Ortsvorsteher im Porträt: Stefan Aßmann engagiert sich seit...

Stefan Aßmann ist Ortsvorsteher von Hartenrod, das mit 250 Einwohnern einer der kleinsten Ortsteile Wald-Michelbachs ist. Foto: Katja Gesche  Foto: Katja Gesche

Hartenrod gehört zu den kleinsten Ortsteilen der Gemeinde Wald-Michelbach. Rund 250 Einwohner leben in dem Dorf. Will man dort in das Wohngebiet Brunnenwiese fahren, wo auch...

Anzeige

WALD-MICHELBACH/HARTENROD. Hartenrod gehört zu den kleinsten Ortsteilen der Gemeinde Wald-Michelbach. Rund 250 Einwohner leben in dem Dorf. Will man dort in das Wohngebiet Brunnenwiese fahren, wo auch der Ortsvorsteher lebt, steht man vor einer kuriosen Ampel. Sie zeigt zunächst Rot, dann leuchtet ein ominöses „A“ auf, bevor sie nicht etwa auf Grün schaltet, sondern ausgeht.

Stefan Aßmann, Ortsvorsteher von Hartenrod, schmunzelt, wenn man ihn darauf anspricht. „Unsere ‚Odenwälder Bauernampel‘ ist eigentlich gar keine richtige Ampel, eher so etwas wie ein Vorfahrtszeichen; sie wird auch oft ignoriert“, erklärte er.

Der Hintergrund für diese merkwürdige Einrichtung ist, dass die Zufahrt zum Wohngebiet nicht von mehreren Wagen gleichzeitig befahren werden kann. Und das liegt wiederum an einem nun schon viele Jahre schwelenden Konflikt zwischen zahlreichen Bürgern auf der einen Seite und einem dort ansässigen Landwirt auf der anderen Seite. Neben der Straße, die zwischen landwirtschaftlichen Gebäuden hindurchführt, sind auch die olfaktorischen Emissionen der Ställe etwas, das die Hartenroder stört. Im Klartext: Es stinkt, wenn der Wind von den Tierställen zu den Wohnhäusern weht.

Anzeige

Um solche nicht immer erfreulichen Themen kümmert sich der 57-jährige Aßmann. Er ist seit 16 Jahren Ortsvorsteher in Hartenrod und hat dafür auch schon den Landesehrenbrief erhalten. Beruflich ist Aßmann „Förster mit Leib und Seele“, wie er sagt. Sein Revier liegt im Dürr-Ellenbacher Tal. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Aufgewachsen ist Aßmann in Heppenheim, aber er lebt schon seit den 1980er Jahren in Wald-Michelbach.

Mit Politik hatte Aßmann eigentlich nie viel am Hut; er ist auch kein Parteimitglied. Das Amt des Ortsvorstehers hat ihn eher überraschend ereilt. Er wurde überredet, sich auf die Liste der ÜWH (Überparteiliche Wählervereinigung Hartenrod) setzen zu lassen, und erhielt gleich die meisten Stimmen. Vor der damit verbundenen Aufgabe wollte und will er sich nicht drücken, auch angesichts der Konflikte, die den Ort ein Stück entzweien. „Das ist mein Demokratieverständnis: den Mut zu haben, sich solchen Situationen zu stellen. Und wenn ich mich als Beamter mit sicherer Arbeitsstelle nicht wage, wer dann?“

Nach dem Großputz kommt das Fest

Dabei will der Hartenroder Ortsbeirat überparteilich agieren. Er unterstützt das soziale Leben im Dorf. So ist er bei der Kerwe aktiv, die im Mai als eine der ersten Kirchweihen ringsum begangen wird. Ausgerichtet wird die Kerwe vom Gesangsverein Immergrün. Ein weiteres Fest ist das Bürgerfest Ende der Sommerferien, das der Ortsbeirat organisiert. Vor einem der beiden Feste gibt es häufig eine Dorfputzaktion. Das relativ neue Dorfgemeinschaftshaus wird für private und Vereinsfeiern ebenso genutzt wie für die Kerwe.

Vereine gibt es in Hartenrod nicht viele. Neben dem Gesangverein existiert noch eine Frauengymnastikgruppe. Auch besitzt Hartenrod keine Ortsteilfeuerwehr. Dennoch stellen die Bürger einiges auf die Beine. Sie pflegen zum Beispiel eine Obstbaumallee zwischen Hartenrod und Kocherbach, wo seltene und alte Apfelsorten wie die „Winterbanane“ reifen. Doch wie überall ist das Engagement unter den Bürgern ungleichmäßig verteilt. „Die Resonanz ist nicht immer so gut wie erwünscht; manchmal sind die Neubürger motivierter als die Alteingesessenen“, so Aßmann.

Anzeige

Die Infrastruktur ist auch in Hartenrod über die Jahre ausgedünnt. Es gibt noch einen Frisör und eine Milchtankstelle, aber keine Gastwirtschaft. Die Tankstelle im Dorf hat schon lange geschlossen. Dafür klappt es gut mit der Verwaltung in der Kerngemeinde. „Wir helfen uns gegenseitig.“

Auch wenn das Leben eines Ortsvorstehers nicht immer einfach ist, hat Aßmann durch sein Amt seinen Wissens- und Erfahrungsschatz vergrößern können. „In der Kommunalpolitik lernt man, wie Demokratie funktioniert.“