Süß und stachelig: Igel "Mr. Pokee" ist ein Star -...

Schönes Lachen: "Mr. Pokee". Foto: Talitha Girnus

Mr. Pokee ist im Internet ein Star. Der Igel der Wiesbadenerin Talitha Girnus hat auf Instagram über 451.000 Fans. Das interessiert auch die Werbewelt.

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WIESBADEN. Er füllt keine großen Hallen oder Stadien. Kann nicht singen oder Fußball spielen. Dafür hat er Stacheln, einen weißen Bauch und ein schwarzes Näschen. Gemeint ist der Weißbauchigel Mr. Pokee, der auf der Internetplattform Instagram mittlerweile über 451.000 Fans hat. Also Menschen, die Bilder von Mr. Pokee im Netz verfolgen. Die Beiträge massenhaft mit dem Instagram-Herzen als „Gefällt mir“ markieren. Zum Vergleich: Schlagerstar Helene Fischer folgen rund 423.000 Menschen, Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt hat auf Instagram gut 137.000 Fans.

Die Besitzerin von Mr. Pokee heißt Talitha Girnus. Die 25-jährige Wiesbadenerin setzt den Igel – der auf Bildern gerne so schaut wie Kinder, die bei ihren Eltern um Süßigkeiten betteln – bei Instagram täglich in Szene. Angefangen hat alles vor gut zweieinhalb Jahren. Als Girnus im Internet Bilder von afrikanischen Weißbauchigeln fand. „Ich habe mich damals sofort verliebt“, sagt die 25-Jährige. Mr. Pokee hat sie von einem spezialisierten Züchter gekauft. Vor allem in Nordamerika kämen Weißbauchigel als Haustiere häufiger vor, obwohl auch dort Katzen und Hunden viel verbreiteter sind. „In Deutschland ist es aber extrem ungewöhnlich“, sagt Girnus.

Es beginnt mit Fotos für Freunde und Familie

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Anfangs habe sie ihren Verwandten und Freunden Bilder von Mr. Pokee geschickt. Viele Bilder. Bis die, wie Girnus mit einem Lachen verrät, gesagt hätten: „Lita, es reicht!“ Ihre Freude an Mr. Pokee wollte sie trotzdem weitergeben. Und entdeckte dafür Instagram. Ein Profil habe sie schon länger gehabt, sagt Girnus. Aber: „Von mir selbst wollte ich nie Bilder posten.“ Von Mr. Pokee stellte sie Bilder ins Netz. Und die Zahlen explodierten.

Eine Aufnahme von dem Weißbauchigel in einer Kaffeetasse hat nach 30 Minuten über 4.000 „Gefällt-mir-Angaben“ (Likes) und 70 Kommentare. Nach zwei Stunden sind es dann schon gut 10.300 Likes und 120 Kommentare. Nach 24 Stunden landete das Bild bei mehr als 24.500 Likes und über 200 Kommentaren. Normale Zahlen für ein Bild von Mr. Pokee. Die Benachrichtigungen auf dem Handy für Reaktionen unter ihren Bildern auf Instagram hat Girnus längst abgestellt. Ansonsten würde es ständig klingeln und man könnte mit der 25-Jährigen nicht mal in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken.

Denn mit jedem hochgeladenen Bild werden es mehr Follower. Pro Aufnahme würden schon ein paar hundert Fans dazukommen, sagt Girnus. Mindestens. Deshalb achtet die 25-Jährige mittlerweile darauf, wann sie Bilder ins Netz stellt. „Ich probiere, so schnell wie möglich auf Kommentare zu reagieren.“ Alle könne sie aber nicht mehr direkt beantworten. „Direkt kann ich nur auf das Wichtigste, wie Fragen zur Haltung reagieren.“

Fragen beantworten, für Kommentare bedanken

Denn der wachsende Erfolg bedeutet für die Wiesbadenerin mehr Arbeit. Unter jedem Bild gilt es, Fragen zu beantworten – oder sich für positive Kommentare einfach nur zu bedanken. Negative Kommentare würden – vor allem, wenn sie immer wieder von den gleichen Personen kommen – zwar nerven, aber: „Man muss damit umgehen können.“ Zum Glück seien es nur wenige. Und oft werde sie sogar von ihren Fans verteidigt.

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Dazu kommen private Nachrichten aus der ganzen Welt. Denn Fans von Mr. Pokee gibt es auch in Asien, Nordamerika oder Australien. Auch für die Menschen dort ist Girnus über Instagram erreichbar. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Der große Vorteil und gleichzeitig auch Fluch der sozialen Medien. Er zeigt, dass Instagram für Girnus längst nicht nur darin besteht, ab und zu mal ein Bild hochzuladen.

Zumal Girnus auch noch eine eigene Seite betreibt. Auf der sie in einem Blog Tipps zur artgerechten Haltung gibt. Dazu gibt es einen Shop, in dem T-Shirts in allen Größen und Farben mit Mr. Pokee zu kaufen sind. Den Vertrieb habe sie schon länger in die Hände einer amerikanischen Firma gegeben. „So kann ich den Kunden mehr Auswahl anbieten.“ Über die Motive entscheidet sie selbst. Und auch bei Aktionen – wie dem Kalenderverkauf mit Bildern von Mr. Pokee – investiert Girnus viel Zeit. Sie packte die Kalender selbst ein und verschickte sie. Alleine im ersten Bestellvorgang waren es 250 Stück.

Manche Fotos als Werbung gekennzeichnet

Auf die Beliebtheit von Mr. Pokee ist natürlich auch die Werbebranche aufmerksam geworden. Manche Bilder von Girnus sind deshalb als Werbung gekennzeichnet. „Wer mich kennt, weiß, dass ich keine Kooperation eingehe, hinter der ich nicht stehe.“ Auf den Bildern ist ohnehin kaum zu erkennen, dass auch geworben wird. Der Star bleibt immer Mr. Pokee. Dennoch sind Firmen an der Zusammenarbeit mit sogenannten „Influencern“ interessiert. Wahrscheinlich auch gerade deshalb.

Mit dem Begriff „Influencer“ kann Girnus selbst nicht so richtig etwas anfangen. „Das Wort ist nicht wirklich greifbar.“ Denn eigentlich möchte die Wiesbadenerin nur die Freude an ihrem Haustier weitergeben. Aber natürlich sehen die Zuschauer aus aller Welt auch, was neben Mr. Pokee auf dem Bild ist. Selbst wenn es nicht im Mittelpunkt des Bildes steht.

Die wirtschaftliche Attraktivität des jeweiligen Profils für die Werbebranche hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wie viel Geld „Influencer“ verdienen, ist nur schwer zu schätzen. Wichtig ist die Zahl der Follower. Genau wie die Interaktion unter den Fotos. Pamela Reif – mit über drei Millionen Followern Deutschlands bekanntester Instagram-Star – verdient angeblich mehrere tausend Euro. Pro Bild.