Dänen sind Tränen

Dieser syrische Junge freut sich über die Ankunft in Dänemark und winkt mit Fähnchen. Nach ihm wurde der Bahnhof in Rødby für weitere Züge aus Deutschland zwischenzeitlich dicht gemacht. Foto: dpa

Dass die Nordlichter in der Flüchtlingsfrage irrlichtern, macht viele fassungslos. Aber bei näherem Betrachten zeigt sich: Schon Shakespeare hatte eine Vorahnung.

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. Dass Ungarn in der Flüchtlingspolitik jetzt ein bisschen durchknallt, wäre ja zumindest teilweise noch erklärbar. Das Land ist noch immer traumatisiert. Es hat die 2:3-Niederlage gegen Deutschland 1954 beim Wunder von Bern nie wirklich verkraftet. Dass aber jetzt die Dänen durchdrehen und den Zugverkehr zeitweise gesperrt haben, das wäre allerhöchstens durch gigantische Mengen von Flensburger Pils erklärbar, aber das ist ausnahmsweise mal nicht der Punkt.

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Hört mal, ihr Meerjungfrauen und -männer! Wir werden jetzt echt sauer! Nix mehr Smörebröd, Smörebröd, römtömtömtöm. Wir waren immer so gut zu euch! Wir haben zum Beispiel dafür gesorgt, dass eure Sängerin Gitte Haenning weltberühmt wurde. Gut, Gitte kletterte schon 1961 auf den neunten Platz der Hitparade in Schweden mit dem Lied, das wir ja alle kennen, praktisch ein Ohrwurm: Varje stjärna i det bla. (Über diesem letzten a ist eigentlich so ein Kringel, den finden wir auf unserer Tastatur aber nicht.) Um diesen Hammer-Erfolg zu toppen, bedurfte es aber schon des Siegs beim Deutschen Schlagerfestival 1963 mit „Ich will ‘nen Cowboy als Mann.“ Also, geht doch, keine Spur von Fremdenhass. Allerdings sollen sich weder Clint Eastwood noch Old Shatterhand bei Gitte gemeldet haben.

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Ein bisschen schwieriger wurde es dann schon, als Gitte in den 60er Jahren mit Rex Gildo ein Traumpaar bildete, das war aber zwangsläufig rein platonisch. Es war auch schon eine gewisse Tristesse spürbar, zum Beispiel bei dem Lied „Geh‘n sie aus, im Stadtpark die Laternen“. So richtig ausgegangen sind die Lichter für Gitte zumindest in den Augen heterosexueller Männer dann spätestens 1974, als sie hämisch sang: „So schön kann doch kein Mann sein//dass ich ihm ewig nachwein...“ Na gut, Kind, dann halt nicht.

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Dass es Ärger mit Bahnstopps geben würde, machte die Dänin Gitte vor allem 1971 deutlich. In dem „Tatort“ „Kressin stoppt den Nordexpress“ spielte Gitte die Freundin Birgit des Zollfahnders Kressin, letzterer eine Mischung aus Kommissar Schimanski und Cristiano Ronaldo. Im Nordexpress wurden verhaftete Gangster über Kopenhagen nach Deutschland gebracht, wahrscheinlich, weil die Lufthansa-Piloten auch damals schon öfter mal streikten. Die Gangster sollten von Kumpels befreit werden. Die Guten gewannen zwar, aber entsetzt lesen wir bei „Wikipedia“, Kressin habe Ermittlungen in einem Fall von Porno-Schmuggel in Kopenhagen dazu genutzt, sich nebenher mit seiner Freundin Birgit, gespielt von Gitte, zu „vergnügen“. Hammer! Von wegen „we are red, wer are white//we are Danish dynamite.“ Sodom und Gomera!

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Sogar Shakespeare hatte schon prophezeit, dass es leicht Kuddelmuddel geben kann mit diesen Dänen: die Tragödie von Hamlet, Prinz von Dänemark (um 1600). Das Werk ist einerseits durchaus sympathisch durch Zitate wie „Schwachheit, dein Name ist Weib“, oder „kein Borger sei und auch Verleiher nicht“ – die Propagierung des Endes von Nettoneuverschuldungen in Staatshaushalten, bisweilen auch „die schwarze Null“ genannt, nur von Rassisten als „N.N“ – „Neger-Null“ verunglimpft. Unterm Strich aber unheimlich viele Tote bei Hamlet. Und das berühmte „Sein oder Nichtsein“, Original Shakespeare „to be or not to be“ müssten Flüchtlinge mit Blick auf die dänische Abschottung heutzutage umformulieren in: to flee (flüchten) or not to flee....

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So ein Gewehr//hat‘s schwer. Bis zur letzten Patrone wollte das altehrwürdige Sturmgewehr G 36 der Bundeswehr durchhalten, aber die Verteidigungsministerin von der Leyen, U-Boot-Ursula, wie wir sie nennen, warf jetzt doch vorzeitig die Flinte ins Korn. Die Deutsche Presse-Agentur wies, ein Abschiedssalut sozusagen, darauf hin, dass bei einer Temperaturveränderung von 30 Grad mit dem G 36 nur noch eine Trefferquote von 30 Prozent festgestellt worden sei. Nun möge aber jeder mal in sich gehen und darüber nachdenken, wie hoch in diesem Sommer bei Temperaturen bis zu 40 Grad und entsprechenden Temperaturveränderungen seine persönliche Trefferquote war, bei was auch immer. Andererseits muss man vielleicht doch befürchten: Wenn bei 30 Grad Temperaturveränderung eine Trefferquote von 30 Prozent herauskommt, sind es bei null Grad Temperaturveränderung vielleicht null Prozent Trefferquote. Und das wäre dann doch relativ wenig, und dann hülfe wahrscheinlich auch der Hinweis nicht, es handele sich um eine schwarze Null.