Breidenbachs Woche: Soll Siggi sausen?

Sigmar Gabriel. Foto: dpa

Sigmar Gabriel müsste die Autoindustrie retten können, denn mit dem Thema „Crash“ kennt er sich aus wie kaum ein anderer.

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. „In der Autoindustrie leidet die Stimmung, der Pessimismus nimmt zu“, schreibt die Deutsche Presse-Agentur. Es ist dort also schon fast so katastrophal wie bei der SPD. Aber noch nicht ganz, und deshalb hat „Bild am Sonntag“ Sigmar Gabriel als künftigen Präsidenten des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) nominiert. „S-Klassen-Siggi“ werden wir Gabriel ab jetzt nennen. Freie Fahrt für freie Siggis. Gabriel, gib‘ Gas. Zumal jetzt, zu Halloween. Wunderbar. Siggi war ja mal Umweltminister. Und wer Martin Schulz ausgebremst hat, der schrottet notfalls auch das letzte deutsche Auto.

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Wahr ist: Der VDA hat Nachrüstbedarf. Der aktuelle Präsident Bernhard Mattes lässt Kracher los, da hilft kein Katalysator mehr. Zum Beispiel: „Es sind nicht die Staubsaugerhersteller, Briefzusteller oder Tech-Firmen, die die innovativen Automobile auf den Markt bringen.“ Wow. (Nebenbei: Es muss natürlich heißen: „..., die wo die innovativen Automobile auf den Markt bringen.“) Nun, Briefzusteller? Wenn der Postmann zweimal klingelt? Wie soll er da noch was mit Autos machen? Ohnehin sind die meisten Briefkastenschlitze selbst für Kleinstwagen zu eng. Staubsauger? „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur blasen kann“, so sprach der große Philosoph Loriot. Daraus folgt: Wenn die Staubsaugerbranche schon damit beschäftigt ist, Mutti – also unser aller Kanzlerin – beim Blasen und Saugen zu übertreffen – wie sollte sich die Staubsaugerbranche dann noch damit beschäftigen, im Sinne des großen Bernhard Mattes Automobile zu innovativieren? Also, lasst den Gabriel ans Steuer. Als Popkultur-Beauftragter der SPD bekam er Anfang der 2000-er Jahre den Kampfnamen „Siggi Pop“. Also mindestens die Audio-Anlagen in den Autos wären besser mit ihm als VDA-Chef.

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Ebenfalls rechtzeitig zu Halloween hat der Bundesgerichtshof (BGH) Ex-Vorstandschefs der Deutschen Bank, darunter Josef Ackermann, quasi der Bauer unter den Bankern, genannt „der rüde Jo“, endgültig von Betrugsvorwürfen freigesprochen. Gut so! Denn: „Deutsche Bank beschenkte Chinas Eliten“, lasen wir kürzlich als Titel-Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung. Lieber Pekingente als Zeitungsente.

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Die Story hatte nichts mit dem BGH-Fall zu tun, zeigt aber die Brillanz des Geldinstituts. Mitte der 2000-er Jahre wurde die Deutsche Bank in China sehr mächtig, dank gewisser Investitionen. Staats- und Parteichef Jiang Zemin erhielt einen Kristall-Tiger, mit dem Siegfried & Roy später in Las Vegas auftraten, sowie eine Hifi-Anlage von Bang & Olufsen – mit der hörte sich „China Girl“ von David Bowie, nebenbei: einer unserer absoluten Lieblingssongs, gleich doppelt so gut an. Dem damaligen Premier Wen Jiabao habe die Bank ein Kristallpferd geschenkt. Es hörte täglich Musik aus der Bang & Olufsen-Anlage und gewann deshalb später den Großen Chinesischen Galloper-Preis. Konfuzius sagt: Ohne Preis//kein Reis. Bei einem Dinner, schreibt die Süddeutsche Zeitung weiter, hätten Jiang Zemin und Jo Ackermann einträchtig nebeneinander am Tisch gesessen. Na, super. Chinas Staatschef hilft Jo mit seinem Stäbchen. Bei all diesen tollen Deals half der Bank laut der Zeitung ein Netzwerker, heute würde man sagen: Influencer, mit dem Namen Lee Zhang. Bezeichnend, denn damit erscheint der Begriff „jemanden in die Z(h)ange nehmen“ in völlig neuem Licht.