Bussi-Barack

Mehr als ein Bussi zwischen Mann und Frau. Foto: dpa

Ein Kanzlerinnen-Kuss in Berlin war für den amerikanischen Präsidenten offenbar wichtiger als eine Visite in Wiesbaden. Wir sind nicht nachtragend. Aber wir vergessen auch nichts

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. Für viele Menschen in der Region war das bewegendste Thema dieser Tage ... Wie meinen? Flutkatastrophe? Proteste in der Türkei? Obama? Quatsch! Sondern: Die Unesco hat beschlossen, dass Koblenz die Seilbahn über den Rhein behalten darf und das Mittelrheintal damit nicht den Titel "Weltkulturerbe" verliert. Super! Seilbahn! Dabei dachten wir immer, in der Politik sei Seilschaft viel wichtiger als Seilbahn. Glückauf, Koblenz! Diri do da dödel du! Auf der Alm da gibt‘s koa Sünd‘. Wir vermuten allerdings, dass dieses Entgegenkommen der Unesco einen bitteren Preis hat: Weder der Nürburgring noch der Flughafen Hahn werden in absehbarer Zeit Weltkulturerbe. Nun, zumindest den pfälzischen Teil der hiesigen Bevölkerung, der ja mit den Ministerpräsidenten/Innen Helmut Kohl, Kurt Beck und Malu Dreyer seit Jahrzehnten eine fast übermächtige Dominanz entfaltet, wird das nicht erschüttern. Denn für den Pfälzer als solchen gibt es, Unesco hin oder her, nur zwei wirklich heilige Gralsstätten: das Fritz-Walter-Stadion, im Volksmund "Betzenberg", kurz: "Betze" genannt, und "de Globus", einen bekannten Einkaufsmarkt, der samstags sowie an Heiligabend und Ostersamstag vom Gedränge-Faktor her den "Betze" locker schlägt.

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Die Obamas in Berlin, na gut. Aber: "Ob ‘a ‘ma" (ob er mal) nach Wiesbaden kommt?", fragten sich die hessischen Hauptstädter. Pustekuchen. Dicker Hund eigentlich, seine ganzen wichtigen Jungs sitzen in Erbenheim im Headquarter, und der Herr geruhen, in Berlin Bussi-Bussi zu machen mit unser aller Kanzlerin. Die säuselte "lieber Barack", was komisch klingt, aber es stimmt:lieber Barack als liebe Baracke. Doch kurz darauf war Merkel so mit den Nerven runter, dass sie erklärte: "Internet ist Neuland." Wir verbuchen das einfach mal unter "Mutti und die Mikrochips" und hoffen bloß, dass sie nicht demnächst Google löscht.

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"Wird es noch mehr Enthüllungen geben?", fragte die wunderbare Zeitung "Die Welt". "Ja, bitte", rufen wir da und schauen auf Michelle, ma Belle Obama, die zarteste Versuchung, seit es Präsidenten gibt. "Die Welt" hatte zwar das amerikanische Computer-Ausspähprogramm "Prism" gemeint, aber egal. Die wohltuendste zwischenmenschliche Erkenntnis aus dem Obama-Besuch war: Michelle hat keine Pony-Frisur mehr! Höret unsere Worte: Bei Frauen mit attraktiver Kopf- und insbesondere Stirnpartie ist eine Ponyfrisur vollkommen kontraproduktiv.

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Diese nicht unheikle Thematik gibt uns Gelegenheit, der hie und da geäußerten, völlig ungerechtfertigten Auffassung entgegenzutreten, "Die Woche" sei bisweilen von männlichem Machismo geprägt. Sehr geehrte Damen, liebe völlig überschätzte Kampffeministinnen, keine Spur! Im Gegenteil. Wie Sie am Thema Michelle Obama leicht feststellen können, sind wir die Ersten, die beweisen, dass sich die Blicke intelligenter Männer in ganz starkem Maße auf den Kopf einer Frau konzentrieren. Auch.

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Wie kriegen wir jetzt den Übergang noch mal zurück zum amerikanischen Ausspähprogramm Prism. Vielleicht ist das ja ganz harmlos, quasi die US-Variante von "Schau ma mal". Obama hat dann auch sofort beschwichtigt, er habe "zur Überprüfung der Spähprogramme ein Gremium für Bürgerrechte eingesetzt". Böse Zungen behaupten allerdings, dieses Gremium trage den Namen CIA. Aber das ist wahrscheinlich übertrieben.

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Das Bundesinnenministerium betont zudem, Deutschland profitiere auch: Durch einen Tipp aus den USA sei zum Beispiel der Attentatsversuch der terroristischen Sauerlandgruppe vereitelt worden. Gewiss. Und wahrscheinlich auch ein schneller Wechsel des Stürmers Robert Lewandowski von Borussia Dortmund zu Bayern München. In diesem Zusammenhang wird dann auch gerne bedeutungsschwanger erwähnt, dass das US-Militär im rheinland-pfälzischen Ramstein einen wichtigen Stützpunkt habe. Die Wahrheit ist: Prism überwacht von dort aus ausschließlich den Nürburgring, Obama verkauft das Material dann an den Regisseur Francis Ford Coppola, und der macht daraus einen neuen Film: Autocalypse now.