Breidenbachs Woche: Fremde in der Nacht

Wolfgang Kubicki - der Hagen in der Saga? Foto: dpa

Die ganze Politik ist ja auch nur eine Saga. Da unterscheidet sich Jamaika kaum von der Nibelungensage. Reden wir also über ein Lindenblatt, das man nun eher Lindnerblatt...

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. Es ging ja schon stark Richtung Montagmorgen an diesem Jamaika-Sonntag, und zwei Begriffe erscheinen nun in neuem Licht: Monday // is no fun day. Und: Es graute dem Morgen. Auch das Lied „Strangers in the Night“ (Fremde in der Nacht) hören wir jetzt mit ganz anderen Ohren. Dass Frank Sinatra das gesungen hat, dem man Verbindungen zur Mafia nachsagte – darüber wollen wir lieber nicht nachdenken. Sagen wir lieber: Es gab eine völlig andere Art der Christianisierung germanischer Stämme, quasi auf die ganz harte Tour.

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Was wir in der Region um Worms, wo ja die Nibelungensage spielt, noch mal betrachten müssen, ist die Sache mit dem Lindenblatt. Jetzt sollte man besser sagen: Lindnerblatt. Wir Älteren erinnern uns: Siegfried war ein deutscher Recke, und übertragen auf die Jamaikasage könnte es sich, zumal in Zeiten von Multikulti, gut und gerne um eine Art Cem Özdemir gehandelt haben. Wir nennen ihn also Cem-Siegfried. Er tötete einen Drachen und badete in dessen Blut. Das ist einerseits eine ziemliche Sauerei, aber die gute Nachricht ist schon, dass es sich bei besagtem Drachen, übersetzt in die Jamaikasage, weder um Claudia Roth noch um Angela Merkel gehandelt haben kann, denn beide schnaubten, pardon verhandelten ja lebendig putzmunter mit. So. Das Drachenblut machte Cem-Siegfried unverwundbar, außer an einer Stelle auf dem Rücken, da war während des Bads ein Linden-, seit Montagmorgen sagen alle: Lindnerblatt gefallen. Und an jener Stelle murkste Hagen den Cem-Siegfried ab. Irgendwie können wir uns, auf Jamaika übersetzt, Wolfgang Kubicki als Hagen ganz gut vorstellen.

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Warum Hagen das gemacht hat? Nun, Cem-Siegfried war auch nicht immer ein Waisenknabe. Da gab es ganz früher mal eine Bonusmeilen-Affäre und in jüngerer Vergangenheit Hanfpflanzen auf dem Balkon. In der Nibelungensage hatte Cem-Siegfried dem Zwergenkönig Alberich die Tarnkappe geklaut. Bei „Alberich“ denken die meisten zwar an die kleine Assistentin des Rechtsmediziners Professor Boerne im Münsteraner „Tatort“, aber böse Zungen im Bundestag könnten dabei vielleicht auch Gregor Gysi assoziieren. Es gibt dann auch noch ein paar andere Figuren, zum Beispiel bei den Nibelungen den König Gunther, der belämmert in der Gegend herumsteht und darauf angewiesen ist, dass Cem-Siegfried, unsichtbar mit Tarnkappe, an Gunthers Stelle Brunhilde des Nachts im Ehebett niederringt. Wir wollen nicht ins Detail gehen, aber wenn da jemand, auf die Jamaikasage transferiert, bei Gunther an Martin Schulz denkt und bei Brunhilde an Angela Merkel, dann können wir das nicht verhindern.

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Unverfänglicher wäre, die Sache fußballerisch zu lösen. Der Bundeskaiser, ja gutt äähh, setzt ohne Aussprache Jupp Heynckes als Kanzler ein. Verteidigungsminister wird Jérôme Boateng, woraufhin sich Alexander Gauland vor dem Bundestag mit seiner Waffenschwester Beatrix von Storch eingräbt und brüllt: „Bei diesem Nachbarn wird jetzt zurückgeschossen.“ Finanzminister wird natürlich Uli Hoeneß. Ob er das Justizressort mit übernimmt, ist noch unklar. Als Regierungssprecher fungiert in Zukunft Loddar Maddäus. Oppositionschef wird Thomas Tuchel, wegen seiner frappierenden äußeren und inneren Ähnlichkeit mit Lindner ist er prädestiniert. Als Minister für Raumordnung schlägt der 50 gewordene 17-jährigste Leimener aller Zeiten auf, Besenkammer-Boris, wie manche ihn nennen. Seine Familienplanung auf engstem Raum, in eben jener Besenkammer, ist nicht zu toppen.