Breidenbachs Woche: Alles Schwindel, Herr Grindel

Der Präsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Reinhard Grindel. Foto: dpa

Dass dem DFB-Präsidenten die Stunde schlägt, ist keine Überraschung. Aber wenn 1200 Prozent Kostensteigerung auf 120 Prozent heruntersterilisiert werden, dann schlägt das...

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. Hochverehrte Leser*innen, geschätzte Freunde*innen und Feinde*innen der „Woche“, liebe Schwestern und Brüder im Geiste, IHR TRAUT UNS ABER AUCH WIRKLICH GARNIX ZU! Das ist ja fast so schlimm wie die Erkenntnis, dass uns manche alles zutrauen. Also. Unser Mail-Briefkasten ist fast explodiert, und stellvertretend sei an dieser Stelle der Liebesbrief von Klaus K. aus H. zitiert: „Ihr wunderbarer, wegen seiner Eloquenz von mir hochgeschätzter Redakteur Breidenbach schreibt, dass die Reparaturkosten der Gorch Fock von 9,6 auf 130 Mio. Euro angestiegen seien. Dies seien 120,4 % Kostensteigerung. Laut meiner Rechnung sind es jedoch 1254,16 %. Deswegen würde ich ihn (Breidenbach) gerne Mathe-Reinhard nennen, analog zu U-Boot-Ursula bzw. Magic Horst. Im Gegenzug darf er mich Klugsch...Klaus nennen.“ * Lieber Klugsch...Klaus, liebe Mathe-Genies aus nah und fern. Ja. Natürlich sind es 1254,16 %. Und ich will mich jetzt auch nicht auf eine schwere Kindheit berufen, mit dem Mathelehrer F. in der gymnasialen Oberstufe, dem gnadenlosesten aller Chef-Zyniker. Im Vergleich zu ihm sind wir Mutter Teresa. Mathe-Minderbegabten empfahl F. als Berufsziel: „Werdet doch Schiffschaukel-Bremser oder Maggi-Vertreter“, und als ein Klassenkamerad mit adeligem Namen an der Tafel versagte, quittierte F. das mit dem Satz: „Ha! Herr Baron belieben zu scherzen!“ * Trotzdem: Alles gut. Uns quält kein spätpubertäres Mathe-Trauma. Wir wussten beim Verfassen der „Woche“ vor zwei Wochen, dass es 1254,16 % sind. Aber wir glaubten, an einen Lieblingswitz anknüpfen zu können, zumal er vor Jahren schon mal in der „Woche“ stand: Ein alter Lehrer trifft auf der Straße einen Ex-Schüler, der einen Luxusschlitten fährt. Der Lehrer fragt: „Dir scheint‘s ja gut zu gehen, was machst du beruflich?“ Antwort: „Ich bin Kaufmann.“ „Oh“, sagt der Lehrer, „aber im Rechnen warst du doch immer der Schlechteste.“ „Weiß auch nicht“, sagt der Ex-Schüler, „aber zum Beispiel kaufe ich eine Maschine für 100 Euro und verkaufe sie für 400 Euro, und von den drei Prozent Gewinn lebe ich ganz gut.“ * Unser Späßchen mit den Gorch-Fock-Prozenten geht also in die Geschichte ein als der Gag, der in die Hose ging, das lässt sich auch mit dem Mantel der christlichen Seefahrer-Nächstenliebe nicht zudecken. Deshalb wurden wir auch am vergangenen Samstag in Sachen „Woche“-Autorenschaft aus dem Schiffsverkehr gezogen, eine „Woche“ Sperre und Abkommandierung, um auf den Knien mit der Zahnbürste das Deck der Gorch Fock zu schrubben. Gemeinsames Schrubben mit U-Boot-Ursula auf den Knien? Nein, sie ging uns nicht zur Hand! Sie hockt noch in ihrem Ministerium und versucht zu beweisen, dass die 120,4 % doch korrekt sind. * Lockerer Übergang zur nächsten Havarie. DFB-Präsident Reinhard Grindel hat die Umstellung auf Sommerzeit falsch verstanden. Er hatte eine 6 000 Euro teure Uhr als „Geschenk“ angenommen. Er hatte angenommen, er dürfe das. Dachte Grindel//nicht an Schwindel? Jetzt muss auch er gehen, die Uhr muss sowieso gehen, aber bei ihr ist das ja ihr Job. Grindel war ohnehin allen schon lange auf den Zeiger gegangen, und die Unruh, die der DFB-Präsident verbreitete, war nicht die aus der Uhr. Da hätte es ihm nicht mal geholfen, wenn er sich auf Sepp Herberger berufen hätte: „Die Uhr ist rund“, oder so.