Breidenbachs Woche: Torpedos sind chancenlos gegen von der Leyen

Ursula von der Leyen. Foto: dpa

Vor allem hat die Verteidigungsministerin ihr Gewehr dabei. Dennoch: In Brüssel sind viele scharf darauf, ihre eine Abwehrschlacht zu liefern.

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. Traurig: Dem Göttervater Zeus hat es gefallen, seinen großen Sohn, den Sänger Costa Cordalis, zu sich zu rufen. Einen Visionär, alleine schon, was seine Texte betrifft. Denken wir etwa an „Steig‘ in das Boot, heute Nacht, Annalena“ von 1974. Sechs Jahre später erblickte Annalena Baerbock das Licht der Welt und zeigt mit den Grünen jetzt der Republik, wo Backbord und wo Steuerbord ist. Oder Costas Superhit „Anita“. Wer von uns Älteren denkt da nicht an Anita Hegerland, die 1981 im Alter von zehn Jahren gemeinsam mit Roy Black „Schön ist es auf der Welt zu sein//sagt die Biene zu dem Stachelschwein“ sang und damit das Stockholmer Komitee fast dazu brachte, den Literaturnobelpreis in Richtung Musiker zu vergeben, lange bevor dies dann 2016 – Bob Dylan – tatsächlich passierte. Oder wir denken an Anita Ekberg, Sexsymbol und Schauspielerin, die im Film „La dolce vita“ im Trevi-Brunnen zu Rom sogar in mehr oder weniger bekleidetem Zustand das Wasser zum Kochen brachte.

Ganz schwieriger Übergang jetzt von Anita Ekberg zu Ursula von der Leyen. Wir haben‘s ja immer gewusst! U-Boot-Ursula, wie wir sie nennen: immer auf Seerohr-Tiefe, immer willens und in der Lage, kraft der Aura ihrer Beton-Frischhaltefrisur, die sogar diejenige Donald Trumps aus dem Feld schlägt, jeden feindlichen Torpedo dazu zu bringen, schon im eigenen Rohr zu erschlaffen. Und als den Schlaffis bei der EU mal wieder das Wasser bis zum Halse stand, weil zum Beispiel den sogenannten Spitzenkandidaten Manfred Weber, Euro-Manni, wie wir ihn nennen, kein Aas kennt, da schlug Ursulas Stunde. Jetzt wird sie eine Brachialcharme-Offensive hinlegen, um Präsidentin der EU-Kommission zu werden. Ursula wird am Bug der „Gorch Fock“ stehen wie einst Kate Winslet am Bug der „Titanic“, beschützt vom Gewehr G 36, das um die Ecke, bei besonderer Hitze sogar im Kreis herum schießt, und flankiert von wasserscheuen Marinehubschraubern sowie von Panzern, die nichts auf die Kette kriegen und voll neben der Spur laufen.

Das Ganze hat auch einen lyrischen Hintergrund. Von der Leyen trägt seit ihrer Jugend, kein Scherz, den Spitznamen „Röslein“, und da wird Euro-Manni und den anderen Schlaffis in Brüssel kaum was anderes übrig bleiben, als an Johann Wolfgang von Goethe zu denken, der schon 1789, also lange vor „Fack ju Göhte“, dichtete: „Sah ein Knab ein Röslein stehn, Röslein auf der Heiden//war so jung und morgenschön//lief er schnell, es nah zu sehn...“

Nun ist es allerdings so, dass viele Europa-Parlamentarier*innen aus allen Rohren feuern, weil sie den Zinnober mit den „Spitzenkandidaten“ ernst genommen hatten. Vor allem die SPD spielt „beleidigte Jungfrau“, wobei auffällt, dass sich An­drea Nahles zurückhält. Aber für Inhaber des Kleinen oder Großen Latinums war die Entwicklung keine Überraschung. Der Vorname „Ursula“ ist nämlich lateinischen Ursprungs, kommt von „ursus“ = der Bär, und wird, versehen mit dem Anhängsel „-ula“ – Kenner sprechen von einem weiblichen Diminutiv-Suffix, was nichts Unanständiges ist, sondern lediglich „verkleinernde Nachsilbe“ bedeutet – letztlich zur „kleinen Bärin“, die halt aber manchmal kämpft wie ein großer Löwe. Bedeutet: Jede(r), die/der an Euro-Manni glaubte, bekam einen Bären, im konkreten Fall eine kleine Bärin aufgebunden. Wieder mal hängt alles mit allem zusammen.