Breidenbachs Woche: Saarbrücken lebt - Mea Máxima!

Franz Beckenbauer war auch in die Vergabe der WM 2006 involviert. Foto: dpa

Selbst Steuertricks von Uli Hoeneß halten die Verzwergung Bayerns nicht auf. Das schon kleine Saarland tröstet sich mit den üblichen Drogen: Spaß und Spießbraten.

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. „Gott mit dir, du Land der Bayern//deutsche Erde, Vaterland!//Über deinen weiten Gauen//ruhe seine Segenshand.“ Dass der Text der Bayernhymne ausgerechnet im Jahr 1860 verfasst wurde, freut die Sech’zger, aber nicht den FC Bayern. Und das mit den „Gauen“, na ja. „Gauländer“ statt Gauen wäre noch problematischer gewesen. Alles schwierig. Wahl am Sonntag. „Bei den Zwergen: Bayerische Kleinparteien im Wahlkampf“ schreibt die Süddeutsche Zeitung. Wir dachten echt, es geht um eine Reportage über die CSU. So weit sind wir schon. Und auch der einst ruhmreiche FC Bayern kann nicht mehr sicher sein, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen, zumindest, wenn’s um die Champions League geht. Gut, sie sind zäh beim FC Bayern. Sie haben Mario Baslers Zigarettenrauch überlebt, „Flasche leere“ und dem Uli seine Knastzeit. Aber dass es jetzt richtig eng wird, wollen böse Zungen daran erkannt haben, dass Seehofer, Magic Horst, wie wir ihn nennen, auf der Tribüne des Hamburger SV gesehen worden sein soll. Oder, wie der künftige ZDF-Intendant Jan Böhmermann sagt: „Bayern München, der künftige HSV des Südens“.

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Es ist ja so, dass man ausländischen Staatsgästen nicht nur den Glanz in Deutschland zeigen soll, sondern durchaus auch das Elend. Folglich kamen der niederländische König Willem-Alexander und seine Máxima, kleine Königs-Goudas, nach ihrem Besuch in Rheinland-Pfalz auch ins Saarland. Dort würde man die Königsgattin selbstredend „das Máxima“ nennen, und für gottesfürchtige katholische Saarländer würde das Bekenntnis „Mea culpa, mea maxima culpa“ natürlich in ganz neuem Licht erscheinen. (Wer nicht katholisch ist, bitte googeln). Die Deutsche Presse-Agentur klärt darüber auf, dass das Saarland damit den ersten königlichen Besuch seit 13 Jahren erlebte. Damals sei der Großherzog von Luxemburg da gewesen. Seinerzeit entstand das Lied „Oh Pardon, sind Sie der Graf von Luxemburg?“ Kleiner Scherz. Gerüchte besagen allerdings, der Großherzog habe nur schauen wollen, ob er aus dem Saarland eine weitere Briefkastenfirma machen könnte. Die Verhandlungen sind angeblich noch nicht abgeschlossen.

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Willem legte dann in Saarbrücken gleich den Finger in die Wunde: „Das Saarland ist nicht sehr groß.“ Jo. Könnte sein, alles im Saarland, aber auch wirklich alles, ist nicht sehr groß. Aber nobel, wie kleine Königs-Goudas nun mal sind, fuhr Willem fort, das Saarland beeindrucke „durch Unternehmergeist und Fortschrittsdenken.“ Klar. Unternehmergeist: Spießbraten und Lyoner. Und das Fortschrittsdenken spürt man ja schon im saarländischen Glaubensbekenntnis: „Jo, geh fort.“ Das Saarland, so der König, habe sich oft an der Frontlinie von Konflikten befunden, die aber friedlich gelöst worden seien. Außer die Sache mit den Pälzern, wird da mancher denken.

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Der König sprach auch die Kooperation bei der digitalen Wirtschaft an. Da kennt sich ein berühmter Saarländer natürlich besonders gut aus: Gerd Dudenhöffer! Denn wie sollte „digital“ prägnanter definiert werden als – schon 2003! – durch Dudenhöffers Programmtitel „Null und richtig“? Das Máxima hat sich gewundert, dass Tanja, Ehefrau von Ministerpräsident Tobias Hans, neun Tage nach der Geburt von Zwillingen schon beim Staatsbesuch zugegen war. Zwillinge, Respekt. Alte saarländische Bauernregel: Was Hänschen nicht lernt// lernt Hans vielleicht eher.