Beben in Theben

"Ihr Kamele" will man der Fifa zurufen, wenn man deutscher Fußball-Fan ist und wegen Katar 2022 sein Würstchen zum WM-Finale am vierten Advent im Schneehaufen grillen muss. Foto: dpa

Als ob die Griechen nicht schon genug nerven würden. Jetzt haben wir auch noch in Katar allen Grund zu fluchen: "Ihr Weihnachtsmänner!"

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. Bei der EZB, was nicht die Abkürzung für Europäische Zerstörungsbank ist, obwohl sie unsere Lebensversicherungen killt, werden gerade 4,3 Milliarden neue 20-Euro-Scheine gedruckt. Die werden dann sofort nach Griechenland verschickt. Immerhin per Einschreiben. Die Griechen brauchen aber die alten Zwanziger auch nicht zurückzugeben, das ist Teil des neuen Vertrags zwischen der EU und Athen. Der Präsident der EZB, Mario Draghi, ein Italiener, hat gesagt: "Die europäische Integration ist ein fortlaufender Prozess." Wie wahr. Weit fort laufend.

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Ein bisschen neues Taschengeld für die Griechen ist aber bitter nötig, denn wir entnehmen der Deutschen Presse-Agentur, dass der Sänger Costa Cordalis, kein Scherz, gerade das Inventar der Schwarzwälder Familienvilla versteigern lässt. Wie meinen? Nein, es ist nur ein böses Gerücht, dass Homer die Irrfahrten des Odysseus nach einer Songvorlage von Costa Cordalis verfasst hat. Costa hat viel schärfere Nummern drauf. Beispielhaft das Lied "Carolina komm" von 1973. Wir weinen und werden das Ding zum Weltkulturerbe vorschlagen. Achtung. "Deine Hände waren wie Eis//meine Sonne brannte so heiß. Carolina komm, Carolina komm komm"... Erinnert schon irgendwie ans Taubenfüttern: Komm, puttputtputt, oder? Aber weiter: "Carolina komm mit nach Theben." Wird aber schwer jetzt, in der Wirtschaftskrise. Beben//in Theben. Jetzt kommt's: "Carolina geh nie wieder. Gehst Du mal nach Haus//geht die Sonne für immer aus." Jaa, jaa, jaa! Aus die Maus! Die Sonne geht aus. Und kurz vorher hat er noch gesagt, dass es seine Sonne ist, und dass sie brennt. Wir ahnen, welche Symbolik dahinter steckt. Tragisch. "Schaatz, meine Sonne ist für immer ausgegangen." "Jaa, sei nicht traurig, das wissen wir beide doch schon seit Langem." Uns kommt da der fürchterliche Verdacht, dass die Griechenlandkrise ganz andere Ursachen hat, als wir bislang dachten.

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Zum Ausgleich Neues aus Katar. Kleine Rückblende. Am 19. Dezember 2008 beschloss die Fifa, die Fußball-Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gleichzeitig zu verkaufen. Wir kennen das vom Supermarkt: zwei zum Preis von einem. Zwei Jahre später wurde dann entschieden, dass Katar die WM 2022 ausrichten darf. Die Entscheidung fiel in Zürich. Das war gut so, denn gerade in Zürich sind natürlich immer ein paar Banken mit Terminals zum Bargeldeinzahlen bei der Hand. Daher übrigens auch der Name "Handgeld", der früher im Profifußball eine gewisse Rolle spielte. Katar war prädestiniert, weil es eine absolute Monarchie ist, genau wie die Fifa mit dem Blatter Sepp. Dann war es wohl auch so, dass Costa Cordalis' Sonne in Wahrheit gar nicht ausgegangen war, sondern angesichts der Befürchtung, dass Carolina tatsächlich kommt, nur einen Ausreiseantrag nach Katar gestellt hatte. Dort sorgt die Sonne jetzt für Sommertemperaturen von rund 120 Grad Celsius, sodass manchem Fußballer, zum Beispiel Cristiano Ronaldo, dem Gegelten mit den engen Höschen, die Begriffe "Eierkocher" und "Weichei" in ganz neuem Licht erscheinen.

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Deshalb hat die Fifa beschlossen, die WM 2022 irgendwann zwischen November und Weihnachten abzuhalten, getreu dem alten Werbespruch von Franz Beckenbauer: "Ja, is' denn heut' schon Weihnachten?" Das hat auch mental enorme Vorteile, vor allem für die Mannschaften, die verlieren, weil Buß- und Bettag, Totensonntag und Volkstrauertag passen da cool ins Tableau. Und anschließend natürlich: "Advent, Advent//der Strafraum brennt." In Deutschland bei den dort zu erwartenden Temperaturen und entsprechend notwendiger Bekleidung wird dieses Event als Zipfelmützen-WM, oder kurz: Blatters Zipfel-WM in die Annalen eingehen. Es taucht dann noch die Frage auf, ob Katar auch gleich Weihnachten komplett mitkauft. Nun, Katar ist ein islamisches Land, aber wir Ungläubigen sind ja tolerant.

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Natürlich muss der eine oder andere Weihnachtsvers umgeschrieben werden. "Von drauss‘, von Doha komm‘ ich her//ich muss euch sagen, die WM nervt mich sehr.//All überall auf den Tannenspitzen//sah ich Korruptionskohle blitzen.//Und droben aus dem Himmelstor//sah mit großen Augen der Blatter hervor: "Hast denn das Säcklein auch bei dir?"//Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier, denn Haschisch, Speed und Crystalkern//nehmen manche Sportler gern." Kleiner Scherz. Sicher hat Blatter was anderes mit dem Säcklein gemeint: die 4,3 Milliarden neuen Zwanziger von der EZB.