Breidenbachs Woche: Schweigen im Walde

Horst Seehofer, Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, und Markus Söder, Ministerpräsident von Bayern, auf einer Pressekonferenz.  Foto: Peter Kneffel/dpa

Stadien werden Tempel stiller literarischer Einkehr, als Stimmungskanonen bleiben uns aber immerhin Seehofer und Söder.

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. Zusatzjoker bei „Wer wird Millionär“: Kandidat Thomas Berg hatte 16.000 Euro eingeheimst, „besser als nix, läuft ja einigermaßen, machen wir‘s in einem Aufwasch“, dachte er sich da wohl und bat seine Freundin Julia vom Zuschauerrang herunter zu sich, um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Alte Bauernregel: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss die Julia zum Berg kommen, oder so. Er sprach dann: „Ich bin sehr nervös.“ Wenn die Julia fair gewesen wäre, hätte sie da sagen müssen: „Du hast das Recht zu schweigen. Alles, was du jetzt sagst, kann ewig gegen dich verwendet werden.“ Kleiner Scherz. Fazit: Ohne Inanspruchnahme des 50:50-Jokers antwortete Julia „Ja“.

Schwieriger Übergang. Angeblich haben selbst schlimmste Katastrophen kleine positive Auswirkungen. So kam es, schreibt „Spiegel.de“, dass sich unser Bundesinnenhorst Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, und der Söder Markus, beide, aber natürlich nicht nur wegen des Abstandsgebots getrennt, an die deutsch-österreichische…..Pardon... an die bayerisch-österreichische Grenze zur Saalbrücke begaben – der erste gemeinsame Diensttermin, seitdem der Horst den Markus selbst mit Waffengewalt nicht vom Ministerpräsidentenamt fernhalten und der Markus den Horst nicht ins Altersheim zwangseinweisen konnte. Saalbrücke. Brückentag. Über sieben Brücken musst du geh‘n. Demonstranten beklagten die harten bayerischen Kontrollen, die aber systemrelevant waren, denn die Bayern wollten ja nicht, dass in der Corona-Krise plötzlich ganz Bayern mit lauter Österreichern vollgestopft ist. Der Horst hat dann gesagt: „Wir sind keine Unmenschen.“ Da verschlug es den Demonstranten die Sprache ob dieser sensationellen Neuigkeit. Der Markus hat dann laut Zeitungsberichten noch einen draufgesetzt: „Horst, die warten alle auf uns.“ Wir sagen: Klar, auf zwei wie euch haben wir gerade alle gewartet.

Es tun jetzt alle so wahnsinnig überrascht, dass beim Fußball ohne Zuschauer alles so ruhig ist. Aber wer sich ein bisschen für Literatur interessiert, kennt solche Szenarien seit ewig. So hat der alte Frankfurter Johann Wolfgang von Goethe, dort im Jahre des Ebbelwoi 1749 geboren, Ehren-Vorstand der Frankfurter Eintracht, schon 1780 in einem Gedicht alles beschrieben, Titel: „Wanderers Nachtlied“, also eigentlich konzipiert für Flutlichtspiele ab 20.45 Uhr. Da heißt es: „Über allen Gipfeln ist Ruh.“ Gipfel, also jetzt zum Beispiel Dortmund gegen Schalke. Und weiter: „In allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch.“ Klar, auf den Tribünen da oben hat es sich ausgehaucht, kein gestrenges „Hauch mich mal an“ der Frau Gemahlin in der Ehrenloge nach üppigem Champagnerkonsum des Gatten.

Schließlich: „Die Vögelein schweigen im Walde//Warte nur balde//Ruhest du auch.“ Nun, Schweigen im Walde, ein altes Niederlagen-Ritual, zudem Erinnerung an das altehrwürdige Frankfurter Waldstadion. „Vögelein“ ist eine Anspielung darauf, dass auch früher schon gerne mal einer gezwitschert wurde am Tresen in der „dritten Halbzeit“. „Balde ruhest du auch“ deuten wir entweder als Hommage an so genannte ruhende Bälle bei Eck- und Freistößen, oder aber als unverhohlene Drohung Richtung Unparteiische, quasi eine antike Version des beliebten „Schiri, wir wissen wo dein Auto steht.“ Wieder mal hängt alles mit allem zusammen.((Textende))