Der Träner von Russland

Nur Towarisch Udo Lindenberg weiß, warum Putin flennt.

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. Dem Wulff haben sie ja jetzt den Marsch geblasen. War aber schon zu spät. Da hätte er früher einen wirklichen Freund gebraucht, der ihm mal ein paar Sachen erklärt hätte. Jetzt: Großer Zapfenstreich mit dem Lied "Over the Rainbow". Wirkt aber alles irgendwie eher wie "Over the Wupper". Viele wollten gar nicht hingehen. Na, ja. "Wer nicht kommt, braucht nicht zu gehen", pflegte meine Großmutter selig zu sagen. Es haben sich ja nun Gott sei Dank schon alle Kolumnisten zwischen Schloss Bellevue und Wladiwostok darüber ausgelassen, welche Musik sich Wulff doch besser hätte wünschen sollen. Wir sagen: "With a Little Help from My Friends" wäre uns passend erschienen, ursprünglich 1967 von den Beatles, wobei Wikipedia anmerkt, dass John Lennon und Paul McCartney das Lied am Klavier spielten "und einfach nur Phrasen sangen." Einfach nur Phrasen, ja, das kommt uns bekannt vor beim Thema Wulff, aber von vielen Seiten. Das optimale Abschiedslied für Wulff wäre dann aber wahrscheinlich doch Xavier Naidoo gewesen: "Dieser Weg wird kein leichter sein". * Wahlen in Russland. Total überraschend monieren Wahlbeobachter Wahlfälschungen. Putin war ja früher beim KGB. Dort hat man angeblich eine neue Form von "Russisch Roulette" erfunden: in der Urne pro fünf gefälschter Putin-Stimmzettel ein echter. * Und dann, ganz im Zeichen von Hammer und Sichel, der absolute Ober-Hammer: Putin weint angesichts seiner vielen Stimmzettel, vergießt tatsächlich Tränen! Oder ist das die Moskauer Art von feuchten Träumen? Oder Wodka? Die FAZ spekulierte, ob er unter einer Bindehautreizbarkeit leide. Reizbar, kein schlechter Begriff im Zusammenhang mit Putin. Tränen fließen manchmal auch bei Demonstranten, wenn die Staatsmacht Reizgas einsetzt. Wie meinen? Gazprom? Nun ja, auch das ist für manche ein Reizwort. Ein reizendes Wort von Altkanzler Schröder, der nach seiner Amtszeit flugs zu Gazprom wechselte, weshalb wir ihn seitdem Gazprom-Gerd nennen: ein lupenreiner Demokrat sei Putin. Ja. Demokratie kannst du mit der Lupe suchen bei Putin, soll das heißen, oder? * Putin, nun auch noch Träner von Russland. Da böten sich zum Flennen beim Großen Zapfenstreich allerhand Wein-Melodien an, zum Beispiel das Wiener Lied: "Es wird a Wein sein, un‘ mir wern nimmer sein...." Oder, wir Älteren erinnern uns: "Weine nicht, wenn der Regen fällt//Damdam, Damdam//Es gibt einen, der zu Dir hält//Damdam, Damdam..." Klar, Schröder hält zu Dir, Wladimir. Aber das hat Drafi Deutscher vielleicht nicht gemeint, sonst hätte er ja singen müssen: "Marmor, Stein und Eisen bricht//aber unser Putin nicht..." Ja, brechen. Manche Begriffe erscheinen da in ganz neuem Licht. Zum Beispiel auch, dass nach der Wahl die Stimmen "ausgezählt" wurden. Missliebige Stimmen werden ausgezählt wie ein K.o. geschlagener Boxer. * Auf das Nächstliegende kamen wir dann beim Rekapitulieren unseres Lieblingssongs "Moskau" von Towarisch Udo Lindenberg: "Und dann trafen wir im Séparée//die Jungs vom KGB..." KGB, früherer Arbeitgeber von Putin. Weiter mit Udo: "Moskau ist ‘ne Wahnsinns Hully Gully-Stadt//die dir wie‘n Hammer an die Mütze fliegt//und Olga von der Wolga tanzt über‘n Roten Platz//bis die Sichel sich verbiegt." Also: Putin war mit den Jungs vom KGB im Séparée, und wenn sich die Sichel dann verbiegt, ist das natürlich schmerzhaft, und deshalb weint er. Alles klar? * Ich hab‘ die ganze Sache dann noch mal mit meinem Kater besprochen, Towarisch Bébé. Er kennt sich nämlich sehr gut aus mit Wahlen. Er wählt sein Körnerfutter aus, ich kauf‘ es. Und ich kann dann wählen, ob ich erst mal eine neue Packung kaufe, oder besser gleich zwei auf Vorrat. Da ist die Welt total in Ordnung, seine und meine. * Wir weinen vor Freude! Veronica Ferres und Carsten Maschmeyer haben sich verlobt! Maschmeyer, Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Freund von Christian Wulff, Maschmeyer, nach dem der Maschsee in Hannover benannt ist.... nein, kleiner Scherz. Maschmeyer habe schon am 11. November 2011 um Veronicas Hand angehalten, entnehmen wir der "Welt". Am Elften im Elften! Narrhallamarsch statt Zapfenstreich? Wir stutzen auch: um ihre Hand "angehalten", kommt doch von "anhalten", also stoppen, erst mal langsam, oder, um mit Schillers "Glocke" zu sprechen: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet//ob sich nicht was Bessres findet..." Scherz. Es heißt natürlich: "ob sich das Herz zum Herzen findet". Ganz wichtig dann aber Schillers folgender Satz: "Der Wahn ist kurz, die Reu‘ ist lang." * Ein bisschen überrascht hat es uns, dass in der Zeitung direkt neben dem Artikel über die Verlobung Ferres vs. Maschmeyer die Meldung stand, dass sich Anne Sinclair, die Ehefrau von Dominique "für-die-Frauenquote-springe-ich-aus-jeder-Hoteldusche" Strauss-Kahn über die Medien beklagt. Wir erinnern uns: Dominique und das Zimmermädchen in New York. Madame Sinclair meinen - übrigens pünktlich zum Weltfrauentag -, die Medien seien zu voyeuristisch gewesen. War Strauss-Kahn eigentlich jemals verlobt? * Gabriel Garcia Márquez feierte 85. Geburtstag. Bevor er Literaturnobelpreisträger wurde, wohnte er zeitweilig im Bordell, weil dort die Zimmer billiger waren. Vielleicht sollte man das Strauss-Kahn sagen.