Breidenbachs Woche: Die Bahn – ein horizontales Gewerbe?

ARCHIV - Ein ICE-Sonderzug fährt am 08.12.2017 bei Erfurt (Thüringen) über die ICE-Neubaustrecke München - Berlin. (zu dpa: «Bahn will Störungen auf ICE-Strecke schnell beheben» vom 13.12.2017) Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ urn:newsml:dpa.com:20090101:171213-99-263328

Auch im schärfsten Reiseverkehr gilt: Lieber quer einsteigen als längs rausfliegen. Und vielleicht fährt demnächst die S-Bahn nach Afghanistan.

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. Die Deutsche Bahn sucht Quereinsteiger. Nun, soweit wir wissen, steigen doch alle immer quer ein, vom Bahnsteig aus. Längs, also vertikal, wäre ja auch in bisschen blöd, da müsste man ja von vorne über die Lok klettern. Wie so oft im Leben ist horizontal also die angemessene Lösung. Also, die Bahn will mit Quereinsteigern den Lokführermangel beseitigen, teilt uns die Deutsche Presse-Agentur mit. Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer der Augsburger Puppenkiste, stehen auf der Bewerberliste ganz vorne. „Die Quereinsteiger kämen aus allen Branchen, vom Bäcker bis zum Kfz-Mechatroniker“, lesen wir. Sehr gut. Der Mechatroniker kann auf jeden Fall die defekten Klos reparieren, und der Bäcker ist an frühes Aufstehen gewöhnt und kann der Bahn erklären, dass sie früher hätte aufstehen müssen, um ihr Elend zu verhindern, und dass sie jetzt kleinere Brötchen backen muss.

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Die Bahn sucht, kein Scherz, auch bei Ford nach neuen Kräften. Fortfahren statt Fordfahren. Auch bei der Ruhrkohle AG wurde die Bahn mit Jobangeboten vorstellig. Super, da lassen sich Heizer für die Lok rekrutieren, die schippen Kohle, das Lieblingslied aller Bahn-Fans auf den rußigen Lippen: „Love me, Tender.“

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Allerdings: Hoffnung naht, und zwar in Gestalt der unvergleichlichen Annegret Kramp-Karrenbauer, Königin der saarländischen Morgenröte und als frisch gebackene, aber ungediente Verteidigungsministerin ja quasi die Queen of Quereinsteiger schlechthin. Wegen ihres neuen Ressorts werden wir sie Kampf-Karrenbauer nennen, Ehre, wem Ehre gebührt. Sie will, dass Soldaten gratis mit der Bahn fahren dürfen, „fer umme“, wie man hierzulande sagt. Eine echte Win-Win-Situation. Letztlich werden Soldaten das komplette Personalproblem der Bahn lösen und das Materialproblem der Bundeswehr gleich mit, denn die Soldaten brauchen dann keine Autos, Flugzeuge und Schiffe mehr. „Frankfurt Hauptbahnhof, Frankfurt Hauptbahnhof, es erhält Einfahrt die S-Bahn nach Kabul.“ Zugegeben: Fahrten, die bislang mit dem U-Boot absolviert wurden, könnten schwieriger werden. Unterirdisch kann die Bahn schon sehr gut, aber unter Wasser? Der berühmte Film „Das Boot“ müsste dann auf „Die Bahn“ umfrisiert werden, der Kapitän „Der Alte“, gespielt von Jürgen Prochnow, auf „Die Alte“, gespielt von Annegret Kampf-Karrenbauer.

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Da wäre dann noch die Frage, wie die Bahn fliegen soll. Die Bahn kann eigentlich nicht fliegen. Andererseits:_Bislang können die meisten Flugzeuge und Hubschrauber der Bundeswehr auch nicht fliegen. Die größte Hoffnung setzen wir auf ein Kinderbuch und die gleichnamige Fernsehserie, wir Älteren erinnern uns – nein, nicht die Lindenstraße! So alt jetzt auch wieder nicht! Nein, es geht um „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“. Letzteres kann fliegen (Flie), auf dem Wasser (wa) schwimmen und auf der Straße fahren wie ein Auto (tüüt), und es wird mit Himbeersaft angetrieben, notfalls mit Lebertran. Wenn wir „Himbeeren“ und „Saarland“ – sicheres Herkunftsland der Verteidigungsministerin – googeln, stoßen wir auf einen Bericht aus Homburg/Saar: „Erdbeeren, Salat und Himbeeren in den Beeten rund ums Klinikum“. Das Projekt von 2015: „Essbare Klinik“. Jeder konnte „kostenlos frisches und unbehandeltes Obst aus den Beeten ernten.“ Unbehandelt und frisch aus der Klinik kommen, darauf lässt sich aufbauen.