Bachelor-Arbeit über „trans*sensible Pflege“ in...

Mit dem Förderpreis der Familie Wagner wurden ausgezeichnet (vorne, v.l.): Birgit Reuter, Simone Roth, Sophia Niedermayer und Thomas Stürmer. Dahinter (v.l.): Dieter Wagner und eine Angehörige der Familie Wagner, daneben Hochschulpräsident Peter Mudra. Foto: Hochschule Ludwigshafen  Foto: Hochschule Ludwigshafen

Seit der Einführung im Jahr 2014 ist es an der Hochschule Ludwigshafen mittlerweile zur Tradition geworden, einmal im Jahr Studierende mit dem „Förderpreis der Familie...

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LUDWIGSHAFEN. Seit der Einführung im Jahr 2014 ist es an der Hochschule Ludwigshafen mittlerweile zur Tradition geworden, einmal im Jahr Studierende mit dem „Förderpreis der Familie Wagner“ für herausragende Abschlussarbeiten auszuzeichnen. Initiator des Preises ist Dr. Dieter Wagner, Ehrensenator und Hochschulratsvorsitzender der Hochschule.

Vergeben werden die mit insgesamt 3000 Euro dotierten Preise für Abschlussarbeiten, die sich in besonderer Weise mit ethischen und sozialen Fragestellungen in der Gesellschaft auseinandersetzen.

„Die Intention des Preises ist es, fundierte wissenschaftliche Arbeiten zu fördern. Fachwissen ist aber nicht alles. Dieser Preis ist von der Überzeugung getragen, dass der Bezug zum Menschen ebenso wichtig ist“, betonte Wagner bei der Vorstellung der jüngsten Preisträger. Gewöhnlich stehe der Mensch bei Hochschulen nicht immer im Mittelpunkt, im Gegensatz zum Fachwissen, obwohl dieses schon nach wenigen Jahren veraltet sei, meinte Wagner. Wie er betonte, werde der Förderpreis nicht von ihm selbst, sondern von der Familie Wagner vergeben, weil er nur durch die ganze Familie möglich geworden sei.

Im feierlichen Rahmen der Hochschule ging der dritte Preis mit 500 Euro an den 25-jährigen Thomas Stürmer. Die Master-Arbeit des gebürtigen Mainzers trägt den sperrigen Titel „Morbiditäts- und Mortalitätskonferenzen als zentrales Werkzeug des klinischen Risikomanagements: Eine empirische Untersuchung am DRK Krankenhaus Alzey“. Wie Stürmer erläuterte, gehe es in den sogenannten M&M-Konferenzen darum, Krankheitsverläufe und auch Todesfälle im Krankenhaus zu analysieren, um strukturelle Schwächen festzustellen und Verbesserungen einzuführen. Die Masterarbeit beschäftigt sich damit, diese interdisziplinären M&M-Konferenzen als wichtiges Instrument an Kliniken fest zu installieren.

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Mit den Vorteilen einer „ethischen Unternehmensführung“ für den Mittelstand beschäftigte sich Sophia Niedermayer in ihrer Bachelor-Arbeit. Die 22-jährige aus der Nähe von Walldorf erhielt dafür den mit tausend Euro dotierten zweiten Preis. Wie sie feststellt, sind die Ansprüche der Verbraucher an Ethik und Moral in der Wirtschaft zuletzt deutlich gestiegen. Andererseits kann ein soziales Engagement von Unternehmen auch für das eigene Image genutzt werden. Gerade von vielen kleinen Firmen werde die Chance, sich im direkten lokalen Umfeld damit in positiver Weise bekannt zu machen, noch zu wenig erkannt, weist Niedermayer auf bestehende Vorteile hin.

Den mit 1500 Euro verbundenen ersten Preis teilen sich die 29-jährige Simone Roth aus Kandel und die 39-jährige Birgit Reuter aus Landau für ihre gemeinsame Bachelor-Arbeit zum Thema „trans*sensibel pflegen“. Die Studie setzt sich mit der Lebenswirklichkeit transsexueller Menschen auseinander. „Nach den Fallzahlen sollen 100 000 Menschen in Deutschland betroffen sein, die Dunkelziffer ist erheblich“, nannte Reuter Schätzungen von bis zu zwei Millionen Menschen. Ein Grund für die unterschiedlichen Zahlen ist das breite Spektrum des Trans-Phänomens. Bei den 100 000 nicht mitgezählt sind Menschen, die sich zwar als „trans“ verstehen, aber ihr Geschlecht nicht gemäß dem Transsexuellengesetz offiziell ändern wollen oder sich weder als Frau noch als Mann fühlen.

„Die Trans-Menschen sind von Diskriminierung in allen Lebensbereichen betroffen, auch im Gesundheitswesen“, nennt Roth eine These ihrer Arbeit. Vor allem Wissensdefizite bezüglich der Transgeschlechtlichkeit seien es, die zu Unsicherheiten des Personals in Gesundheitseinrichtungen und zu Ängsten und Abwehrhandlungen führen können, stellen die Verfasserinnen fest. Um dem entgegenzuwirken, entwickelten sie zwei Bildungskonzepte, um Auszubildende und Gesundheitsmitarbeiter für die Thematik zu sensibilisieren und eine Verhaltensänderung anzuregen.