Großartiges Ensemble zeigt „Oliver Twist“ von Christian...

Immer wieder wird die Bühne durch wirkungsvolle Requisiten verändert.Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin  Foto: photoagenten/Alessandro Balzarin

Schon bevor am späten Sonntagnachmittag im Theater der Vorhang zum Familienmusical „Oliver Twist“ von Christian Berg und Konstantin Wecker aufgeht, ertönt eine Stimme aus...

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WORMS. Schon bevor am späten Sonntagnachmittag im Theater der Vorhang zum Familienmusical „Oliver Twist“ von Christian Berg und Konstantin Wecker aufgeht, ertönt eine Stimme aus dem Off. Sie gibt nicht nur die üblichen Anweisungen, sondern bittet die Kinder ganz dringend, ihre Eltern später wieder mitzunehmen: „Wir haben nämlich keine Verwendung dafür.“ Alles lacht.

Die Stimme gehört, wie sich gleich darauf herausstellt, dem Theaterdirektor Pubbelby, gespielt von Christian Berg, der auch das Bühnenstück zu Charles Dickens’ Roman verfasst hat, Regie führt sowie den Erzähler und den bösen Fagin darstellt. Mit seiner erbärmlichen Truppe, zu auch der Kater Sutherland und die Kirchenmaus Canterbury gehören, ist er in einer viktorianischen Kleinstadt gelandet. Auf dem Platz mit den hohen Backsteinhäusern, der immer wieder durch hübsche, wirkungsvolle Requisiten verändert wird, wird sich nun auch die Geschichte des Waisenjungen Oliver (Saskia Senne) abspielen.

Temporeiche Songs, hübsch choreografiert

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Die Geschichte des Jungen ist natürlich ein schwerer Stoff, aber ganz und gar kein Thema von gestern. Gibt es nicht heute die vielen Flüchtlingskinder, die durch den Krieg vertrieben wurden und keine Heimat haben?, fragt der Erzähler im Gespräch mit seiner Kasperlepuppe. Olivers Lied „Mummy“ drückt denn auch das ganze Herzeleid dieser Kinder aus, und Nancys gefühlvoller Song „Gott, du bist gütig“, der sich zum vielstimmigen Chor ausweitet und die Frage stellt, warum Gott den Armen und Entrechteten nicht hilft, gehört zu den Höhepunkten des Musicals.

Doch das Düstere überwiegt nicht. Konstantin Wecker, der nicht zum ersten Mal mit Christian Berg zusammengearbeitet hat, hat auch witzige und temporeiche Songs geschaffen, hübsch choreografiert von Ute Geske, und das aufmunternde „Tu doch, was dein Herz dir sagt“, ist sogar zum Titellied geworden.

Auch Christian Berg hat darauf geachtet, die traurige Geschichte durch witzige Sequenzen aufzulockern, etwa, wenn Charly sehr gekonnt den bösen Fagin nachäfft oder wenn Katz und Maus, Symbol für einen ungewöhnlichen, aber möglichen Frieden, ihre spöttischen Spitzen abschießen. Und so spenden die begeisterten Zuschauer stehenden Applaus, als sich das großartige Ensemble zum Schluss verbeugt.

Damit ist das Stück aber noch nicht zu Ende. Noch einmal kommt Oliver, der seinen Part zwischen Angst und Zuversicht hervorragend gespielt hat, vor die Bühne und singt: „Jeder hat ein Recht auf Freiheit“; die übrigen Schauspieler unterstützen ihn mit Spruchbändern, auf denen Sätze zu lesen sind, wie „Heimat ist dort, wo dein Herz ist“. Dass wir ansingen, antanzen, anspielen müssen gegen jene Leute, die uns die Sonne stehlen wollen, ist die Botschaft, die Christian Berg dann noch ganz zum Schluss den Zuschauern mit nach Hause gibt.