Corona-Krise lässt Arbeitslosenzahlen weiter steigen

aus Coronavirus-Pandemie

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Den Gang zum Jobcenter müssen seit Beginn der Corona-Krise deutlich mehr Menschen in der Region antreten. Archivfoto: dpa

Im fünften Monat in Folge sind die Arbeitslosenzahlen in Hessen gestiegen. Auch in Rheinland-Pfalz hält der Negativtrend weiter an. Betroffen sind vor allem Jüngere.

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HESSEN/RHEINLAND-PFALZ. Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt in der Region weiterhin fest im Griff. So steigt in Hessen seit März die Zahl der Arbeitslosen deutlich - im August im fünften Monat in Folge, wie die jüngsten Zahlen der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit zeigen. Und die Aussichten sind nach Einschätzung von Agenturchef Frank Martin trüb: "Wer jetzt arbeitslos wird oder bereits ist, hat es deutlich schwerer wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen." Der Bestand an offenen Stellen sei mit gut 38.000 zum Vorjahr um fast ein Drittel gesunken. "Die Betriebe agieren erkennbar zurückhaltend, wenn es um Neueinstellungen geht", bilanzierte Martin.

Zum Stichtag im August zählten die Arbeitsämter 208.467 Frauen und Männer im Land ohne Job. Das waren nach Angaben der Regionaldirektion 4226 mehr als im Juli dieses Jahres und 56 058 mehr als im August 2019. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich zum Vormonat um 0,1 Punkte auf 6,0 Prozent. Zuletzt lag die Quote den Angaben zufolge vor zehn Jahren in einem August auf diesem Niveau. Im August 2019 hatte es noch einen deutlich niedrigeren Wert von 4,5 Prozent gegeben.

"Ohne die Corona-Krise könnte man jetzt bei einer Quote von 4,4 Prozent liegen", rechnete Martin vor. Jeder vierte Arbeitslose in Hessen ist nach Angaben der Regionaldirektion auf die Auswirkungen der Virus-Pandemie zurückzuführen. Den prozentual höchsten Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Vorjahresmonat gab es im August bei unter 25-Jährigen (plus 44 Prozent) sowie bei Menschen ohne deutschen Pass (plus 40,7 Prozent).

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900 mehr Arbeitslose in Rheinland-Pfalz

Auch in Rheinland-Pfalz hat die Corona-Krise im August für einen weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in Rheinland-Pfalz gesorgt. Insgesamt waren 129.600 Menschen ohne Job und damit 900 oder 0,7 Prozent mehr als im Juli, wie die Regionaldirektion der Arbeitsagentur in Trier mitteilte. Gegenüber dem August des Vorjahres stieg die Arbeitslosigkeit somit um 30,2 Prozent. Die Arbeitslosenquote lag unverändert zum Vormonat bei 5,7 Prozent. Im August 2019 hatte sie 4,4 Prozent betragen.

Wie im Nachbarbundesland sind auch in Rheinland-Pfalz in den vergangenen vier Wochen deutlich mehr junge Menschen arbeitslos geworden, die ihre Berufsausbildung beendet hatten, erklärte Heidrun Schulz, Chefin der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit. "Ich gehe davon aus, dass diese gut ausgebildeten Fachkräfte zügig Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen können", sagte Schulz.

Weniger Anzeigen für Kurzarbeit

Um Entlassungen zu vermeiden, nutzten viele Betriebe in den vergangenen Monaten das Instrument der Kurzarbeit, bei dem die Arbeitsagentur einen Teil der Lohnkosten übernimmt und Sozialversicherungsbeiträge erstattet werden.

In Hessen sind nach dem Hoch im April die Anzeigen für Kurzarbeit allerdings zum dritten Mal in Folge gesunken, wie die Arbeitsagentur mitteilte. Im August seien etwa 600 Anzeigen für 13.600 Beschäftigte eingegangen. Für den Zeitraum März bis August summierte sich die Zahl auf etwa 66.700 Anzeigen für knapp 912.000 Beschäftigte.

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In Rheinland-Pfalz haben bislang 41.500 Betriebe im Land Kurzarbeit angemeldet, angegeben waren in diesen Anzeigen über 481.000 Beschäftigte. Das heißt aber nicht, dass in allen Firmen auch Kurzarbeit umgesetzt wurde. Nach den aktuellsten Hochrechnungen haben laut Regionaldirektion im Mai 25.200 Betriebe für 200.300 Mitarbeiter Kurzarbeit umgesetzt.

Um Stellen langfristig zu sichern, sollte nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit - verbunden mit einem Lohnausgleich für die Beschäftigten - kein Tabu sein. "Eine Vier-Tage-Woche nimmt jenen, die unter Arbeitsverdichtung und Stress leiden, den Druck und gibt anderen, die um ihr Einkommen fürchten, eine Perspektive", ließ der Vorsitzende des DGB Hessen-Thüringen, Michael Rudolph, mitteilen.

Interaktive Grafiken: Die erste Grafik zeigt die aktuelle Arbeitslosenquote in Deutschland, die zweite visualisiert die Veränderung zum Vormonat. In beiden Grafiken haben Sie die Möglichkeit über die Zeitleiste andere Monate in der Vergangenheit auszuwählen. Außerdem steht eine Suchfunktion zur Verfügung für einzelne Kreise. Nutzen Sie diese (oder klicken auf den jeweiligen Kreis auf der Karte) öffnet sich für den gewählten Kreis ein Fenster mit weiteren Detail-Informationen.

Die Aufbereitung und Visualisierung der Daten erfolgt durch die Daten-Spezialisten der Firma 23degrees.

Von dpa