Büroturm des Collini-Centers muss weichen

Der vordere der beiden Türme soll nach den Wettbewerbsentwürfen abgerissen werden, der Wohnturm im Hintergrund bleibt erhalten. Archivfoto:  Gerold

Die eingereichten Wettbewerbsentwürfe schlagen einen Mix aus Wohnen, Büro, Gastronomie und Handel für das Mannheimer Gelände vor. Bewohner des Wohnturms befürchten...

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MANNHEIM. Für die neue Nutzung des städtischen Grundstücks mit dem Collini-Center muss der Büroturm weichen. So jedenfalls sehen es Architekten und Stadtplaner, die jeweils gemeinsam mit einem Investor ihre Wettbewerbsentwürfe bei der Stadt Mannheim eingereicht habe – insgesamt sieben an der Zahl. Drei wurden in die engere Wahl genommen und nun bei einem Workshop öffentlich vorgestellt.

Das ist Bürgerbeteiligung unter besonderen Auflagen. Denn der nach EU-Recht durchgeführte sogenannte wettbewerbliche Dialog unterliegt strengen Auflagen, die auch für die Pressevertreter gelten. Da sämtliche Entwürfe in den Fachgremien durchgängig anonym behandelt werden müssen, dürfen die drei vorausgewählten im laufenden Verfahren weder fotografiert noch im Detail beschrieben werden.

Mannheims Bürgermeister Lothar Quast wundert es nicht, dass keiner der Wettbewerbsteilnehmer auf den Erhalt des Büroturms setzt. Zwar hätten die Ausschreibungskriterien auch eine Bestandssanierung zugelassen, „doch da der Schwerpunkt künftig auf Wohnen liegt, haben wir es mit einem ganz anderen Konzept zu tun“.

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So schlagen alle drei Wettbewerbsbeiträge einen Mix aus Wohnen, Büro, Gastronomie sowie Geschäften vor und gestalten den Freiraum des Mini-Quartiers mit neuen Wegen, Plätzen und Bäumen. Die Planer verteilen die Gebäude auf dem Baugrundstück allerdings unterschiedlich und arbeiten mit verschiedenen Höhen. Die Vorgabe der Stadt, den Fußgängersteg als Verbindung zwischen Neckarstadt und Quadraten zwingend zu erhalten, wird ebenso erfüllt wie der Bau einer Kindertagesstätte. An die Frage der privaten Stellplätze – ein öffentliches Parkhaus wird es anders als bisher nicht mehr geben – wird unterschiedlich herangegangen. Ausgeschlossen für den Standort wurden Tankstelle, großflächiger Einzelhandel, Hotel und Boarding House. Der benachbarte Wohnturm, der sich in Privateigentum befindet, ist unantastbar.

Dessen Bewohner sind zahlreich zum Bürgerworkshop erschienen. Ihnen ist wichtig, dass von ihren Wohnungen aus der freie Blick auf den Neckar erhalten bleibt und künftige Gebäude keinen Schatten auf ihre Balkone werfen. „Welche Höhen dieser Standort maximal verträgt, ist zentrale und spannende Frage“, meint Quast dann auch und betont, dass mit dem eingeleiteten Ausschreibungsverfahren das beste städtebauliche Konzept gesucht werde und nicht das, mit dem die Stadt den meisten Gewinn aus dem Grundstücksverkauf erzielen kann. Die Anwohner beschäftigt darüber hinaus der Erhalt des vorhandenen Baumbestands, die Öffnung zum Neckar hin sowie die Parkplatzsituation nach, aber auch während der zu erwartenden langen Bauphase. „Liegt eine Abrissstatik vor, damit angrenzende Gebäude nicht beschädigt werden?“, will ein Bürger wissen und bedauert, dass Wohn- und Büroturm nicht unter Denkmalschutz gestellt werden und als Ensemble erhalten bleiben.

Die Workshop-Teilnehmer sind darüber hinaus gebeten, auf den ausgeteilten „Stimmungszetteln“ mittels Smiley kundzutun, ob sie die vorgeschlagenen Bebauung als angemessen und die Nutzungen als die richtigen für den Ort erachten, und ob sie die Verbindung zwischen Stadt und Neckar als gestärkt sehen. Verbesserungsvorschläge können ebenfalls vermerkt werken. „Die Fachgremien finden auch nicht alles toll und sehen noch Entwicklungspotenzial“, erklärt Gregor Bäumle, der als freier Architekt und Stadtplaner das Verfahren begleitet und moderiert. Die Preisrichter würden sich nun mit den Rückmeldungen beschäftigen und die Anregungen an die Architekten/Investoren-Gespanne zurückkoppeln, damit diese ihre Entwürfe entsprechend überarbeiten. Im Januar 2020 soll die endgültige Vergabeempfehlung bekanntgeben werden.