Almdudler gegen Frostbeulen

Almdudler gegen Frostbeulen - Hauptsache Schal. Foto: dpa

Angesichts der obwaltenden Temperaturen wird Franz Beckenbauer alsbald fragen: "Ja, ist denn heut‘ schon Weihnachten?"

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. Sehr verehrte Leserinnen und Leser, liebe Kinder, geschätzte Heizölnachbesteller, arme Winterreifenwiederaufzieher, geehrte Eisheilige. Und wieder stehen wir vor einer wunderbaren Woche mit Feiertag. Es kann sich aber nur, ja, es muss sich um Neujahr handeln. Denn wenn viele von uns dieser Tage vor die Haustür traten, um die geliebte Zeitung aus dem Briefkasten zu holen, fielen wir zwei- bis dreimal voll auf die Nase, weil natürlich niemand gegen das Glatteis gestreut hatte. Leute!! Wir haben Ende Mai!! Geht‘s noch? Wo zum Teufel bleibt endlich die verdammte Erderwärmung, mit der uns diese Ökofuzzis ständig in den Ohren liegen?

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Szenenwechsel. Schauen wir nach London: Verbandspokal-Endspiel Westfalen gegen Oberbayern, früher auch als "Champions-League-Finale" bekannt. Aber mal ehrlich: Was soll das, wenn man zum Beispiel Hardcore-Fan von Jahn Regensburg oder Waldhof Mannheim ist? Da gibt‘s doch eigentlich nix mehr zu gewinnen, der Pott kommt so oder so ins Land. Die Amerikaner haben dafür den Ausdruck: "It‘s like dancing with your sister." Heißt: Passieren kann nichts, aber es fehlt der letzte Kick. So ähnlich wie 1991, wir Älteren erinnern uns, beim Wimbledon-Finale Michael Stich gegen Boris Becker. Da bekam Becker ausnahmsweise mal keinen Stich, ein Trauma, das viele Jahre später in einer Besenkammer endete. Seitdem ist der Begriff "Kammerspiele" mit Vorsicht zu genießen. Aber wir schweifen ab. Also, Dortmund gegen Bayern in London, das ist so, als würden nur Aserbaidschan, die Ukraine, Russland, Weißrussland, Moldawien und Serbien gegeneinander beim Eurovision Song Contest (ESC), Gran Brüh Eurovision Chamsom, wie wir ihn nennen, antreten.

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Gewonnen hat dann beim ESC aber trotzdem diese kleine dänische Meerjungfrau, Smörebröd forever, mit einem Lied, das in unseren Ohren klang wie eine Mischung aus Irischer Frühling, der frühen Kelly Family, Lord of the Dance und Panflöten von Indios aus der Fußgängerzone. Aber okay.

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Es waren dann noch ein paar interessante Typen beim ESC, ein Schlumpf aus Ungarn, eine total Traurige aus Holland, kleine Depri-Gouda, und ein paar lustige Jungs aus Griechenland mit dem epochalen Titel "Alcohol is free". Bei der verzweifelten Finanzlage rund um Pythagoras und Diogenes wird man in Zukunft nun also vermehrt bettelnde Menschen auf den Straßen Athens treffen, die fragen: "Haste mal‘n Ouzo?" Richtig zu Herzen gegangen ist uns aber die Depressive aus Holland, Anouk heißt sie. Kind! Komm‘, wir geh‘n erst mal in ‘n Coffeeshop! Keine Aufregung, alles ganz legal, alles ganz harmlos, der Begriff "Coffeeshop" wird weit überschätzt. Und wenn der neue niederländische König mit seiner Maxima übernächste Woche zu Besuch nach Wiesbaden kommt und diskret nach "Coffeeshop" fragt, müsst ihr ihn einfach nur ins Café Maldaner in die Marktstraße führen. Die kriegen das schon hin.

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Es gibt Bestrebungen, die zulässige Alkoholgrenze für Radfahrer von vier auf drei Promille zu senken, ganz im Sinne des griechischen Eurovision Song Contest-Beitrags. Im Ernst: 1,6 Promille sind bei Radfahrern noch legal, es sei denn, es knallt. In letzterem Fall ist dann die sogenannte Schwankungsreserve überschritten. Im Vergleich zu dem, was sich zum Beispiel Radrennfahrer so reindröhnen, sind 1,6 Promille Alkohol ein halbes Pfefferminzbonbon. Irgendwie hätte man es sich ja auch schon denken können, heißt doch eines der berühmtesten Mix-Getränke "Radler-Maß". Das sehen wir jetzt natürlich mit ganz anderen Augen. "Radler" ist eine Mischung aus Bier und Limonade. Laut "Wikipedia" gibt es bei unseren österreichischen Freunden eine Sonderform: Bier plus "Almdudler", eine sehr schöne lautmalerische Gefühlsbeschreibung. Nicht mehr so verwunderlich ist angesichts der 1,6 Promille-Grenze die Tatsache, dass sehr viele Einbahnstraßen von Radfahrern in "falscher" Richtung befahren werden dürfen. Wahrscheinlich sagt sich die Polizei: "Die sind so hackedicht, die fahren sowieso, wo sie wollen."

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Wenn wir an die Tour de Farce denken, sehen wir den Begriff des "Wasserträgers" jetzt skeptischer. Wasser, ja ja, vielleicht eher Wässerchen. Nun gibt es bei der Tour ja auch Sondertrikots, für den Spitzenreiter (gelb), den Punktebesten (grün), den besten Neuling (weiß) und für die Bergwertung (weiß mit roten Punkten). Das kann man jetzt auch ganz anders deuten. Gelb: Eierlikör, grün: Kräuterbitter, weiß: Bacardi-Rum, weiß mit roten Punkten: Rum mit Kirsch - oder wie das Zeug heißt, das sich unser aller Kanzlerin früher als DDR-Jugendliche reingezogen hat.