010 durchaus respektabel im "Playboy". Aber wir dürfen nicht abschweifen, sonst wird der Dreh zurück zur FDP noch schwerer.

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Diese ganze brisante Sache ist vermutlich so gelaufen:"Bitte, bitte nicht!!" Ein Flehen, ein Wimmern, ein Weinen. Aber auf der anderen Seite nur unerbittliche, fast lüsterne Entschlossenheit. Ein allerletzter Versuch: "Bitte, bitte nicht!" Aber Philipp Rösler lächelte nur dieses eiskalte gnadenlose Lächeln und schleuderte es dem armen Brüderle - keiner//ist wie Rainer - ins Gesicht, in diesem Tonfall, der sonst nur nach Mitternacht auf bestimmten Privatfernsehkanälen zu besichtigen ist, wie wir von Dritten erfahren haben: "Ruf..." Pause "...mich..." - "...an..." - Pause ... "und sag‘ auch den anderen, dass Du FDP-Parteivorsitzender wirst, wenn Du willst." Und dabei dachten wir immer, das Folterverbot sei absolut. Schau, schau, der kleine Rösler. Haben ihn echt alle unterschätzt. Wir werden ihn also künftig "Philipp, der Terminator" nennen. Selbst das Angebot, ihm alle Weinköniginnen seit 1960 persönlich vorzustellen, konnte Rösler nicht mehr umstimmen. Der Begriff "den Schwarzen Peter haben" hat seit dem 21. Januar 2013 eine neue Bedeutung und heißt jetzt "den Blau-Gelben Rainer haben".

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"Brüderle wird Gesicht und Kopf der FDP", schreibt die FAZ. Aber Rösler bleibt Vorsitzender. Sind die beiden also, um im oben genannten Sprachduktus zu bleiben "ään Kopp unn ään A...", wie der Rheinhessen sagt, was, entgegen dem äußeren Klang, unverbrüchliche Solidarität bedeutet? Unser aller Kanzlerin hat zur Situation bei der FDP gesagt: "Wir werden so vertrauensvoll wie immer miteinander zusammenarbeiten." Tja, Leute, so schlimm ist die Lage.

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Dass Rösler seine letzte Patrone noch nicht verschossen hatte, hätte uns aber schon aufgrund seines Vornamens klar sein müssen: eine "Philippika" ist nämlich keineswegs die Ehefrau vom Philipp, sondern laut Lexikon eine "Angriffs-, Brand- oder Kampfrede". Benannt ist sie nach Philipp II., König von Makedonien. Das war rund 360 Jahre vor Christus, sodass sich selbst Brüderle und Genscher kaum noch erinnern. Dieser Philipp führte viele Kriege, hatte bisweilen gleichzeitig mehrere Ehefrauen und wurde schließlich von einem seiner Leibwächter ermordet. Super-Leben.

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Dieses Wahlvolk ist aber auch eine undankbare Sippschaft. Da tun diese armen Liberalen wirklich alles, um bei 5,2 zu landen, damit sie im niedersächsischen Landtag drin, Rösler aber aus der Nummer ganz raus ist, und dann kommt dieses blöde Wahlvolk mit 9,9 Prozent für die FDP angekleckert. Womit wir beim Zauberwort des Jahres wären:Leihstimmen. Nun, "leihen" kannte man bislang hauptsächlich vom Video- und Fahrradverleih, und da zeigt sich die ganze juristische Unschärfe. Sobald man etwas bezahlt, ist es kein Leih-, sondern ein Mietvertrag! Der Paragraf 598 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) sagt klar: Ein Leihvertrag liegt vor, wenn eine Sache unentgeltlich zum Gebrauch überlassen wird. Unentgeltlich heißt: "fer umme", wie man hierzulande sagt. Wenn nun also alle Welt von "Leihstimmen" spricht, setzt man voraus, dass die FDP der CDU nicht mal was gezahlt hat für den Kladderadatsch. Typisch.

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Die berühmteste Figur im Zusammenhang mit dem Begriff "leihen" ist ganz sicher Verleihnix, der Fischhändler in dem kleinen gallischen Dorf von Asterix und Obelix. Dass nun Fische ins Spiel kommen, unterstreicht die Brisanz der ganzen Sache, denn wir wissen: Nicht nur bei der Mafia, auch in der ganz normalen Politik schläft einer, der richtig Mist baut, manchmal kurz darauf wie Luca Brasi bei den Fischen. Verleihnix ist grundsätzlich nicht bereit, Fische zu verleihen, weil sie ihm manchmal in schlechtem Zustand zurückgebracht werden. Um es gleich vorweg zu sagen: Wir werden an dieser Stelle, da es ja immer noch um die FDP geht, nicht mit der Behauptung kommen, der Fisch stinke vom Kopf her. Schon deshalb nicht, weil einer der bekanntesten Sätze von Verleihnix lautet: "Mein Fisch stinkt nicht!" Insofern ist aber auch klar, dass Leihstimmen nicht stinken. Was auch dadurch untermauert wird, dass Leihe ja unentgeltlich ist, und dann gilt: Einem geschenkten Fisch schaut man nicht ins Maul. Verleihnix besitzt ein Stück Land, das er mit den Hinkelsteinen dekoriert, mit denen Obelix seine Fische bezahlt. Daher kommen die Begriffe "jemandem einen Stein in den Garten werfen", im Sinn von: einen Gefallen tun, und "bei jemandem einen Stein im Beet haben". Lieber Weißwein zum Fisch als ein Beet samt Bett bei Luca Brasi.

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Die klare philosophische, im Sinne von "Der Butt" (Fisch) fast schon Günter Grass-affine Linie "Leihstimmen - Verleihnix - Obelix" kann nun schlussendlich nur zu einem einzigen Fazit führen: Die spinnen, die FDPler.