Breidenbachs Woche: Klinsi, Herthas Spätzle

Plötzlich Hertha-Trainer: Jürgen Klinsmann. Foto: dpa

Der Sommermärchenmacher von 2006 und Bayernfertigmacher von 2008 hat noch einen Koffer in Berlin. Hoffentlich nicht am St. Nimmerleinstag-Flughafen BER.

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. „Jürrgääännnn.....!“ Jürgen Klinsmann wird Übergangsübungsleiter bei Hertha BSC. Nun, als Zelebrator des deutschen Fußball-WM-Sommermärchens 2006 war der Mann ganz okay. Im Juli 2008 wurde er überraschend Trainer beim FC Bayern, aber das wurde nix. Angeblich stellte Klinsi dort überall Buddhafiguren auf, böse Zungen behaupten jetzt in den asozialen Schreckwerken, er habe Buddha bei die Tische getan. Was ziemlich sicher ist: Er stattete die Spieler-Lounges üppig mit Sesseln aus. Einige Spieler verstanden das offenbar falsch, woraus eine 0 : 4-Klatsche in Barcelona resultierte. Aus die Maus. * Die aktuelle Hertha-Wurst...Pardon, Hertha-Trainersuche war eine erneute Fleischwerdung der schwäbischen Kehrwoche. Klinsi wollte erst nicht, aber sie haben ihn bekehrt. Er schilderte dem Intellektuellen-Blatt „Bild“: „Da kam die Bitte, könntest du einspringen? Dann noch ein Anruf nach Hause, dass ich nicht gleich heimkomme. Erst einmal bis Saisonende.“ Wir wissen nicht, ob Klinsmanns Ehefrau Debbie, geborene Chin, Ex-Model, auf so etwas mit sofortigem Spielabbruch reagiert. Sowas kann böse enden, Fachleute sprächen dann von „Spätzle-Scheidung“. Zumal der Begriff „einspringen“ in diesem Kontext eher unglücklich daherkommt. * Hertha kann sich solche Trainerwechsel übrigens nur mit Hilfe des Investors Lars Windhorst leisten. Merke: Lieber Windhorst als Windei, lieber Windhorst als Vollhorst. Windhorst machte die normale IT-Karriere. Geboren in Ostwestfalen, wo viele berühmte Leute herkommen, Fabrikanten, Gelehrte, Chefredakteure. Mit 16 eigene Firma, 80 Angestellte, 50 Millionen Umsatz. Mit 27 Insolvenz. Zwischendrin durfte Windhorst als Wirtschaftswunderkind mit Kanzler Helmut Kohl nach Asien fliegen, sogenannte Reis-Reisen. Der leicht übergewichtige Kohl hoffte dort auf die gesundheitsfördernde Wirkung von Reis. Motto: Mit viel Reis//nie Tattergreis. Dass Windhorst 2003 quasi einen Offenbarungseid leisten musste, hatte aber nichts mit Kohls unterbliebener Offenbarung der anonymen Parteispender zu tun. Vermuten wir mal. * Aber das war noch lange nicht Windhorsts Ende. Er betätigte sich auch weiterhin als Unternehmer, wurde hie und da mal auf 100 Millionen Schadenersatz verklagt, das übliche Gedöns, man kennt das. Dann etwas sehr Bemerkenswertes: 2018 übernahm Windhorst, so lesen wir, die Luxus-Modemarke „La Perla“, berühmt für Dessous. Worin zeigt sich der Zusammenhang zwischen Dessous und Hertha BSC, also Fußball? Leute, wagt nicht mal, das zu denken, was ihr wahrscheinlich jetzt denken wollt! Die Wahrheit ist: „La Perla“ wurde 1954 in Bologna gegründet. 1954! Wunder von Bern! Bologna – zum FC Bologna wechselte 1962 Helmut Haller, der im WM-Finale 1966 in Wembley gegen England das 1 : 0 erzielte. (Das dritte Tor der Engländer war, wie wir alle wissen, nicht drin.) Auch zwischen „La Perla“ und Helmut Kohl, dem Windhorst-Förderer und somit Fußballförderer-Förderer, gibt es einen klaren Zusammenhang. „La Perla“ heißt, so steht es im Internet, auch eine Pizzeria in – Oggersheim! Wieder hängt alles mit allem zusammen. Was uns allerdings im Zusammenhang mit „La Perla“ ein bisschen Angst macht: Es gibt dort einen Frauen-Morgenmantel mit dem Namen „Reward“. Auf Deutsch: „Belohnung“. Da wollen wir jetzt alle mal in adventlicher Stille nachgrübeln, was das bedeuten könnte.