Ex-Polizist unter Mordverdacht - belastendes Beweismaterial...

Spektakuläre Wende in einem seit über 20 Jahre ungeklärten Todesfall: Am Donnerstag wurde in Lorch der heute 56-jährige Ex-Polizist Michael D., unter dem dringenden Verdacht...

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WIESBADEN/LORCH. Spektakuläre Wende in einem seit über 20 Jahre als ungeklärt geltenden Todesfall: Am Donnerstag wurde in Lorch der heute 56-jährige Michael D., ein Ex-Polizist, unter dem dringenden Verdacht des Mordes festgenommen. Ebenfalls im Rheingau festgenommen wurde seine 49-jährige Freundin. Opfer war die damalige Ehefrau, Anne D.. Einige Zeit nach ihrem Tod war Michael D. aus dem Polizeidienst ausgeschieden.

Ermittelt hatten Spezialisten des Landeskriminalamtes, die sich mit ungeklärten Altfällen befassen. Zum Durchbruch sollen verfeinerte DNA-Untersuchungsmethoden entscheidend beigetragen haben.

Richter ordnet Untersuchungshaft an

Die dringend Tatverdächtigen wurden am Freitag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Wiesbaden dem Haftrichter vorgeführt, der für beide Untersuchungshaft anordnete. Ihnen wird ein gemeinschaftlich begangener Mord vorgeworfen. „Als Mordmerkmale werden Habgier und sonstige niedere Beweggründe angeführt“, bestätigt Haftrichter Frank Hoffrichter auf Anfrage dieser Zeitung. Die dringend Tatverdächtigen hätten sich zu dem, was ihnen vorgeworfen wird, nicht geäußert.

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Michael D. hatte angegeben, dass er in der Nacht des 23. Oktober 1997 gegen 3.30 Uhr seine Frau tot in der Badewanne liegend gefunden haben will. Er hatte angegeben, dass er spät nach Hause gekommen sei, das knapp zwei Jahre alte gemeinsame Kind weinend in seinem Bettchen vorgefunden und sich auf die Suche nach seiner Frau gemacht habe. Er habe sie in der Wanne entdeckt. Die 32-Jährige war, wie die Obduktion später ergab, ertrunken. Aber wie war es dazu gekommen, dass ihr Kopf unter Wasser geraten war?

Damals keine belastbaren Anhaltspunkte

Herzversagen, einen Hirnschlag und einen Freitod schlossen die Gutachter aus. Die Frau war körperlich kerngesund und für eine psychische Labilität ließen sich keine belastbaren Anhaltspunkte finden. Dagegen sprach allein schon, dass die junge Frau ihr Kind „innig geliebt“ hatte, wie der damalige Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Ende Oktober 1997 erläuterte.

Der Ehemann und Polizist war sofort unter Verdacht des Tötungsdelikts geraten. Ermittlungen hatten ergeben, dass es am Abend einen heftigen Streit gegeben hatte. Der Verdacht schien der Staatsanwaltschaft aber nicht ausreichend tragfähig für einen Haftbefehl. Für den Polizisten sprach vor allem das Alibi, das ihm seine Freundin gegeben hatte. Man habe sich an jenem Abend kurz nach 19.30 getroffen, gegen 20.30 Uhr sei man dann in einem Wiesbadener Hotel gewesen.

Nach neuer DNA-Auswertung Alibi wertlos

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Das Alibi ist nun wertlos, weil die Freundin nach einer DNA-Auswertung in extremen Erklärungsnöten steckt: Wie kommt ihr DNA-Material an den Arm der Toten? Üblicherweise werden an einer Leiche Spurensicherungsfolien auftragen, um winzige Partikel zu sichern. Sie können Aufschluss geben, ob es durch physischen Kontakt mit einer anderen Person zur Übertragung von DNA-Spuren gekommen war. Feinere Untersuchungsmethoden haben nun genau das als erdrückenden Beweis erbracht: Michael D.‘s Freundin war im Badezimmer. Sie hatte physischen Kontakt mit dem Opfer. Wann geschah das? Unter welchen Umständen? Kam die Freundin erst hinzu, als Anne D. schon tot war, und alles „präpariert“ werden musste? Oder hatte Anne D. noch gelebt, und sich ein Geschehen unter direkter Beteiligung der Freundin ihres Mannes abgespielt?