Anfeuerung gibt es nicht "für lau"

Ein schönes Bild - Fanaktion mit Herzen. Archivfoto: Harald Kaster

Einen guten Teil seines guten Rufes hat Mainz 05 seinen Fans zu verdanken. In dieser Saison sahen sich Klub-Offizielle allerdings schon zweimal veranlasst, einen Teil der...

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. Von Ulrich Gerecke

Einen guten Teil seines guten Rufes hat Mainz 05 seinen Fans zu verdanken. Originell, witzig, friedlich - mit diesen Attributen haben sie dem FSV seit dem ersten Bundesliga-Aufstieg weit über die Fußball-Szene hinaus viele Sympathiepunkte beschert. Deshalb ist die Kritik von Christian Heidel am fehlenden Support beim 1:2 gegen den Hamburger SV in der Tat das, was der Manager selbst dazu gesagt hat: "Klagen auf hohem Niveau".

Dennoch beweisen die Pfiffe vom Samstag, dass Mainz in dieser Hinsicht kein Biotop oder Paradies ist (ganz nebenbei: Das wollte 05 auch nie sein). Nach dem Ultra-Schweigen beim 3:1 gegen den VfB Stuttgart ist es immerhin schon das zweite Mal in dieser Spielzeit, dass sich Klub-Offizielle veranlasst sehen, einen Teil der Tribünen-Insassen in der Coface Arena ins Visier zu nehmen.

Schweigen für die DFL, Pfiffe für die Leistung

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Zwischen beiden Vorgängen, die in manch einem Internet-Forenbeitrag in einem Atemzug genannt werden, gibt es allerdings einen gravierenden Unterschied: Gegen Stuttgart machten die 05er eines ihrer besten Saisonspiele, die Stille im Q-Block hatte nichts mit Mainz 05 zu tun, sondern mit dem DFL-Sicherheitsaspekt. Die Ursache für die Pfiffe vom Samstag dagegen lag allein bei den Profis auf dem Rasen, deren Darbietung hinten und vorne nicht stimmte.

Trainer Thomas Tuchel hatte nach dem Stuttgart-Spiel gesagt, er könne sich nicht vorstellen, dass nach dieser Leistung nur durch die verweigerte Unterstützung der Ultras ein Riss in der Fanszene bzw. zwischen Fans und Spielern entsteht. Mit dieser Prognose sollte der Coach Recht behalten. Im Umkehrschluss bedeutet das jetzt aber auch, dass die Mannschaft das Signal von den Rängen ernst nehmen sollte. Anfeuerung gibt es nicht "für lau", man muss sie sich erarbeiten. In Mainz hat das jahrelang gut funktioniert. Am 28. April kommt Eintracht Frankfurt zum Derby. Das nächste Heimspiel bietet also die ideale Gelegenheit, auf beiden Seiten des Zauns zu den 05-Tugenden zurückzukehren.