Angeklagte bleiben straffrei: Gericht weist Berufung im...

Symbolfoto: Sebra/Fotolia

Im Berufungsprozess um den Tod eines Mädchens im Holiday Park in Haßloch bleiben die beiden Angeklagten straffrei. Das Landgericht Frankenthal wies die Berufung von...

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FRANKENTHAL. Am 15. August 2014 stirbt die elfjährige Amber im „Holidaypark“ in Hassloch. Das Mädchen wird überrollt von den Plattformen des Fahrgeschäfts „Spinning Barrels“. Am Donnerstag mussten sich der ehemalige Teamleiter, der die Bediener der Attraktionen schulte, und der Leiter der Parkbetriebe vor Gericht verantworten. Zum zweiten Mal. Die Verantwortlichen des Holidayparks waren erstinstanzlich von den Richtern des Amtsgerichts Neustadt vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Dagegen hatten Staatsanwaltschaft und auch die Eltern des getöteten Mädchens Widerspruch eingelegt.

Die Kammer in Frankenthal verwarf am Donnerstag aber die Berufung. Vorsitzender Richter Uwe Gau verwies in seiner Urteilsbegründung zwar darauf, dass es Mängel bei der Kontrolle der Mitarbeiter durch die Chefs des Parks gegeben habe. Er sprach hier von einer „Gefahrenerhöhung“, dies reiche aber nicht aus, um ein Urteil wegen Körperverletzung zu sprechen. Es blieben Zweifel an der Kausalität, der Nachweis habe nicht geführt werden können, dass alles anders gekommen wäre, wenn die Kontrollen der Arbeit der Mitarbeiter besser gewesen wären.

Revision angekündigt

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Der Anwalt der Nebenklägerin, Frank Peter, kündigte unmittelbar nach der Verhandlung Revision gegen das Urteil an, die Staatsanwaltschaft zunächst eine Prüfung. Der Richter und die beiden Schöffen waren nach langer Beratung zu diesem Urteil gekommen. Zuvor hatten Staatsanwalt Dr. Thorsten Lenz, die beiden Nebenklagevertreter Frank Peter und Frank Lemberger sowie die Rechtsvertreter der Angeklagten Günter Urbanczyk und Gert Heuer plädiert – und auch die Eltern des getöteten Mädchens nahmen nochmals Stellung, schauten zurück auf den Tag, „an dem sich mein ganzes Leben geändert hat“, wie die Mutter des Mädchens, Claudia W., sagte. Teilweise unter Tränen bat sie darum, dass das Gericht dazu beitragen solle, dass sie „den Glauben an die Gerechtigkeit und das Gute im Menschen“ nicht verliere. An die beiden Angeklagten gerichtet sagte sie: „Ich wünsche mir, dass Sie zugeben, dass es systematische Fehler im Holiday Park gegeben hat“ – aber auch: „Ich glaube nicht, dass sie schlechte Menschen sind.“

Sie unterstelle den Parkbetreibern, dass die „Zustände“, die zum Tod ihrer Tochter geführt hätten, noch immer nicht abgestellt seien. Noch immer seien „Mitarbeiter überlastet, Vorgesetzte machen keine Kontrollen“. Der Unfall wäre nicht passiert, „wenn geschultes Personal da gewesen wäre“.

Mehrere Faktoren kamen zusammen

Der Staatsanwalt wie auch die Nebenkläger hatten in ihren Plädoyers herausgearbeitet, dass der Student, eine Aushilfskraft, die am Tag des tödlichen Geschehens für die „Spinning Barrels“ verantwortlich war, die Zugangstür nicht geschlossen und einen Kontrollgang nicht korrekt ausgeführt hatte. So übersah er, dass die Mutter und das Mädchen noch auf einer der Plattformen des Fahrgeschäfts standen, sich nicht setzen konnten, weil die Bügel der Sitze schon arretiert waren – und so startete er die „Drehenden Fässer“, ohne dies vorher nochmals anzukündigen – wie dies auch vorgeschrieben war. Die Mutter konnte sich retten, die kleine Amber geriet unter die kreisenden Plattformen und wurde getötet. Als tragische Verquickung kam hinzu, dass die Technik der Zugangstür ausgefallen war, dem Bediener der Anlage also nicht signalisiert wurde, dass dann noch Menschen auf die Plattformen gehen konnten.

„Ein Albtraum ist für sie wahrgeworden“, wandte sich Vorsitzender Gau an die Mutter, dennoch habe sich vieles verbunden zu einem „schicksalhaften Zufall“. Es sei „klares menschliches Versagen“ des Bedieners gewesen – der damals 22-Jährige ist schon rechtskräftig wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt. Seine beiden Vorgesetzten jedoch, welchen die Kammer zu geringen Kontrolldruck attestierte, um sicherzustellen, dass Vorgaben an den Fahrgeschäften eingehalten werden, könne Körperverletzung nicht vorgeworfen werden. Es gebe keine „strafrechtlich relevante Zurechnung des Geschehens an die Angeklagten“. Die Geschehnisse seien dominiert von einem „schicksalhaften Geschehen“. „Ich kann diese Argumentation nicht nachvollziehen“, sagte Claudia W. Sie unterstellte ein „systematisches Versagen der Kontrollen“. Ihr Rechtsanwalt Frank Peter sagte: „Das hat Methode“. Und kündigte Revision gegen das Urteil an. Nicht nur die beiden Angeklagten, auch Techniker und die Geschäftsleitung des Parks müssten auf die Anklagebank.