Die Angst des Erdogan vorm G-Punkt

Recep Tayyip Erdogan bei einer Rede - ob er wirklich noch Angst hat, nach dem einstigen Putschversuch, sagt er hier nicht. Foto: dpa

Eigentlich hatten wir gedacht, G 36 wäre schon der Tiefpunkt. Aber dann kam Hamburg, G 20. Horror. Und jetzt kommt nach der Flüchtlingsflut 2015 angeblich auch noch eine...

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. Der berühmte „Spiegel“-Reporter Alexander Osang, geboren 1962 in Ost-Berlin, fuhr nach Ludwigshafen und Speyer, zu den Trauerfeiern für Helmut Kohl. Hernach schrieb er: „Er (Kohl) war so oft für seine blühenden Landschaften verspottet worden, die er dem Osten versprochen hatte. Verglichen mit dem Zentrum von Ludwigshafen wirkte jeder Pissbahnhof in Vorpommern ... wie ein blühender Zukunftsort.“ Und dann, über Speyer: „Geduckte Häuser, Dunkelheit, seltsame Gaststätten, eine hieß ‚Café Hindenburg‘.“ Hallo, Herr Osang, es konnte natürlich nicht sein, schon gar nicht im „Spiegel“, dass einer wie Sie ein vernünftiges Wort über folgendes Faktum verliert: Kohl hat dafür gesorgt, dass jemand aus der weiland DDR, wo manche zum Überleben, mit Verlaub, den Kitt von den Fenstern gefressen haben, dass also so jemand nach dem Mauerfall nach Hamburg und New York kommen konnte, um zum Beispiel ein berühmter Reporter zu werden. Was Speyer angeht: Es gibt dort die eine oder andere Kneipe, die so cool ist, dass Sie sich ähnliche Locations in Hamburg oder New York in den Hintern schieben könnten, um in Ihrem „Piss“-Jargon zu bleiben. Und wenn die Häuser in Speyer so „geduckt“ sind, fragt man sich, wieso reihenweise BASF-Manager dort wohnen und die Preise extrem hoch sind. Als Bewertung für Ihr Werk über das Kohl-Begräbnis fällt mir – noch immer die „Piss“-Rhetorik im Ohr – ein, was „Monaco Franze“ über eine misslungene Oper sagte: „A rechter Scheißdreck war's. Des war's.“

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Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert mehr Lehrernachwuchs. Damit ist aber nicht gemeint, dass Lehrerpaare mehr Kinder bekommen sollen. Denn nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung steigt die Anzahl der Schulkinder bis zum Jahr 2030 ohnehin drastisch. Und dabei ist der sintflutartige Anstieg der Geburtenrate, der nach den Krawallnächten des Hamburger G 20-Gipfels kommen wird, noch nicht mal mit eingerechnet. Kommen wir mal auf den G-Punkt und geben zu: Nie hätten wir erwartet, dass es nach dem G 36, dem um die Ecke schießenden Gewehr, noch eine Negativ-Steigerung in Sachen „G“ geben könnte. Aber wie heißt der alte Schlager (wobei „Schlager“ da ein problematischer Begriff ist): „In Hamburg sind die Nächte lang.“ Daher auch „Nacht der langen Messer“.

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Schülern ist es angeblich verboten, Schuss- oder Stichwaffen auf dem Schulhof einzusetzen. Wenn es mehr Schüler gibt, werden wohl auch mehr Polizisten..... Quatsch, also: mehr Lehrer gebraucht. Das könnte man so lösen, dass man Lehrkräfte hie und da aus alljährlich mehrmonatigen Ferien zurückholt. In Frage käme auch eine Methode, die jetzt in Rheinland-Pfalz Furore machte. Da wurde ein 13-jähriger Bombenbauer von einem Salafisten betreut. Allerdings erwägen die deutschen Bildungsministerien nicht, zur Bewältigung der Schülerflut größere Mengen von Salafisten als Aushilfslehrer einzustellen. Jedenfalls bislang nicht.

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Im Zusammenhang mit G 20 lasen wir auch, Erdogan lebe „in ständiger Angst“. Echt, jetzt? Aber sicher nicht vor Ziegen. Wir lesen, Erdogan komme aus dem Kleinbürgertum, sei als Bürgermeister schon mal im Gefängnis gelandet. Ach Gottchen. Oder muss das jetzt heißen: Ach Allahchen? Der türkische Präsident fühle sich als ein an die Macht gekommener Vertreter der Unterschicht. Wir sagen: Er braucht sich nicht wie Unterschicht zu fühlen, er i s t Unterschicht, jedenfalls charakterlich. Geht ein Mann zum Psychiater und sagt: „Ich fühle mich minderwertig.“ Sagt der Psychiater, „Sie s i n d minderwertig!“