Breidenbachs Woche: Küss die Hände – Ende?

In Österreich kommen nach der Wahl viele zu Kurz. Foto: dpa

In Österreich kommen viele jetzt zu Kurz. Hingegen: Weil Weil in Niedersachsen weilt, kommt dort die SPD nicht zu Kurz. Alte niedersächsische Bauernregel: Lieber Niedersachsen...

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. Die Gerüchte, wonach Jupp Heynckes die Koalitionsverhandlungen in Niedersachsen unter seine Fittiche nimmt, wurden bislang nicht bestätig. Am Tisch sitzen werden auf jeden Fall VW und Rosneft, außerdem ein paar eher belanglose Parteien.

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Nachdem Heynckes seine ersten Spiele mit Bayern München klar gewonnen hat, gibt es eine neue Maßeinheit: „1 Jupp“ sind drei Pluspunkte. Die SPD überlegt nun, eine neue Maßeinheit auch nach ihrem Vorsitzenden zu benennen: „1 Martin“. Wobei die Mehrzahl nicht Martini heißt, weder geschüttelt noch gerührt. 1 Martin entspricht zehn gewonnenen, dann aber wieder versemmelten Umfrage-Prozentpunkten.

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Außer der Niedersachsenwahl fanden am Sonntag zwei Ereignisse statt, die innerlich eng miteinander verbunden sind. Zum einen präsentierte Anne Will Bilder, auf denen Wolfgang Kubicki Katrin Göring-Eckardt einen Handkuss (angedeutet, komplett nach den Regeln!) gibt. Will erinnerte an Kubickis Spruch, Göring-Eckardt treibe seinen Blutdruck in die Höhe.

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Wie von selbst gehen unsere Erinnerungen da zurück an eine unserer Reportagen beim Bundestagswahlkampf 2005. Ein wunderbar sonniger Augusttag in Bad Ems, und zu Gast beim rheinland-pfälzischen Grünen Josef Winkler war – Katrin Göring-Eckardt. Ein sehr, sehr schöner Nachmittag. Nicht, dass wir ihr einen Handkuss verabreicht hätten. Männliche Reporter geben Politikerinnen keinen Handkuss. Außer vielleicht im äußersten Notfall. Aber die Sache mit dem Blutdruck können wir nachvollziehen. Aber wir wollen nicht abschweifen. Am Sonntag waren auch österreichische Nationalratswahlen, und da hat der fesche Herr Kurz gewonnen. Das ist so eine Art Lindner in dunkel, sowohl, was die Haar- als auch, was die Parteifarbe angeht. Sebastian Kurz, 31, die nationalkonservativste Boygroup diesseits des Urals. So. Und die heimliche österreichische Nationalhymne geht bekanntlich so: „Küss die Hand, schöne Frau// Ihre Augen sind so blau//tirili, tirilo, tirila.“ Das passt auch insofern, als blau die Farbe der österreichischen FPÖ ist, einer Art AfD, mit der Kurz wahrscheinlich koalieren will. Wenn das klappt, können Kurz und die FPÖ-Führerschaft vor Freude eine weitere Zeile aus dem „Küss die Hand“-Lied singen: „Pommery, Pommeru//stoß ma an und song‘n ma Du!“ Das Lied stammt von einer österreichischen Gruppe, die, wir Älteren erinnern uns, „Erste Allgemeine Verunsicherung“ heißt. Wie das alles passt! Der Kubicki hatte bei seiner Handkuss-Aktion also nicht nur die Frau Göring-Eckardt, sondern auch gleich Österreich mit im Blick. Voll EU-mäßig weitblickend, der Mann. Alles hängt mal wieder mit allem zusammen. Küss die Hände//(Ä)Ende?

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Wir geben zu: Wir stehen Spanien wegen eines WM- und zweier EM-Titel kritisch gegenüber. Wir finden, der größte Pluspunkt Spaniens ist, dass Cristiano Ronaldo, der Gegelte mit den zu engen Höschen, kein Spanier ist. Aber: Was da in Katalonien vor sich geht, ist schräg. Da könnt‘ ja jeder kommen. Der Bundesnachrichtendienst hat Vermutungen, der Ballermann wolle sich politisch von Mallorca lossagen und seinen Beitritt zur Hamburger Reeperbahn erklären, nicht dementiert. Rädelsführer und König auf Malle ist ein gewisser Drews, Jürgen, Adresse „Im Kornfeld“, wo er laut eigener Aussage ein Bett hat. Der Anführer der Separatisten in Katalonien heißt dagegen Puigdemont. Ausgesprochen wird das so, dass wir es immer wie Mannheimerisch hören: „Putscht, der Monn!“ Schlechtes Omen. Aber vielleicht trägt er ja auch nur zu enge Höschen.