Anstehen fürs Kreuzchen zur Kommunalwahl in Hessen

Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen und Lüften - das alles gilt angesichts der Corona-Pandemie auch in den Wahllokalen. Foto: dpa

Für die Kommunalwahl in Hessen haben so viele Menschen Briefwahl beantragt wie selten. In den Wahllokalen ist trotzdem viel los. Helfer stellen kurzerhand weitere Wahlkabinen auf.

Anzeige

Frankfurt. "Junger Mann!" Die Stimme hat einen freundlichen aber durchaus belehrenden Unterton. "Das Ende der Schlange ist da hinten", sagt die Frau mit dem Mundschutz und weist um die Ecke des Hauses. Gut 50 Meter stehen dort die Wähler hintereinander - und warten. Wer hier, in der Merianschule im Frankfurter Nordend, seinen Stimmzettel zur Kommunalwahl ausfüllen will, muss neben einer Mund-Nase-Bedeckung vor allem eines mitbringen: Geduld. 

"Damit hat kaum einer gerechnet", sagt der der Leiter des Frankfurter Wahlamts, Oliver Becker. Seit 5.30 Uhr ist er an diesem Tag auf den Beinen, um die Wahllokale in Hessens größter Stadt zu inspizieren. Läuft alles wie geplant? Gibt es Engpässe? Funktionieren die Hygiene- und Abstandsregeln? Denn so, wie der Wahlkampf ohne Großveranstaltungen und mit nur wenigen Hausbesuchen und Infoständen völlig anders als sonst daherkam, so anders gestalte sich bei der Kommunalwahl in Hessen dieses Mal auch der Wahlakt an sich.

Sporthallen oder Feuerwehr-Gemeinschaftsräume

Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Maske tragen und Lüften - das alles galt angesichts der Corona-Pandemie auch in den Wahllokalen. Das Innenministerium gab in Abstimmung mit dem Sozialministerium bereits im vergangenen September den Kommunen Empfehlungen an die Hand. Dazu gehörte, ausreichend große und gut zu lüftende Wahlräume auszusuchen - etwa Sporthallen oder Feuerwehr-Gemeinschaftsräume. Außerdem sollte zwischen allen Personen ein Mindestabstand von anderthalb Metern möglich sein, Abstandsmarkierungen und Hinweisschilder sollten helfen. Am Wahltag selbst musste im Wahllokal eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Wählern war gestattet, den eigenen Kugelschreiber für die Stimmabgabe mitzubringen.

Anzeige

Allein in Frankfurt wurden 19.000 FFP-2-Masken, chirurgische Masken, Flächendesinfektionstücher sowie Tausende Liter Händedesinfektionsmittel verteilt sowie Zehntausende Meter Markierungsklebeband und mehrere Hundert Spuckschutzwände, wie das Bau- und Immobiliendezernat zu einem früheren Zeitpunkt mitteilte. Das Land stattete die Kommunen mit sogenannten Schutzpaketen aus, erhöhte deren Zahl zuletzt noch einmal - so dass insgesamt 210.000 FFP-2-Masken, über 230.000 OP-Masken und mehr als 730.000 Handschuhe ausgeliefert wurden.

71.000 Wahlvorstände im Wahllokal

Innenminister Peter Beuth (CDU) kündigte in einem Anfang März verschickten "Kommunalbrief" an, nach Rückmeldung der Kommunen würden über 71.000 Wahlvorstände im Wahllokal sowie über 3000 Auszählungswahlvorstände in den Rathäusern und Kreisverwaltungen im Einsatz sein. "Damit möchten wir sicherstellen, dass unsere ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer - trotz der anhaltenden hohen Infektionszahlen - ohne Sorge vor einer Infektion ihren wichtigen Dienst an der Demokratie leisten können", betonte Beuth seinerzeit. Insgesamt waren bei den Kommunalwahlen rund 4,7 Millionen Hessen wahlberechtigt und bestimmten über die Zusammensetzung von Gemeindevertretungen, Stadtverordnetenversammlungen, Ortsbeiräten und Kreistagen.

Um die erwartete Flut an Briefwahlunterlagen zu bewältigen, wurde vielerorts die erlaubte Maximalzahl an Helfern ausgeschöpft. So waren in Frankfurt laut Becker am Sonntag 2700 Wahlhelfer in den Wahlbüros und 1300 Helfer im Briefwahlzentrum im Einsatz. Denn in Hessens größter Stadt hatte fast jeder dritte Wahlberechtigte Briefwahl beantragt. Zum Vergleich: Bei den vergangenen Wahlen vor fünf Jahren war es nur rund jeder zehnte. In der Landeshauptstadt Wiesbaden verdoppelte sich die Zahl der Briefwähler im Vergleich zur letzten Kommunalwahl. In Darmstadt, Kassel und Gießen verdreifachte sie sich.

Anzeige

Zeitweise lange Schlangen vor den Wahllokalen

Angesichts solcher Zahlen mag es überraschen, dass sich zeitweise lange Schlangen vor den Wahllokalen bildeten. Möglicherweise seien die Menschen auch froh über einen triftigen Grund, das Haus zu verlassen, vermutet der in Frankfurt für das Wahlamt zuständige Stadtrat Jan Schneider (CDU). In der dortigen Merianschule nimmt man den Ansturm zumindest gelassen. Wahlhelfer stellen kurzerhand weitere Wahlkabinen auf, drücken, wo immer es geht, auf's Tempo. Wo das nichts hilft, wird die Reihe der Wartenden kurzerhand umgedeutet: "So muss Demokratie aussehen", sagt Schneider und schaut zu der Schlange hinüber, die plötzlich nur noch halb so lang wirkt.

Von dpa