Motivation am Morgen: Sascha Weber und Sebastian Schröder begrüßen die Teilnehmer des Überwälder Wandertags von der Treppe des Einhauses aus.  Foto: Katja Gesche  Foto: Katja Gesche

Wundervolles Herbstwetter lockte am Sonntag viele Wanderfreunde in den Überwald. Insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer kamen allein in den noch nebelverhangenen...

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WALD-MICHELBACH. Wundervolles Herbstwetter lockte am Sonntag viele Wanderfreunde in den Überwald. Insgesamt mehr als 100 Frauen und Männer kamen allein in den noch nebelverhangenen Morgenstunden auf der Wald-Michelbacher Hofwiese zusammen, um am fünften Überwälder Wandertag teilzunehmen. Im Frühnebel war es durchaus noch kühl, doch schon bald wärmte die Sonne die Luft auf sommerliche Temperaturen, vertrieb den Dunst und erlaubte herrliche Ausblicke über die sich verfärbenden Wälder. Organisiert hatte diesen gemeinsamen Wandertag der drei Überwaldgemeinden die Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ) in Kooperation mit dem Überwälder Museums- und Kulturverein. Viele Mitglieder der nahen Odenwaldklub-Ortsgruppen waren zu diesem Wandertag nach Wald-Michelbach gekommen.

Bürgermeister Sascha Weber begrüßte die Wanderfreunde, Sebastian Schröder (ZKÜ) erläuterte Details zu den zwei angebotenen Touren. Die Längere wurde von Geopark-vor-Ort-Begleiter Karl-Theo Reichert geführt. Sie erlaubte auf rund zwölf Kilometern Länge viele schöne Ausblicke. Über die Galgenhöhe ging es bei dieser Tour auf die Kreidacher Höhe. Die Runde führte dann hinunter in den Ortsteil Hartenrod und zurück in die Kerngemeinde.

Geopark-vor-Ort-Begleiterin Martina Seibel rückte dagegen die Technikgeschichte in den Mittelpunkt ihrer Tour. Diese war rund 8,5 Kilometer lang und führte an vielen Mühlen vorbei. Früher, so erläuterte sie während der Tour, gab es im Ulfenbachtal 32 Mühlen. Wie vielfältig deren Aufgaben und Geschichte waren, erfuhr man auf den folgenden Kilometern.

Gegenüber des heutigen Industrieparks Igena konnte die wohl älteste Mühle von Wald-Michelbach in Augenschein genommen werden. Die Pfalzmühle wurde 1369 das erste Mal schriftlich erwähnt. Der Mahlbetrieb dort lief bis 1970 weiter, ab 1885 unter dem Namen Brehm’sche Mühle.

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Auf dem heutigen Igena-Gelände gab es ab 1742 ebenfalls eine Mühle. Das Mühlrad dort soll einen Durchmesser von 9,5 Metern gehabt haben. „Das war wahrscheinlich das größte Mühlrad des Odenwalds“, meinte Seibel.

Mühlen wurden früher nicht nur zum Kornmahlen verwendet. Es gab auch solche, mit denen Ölfrüchte zerkleinert wurden. Andere Mühlen dienten als Sägemühlen der Holzverarbeitung. Wichtig war im Überwald, wie Seibel erklärte, die Papierherstellung. Das Papier wurde damals aus Lumpen hergestellt. Geschätzt war vor allem das „Straßburger Papier“ aus dem gleichnamigen Dörfchen, das angeblich sogar bis in den Vatikan geliefert wurde.

Hübsch anzusehen war das Hammerschlösschen, auch Huy‘sche Mühle genannt. Der Bau ist um 1600 im Renaissance-Stil entstanden. Hier wurde Manganerz aus der Grube Ludwig zerkleinert.

Nach einem Abstecher beim Geopark-Informationszentrum im Aschbacher Wiesental stattete die Gruppe auch der Heckenmühle einen Besuch ab. Sie wurde 1654 das erste Mal erwähnt und war noch bis in die 1990er als Mahlmühle in Betrieb. Heute produziert sie Strom. Seibel erklärte, wieso nur relativ wenige Mühlen diese Option nutzen. „Das Problem sind die Wasserrechte. Sind sie einmal erloschen, darf man die Mühle nicht mehr betreiben.“

Ab den Mittagsstunden kamen die Wanderer beider Touren mit schönen Eindrücken im Gepäck wieder auf der Hofwiese an. Dort nutzen viele das Bewirtungsangebot, um sich nach der Wanderung zu stärken.