„Weg aus der häuslichen Gewalt aufzeigen“

aus Coronavirus-Pandemie

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Die Plakate gegen häusliche Gewalt werden in Nierstein präsentiert von (v.l.):  Frauenministerin Anne Spiegel, Thilo Zorbach (Rewe-Filialleiter) und Jochen Schmitt (Stadtbürgermeister). Foto: hbz/Michael Bahr

Familienministerin Anne Spiegel stellt in Nierstein die bundesweite Plakataktion in 26 000 Geschäften des Lebensmitteleinzelhandels vor.

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NIERSTEIN. „Zuhause nicht sicher?“, so nennt sich die Initiative, mit der das Bundesfamilienministerium Opfer häuslicher Gewalt schützen will. In rund 26 000 Geschäften des Lebensmitteleinzelhandels deutschlandweit wurden Plakate aufgehängt, die über Hilfsangebote informieren. Aldi, Edeka, Lidl, Netto, Penny, Real und Rewe machen mit. „Es ist erschütternd zu hören, dass die Gefahr häuslicher Gewalt steigt“, sagt Thilo Zorbach, Leiter des Rewe-Markts in Nierstein, wo Familien- und Frauenministerin Anne Spiegel die Aktion vorstellte. „Betroffenen Frauen wird ein Weg aus der Gewalt aufgezeigt“, sagte Spiegel, „und zwar an einem Ort, an dem sie im Alltag vorbeikommen.“

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie verbringen die Menschen deutlich mehr Zeit daheim. Die Kontaktbeschränkungen, räumliche Enge sowie berufliche und existenzielle Ängste können dazu beitragen, dass Konflikte entstehen, sich verschärfen und eskalieren. In anderen Ländern hat sich bereits gezeigt, dass die Fälle häuslicher Gewalt in dieser besonderen Situation ansteigen. „Wir merken es noch nicht an der Statistik“, sagte Spiegel, „aber in China haben sich die Zahlen verdreifacht.“ Zu befürchten sei eine hohe Dunkelziffer. Außerdem soll die Kampagne präventiv wirken. Die Aktion richtet sich auch an die Betroffenen, die sich scheuen, sich Hilfe zu suchen, um den häuslichen Funktionsverbund aufrecht zu erhalten. Und sie richtet sich an Zeugen.

Die Plakate hängen im Kassenbereich, an Ein- und Ausgängen sowie an Schwarzen Brettern. Auch auf der Rückseite vieler Kassenzettel finden sich Informationen. Verwiesen wird auf die Internetseite staerker-als-gewalt.de. Dort werden Informationen bereitgestellt und Notrufnummern angezeigt – etwa die 110 (Polizei), die 08000-11 60 16 (Gewalt gegen Frauen), 0800-4 04 00 20 (Schwangere in Not), 0800-1 11 05 50 (Elterntelefon) oder die 11 61 11 (Kinder- und Jugendtelefon). „Ein großes, wichtiges Thema“, sagte der Niersteiner Stadtbürgermeister Jochen Schmitt (FWG), „ich hätte mir die Aktion allerdings schon vier Wochen früher gewünscht – und dass die Telefonnummern auch auf den Plakaten stehen.“ Vielleicht, merkte Schmitt an, könne das ja noch nachgeholt werden.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey lädt Unternehmen, Verwaltungen, Vereine und Betreiber kleinerer Geschäfte ein, ebenfalls an der Plakataktion teilzunehmen. Auch in Mehrfamilienhäusern könnten die Hinweise aufgehängt werden. Info und Download finden sich auf der Internetseite staerker-als-gewalt.de. Die Netzseite hält auch Infos bereit, wie man Anzeichen häuslicher Gewalt bei anderen Menschen erkennt. Das Hilfstelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter der kostenlosen Rufnummer 08000-11 60 16 rund um die Uhr erreichbar.