Die Bequemlichkeit

Auto stehen lassen: Kaum wird es wärmer, schadet es nichts, die eigene Bequemlichkeit zu überwinden und den Feierabend auf dem Fahrrad einzuläuten. Archivfoto: dpa

Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich Menschen, die selbst für kürzeste Strecken das Auto nehmen, belächelt. Jetzt hat es mich selbst erwischt. Für den kurzen Weg zur...

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. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich Menschen, die selbst für kürzeste Strecken das Auto nehmen, belächelt. Jetzt hat es mich selbst erwischt. Für den kurzen Weg zur Arbeit - fußläufig in ca. 15 Minuten zu erreichen - nehme ich nun seit Monaten nur noch das Auto. Es wurde ja angeschafft, jetzt muss es auch bewegt werden.

Im Sommer war das noch anders. Im Sommer ist es abends hell, da macht ein kurzer Spaziergang nach Feierabend Spaß. Sollte es schneller gehen, nahm ich das Rad. Dann kam der Herbst, und mit ihm der erste Regentag. Ich nahm das Auto. Wieder und wieder. Selbst wenn die Sonne schien, zog ich es vor, Benzin statt Laufkraft in den Arbeitsweg zu investieren. Und so geht es mir mit vielen Wegen. Dem in die Stadt, zum zwei Kilometer entfernten Fitnessstudio, zum Supermarkt. Es ist einfach unglaublich praktisch, so ein Auto.

Noch vor einem Jahr hätte ich mich für diese dekadente Faulheit nicht nur belächelt, sondern geradezu verachtet. Noch vor einem Jahr war ich glücklich und zufrieden mit Bus und Bahn, auf dem Rad und zu Fuß. Dass sich das alles so schnell ändern würde, hätte ich nie gedacht.

Es ist noch gar nicht lange her, da hätte ich auch Menschen, die sich nur darüber aufregen, zu oft das Auto zu nehmen, anstatt einfach etwas zu ändern, belächelt oder gar verachtet. Seit ein paar Tagen laufe ich deshalb jeden Morgen an meinem Auto vorbei, ohne es zu beachten. Es wird ja nun glücklicherweise auch wieder wärmer.

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Anna Tillmann