Rekordverdächtige Gaudi: Mehrere hundert Besucher verfolgen...

Lauter Marionetten: Vor dem Hintergrund der Bundestagswahl sorgt diese Gruppe mit ihrem aufwendig gestalteten Motivwagen für Lacher bei den Gästen am Straßenrand. Foto: Manfred Ofer  Foto: Manfred Ofer

Zum Höhepunkt der Kerwe in Schlierbach wurde es noch einmal richtig laut. Mehrere hundert Besucher säumten den Rand der Route, die der Umzug durch den Ortskern nahm. Und...

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SCHLIERBACH. Zum Höhepunkt der Kerwe in Schlierbach wurde es noch einmal richtig laut. Mehrere hundert Besucher säumten den Rand der Route, die der Umzug durch den Ortskern nahm. Und nachdem der Lindwurm rund um den Festplatz zum Stehen gekommen war, hielt Kerwe-Pfarrer Robin Hördt (21) die heiß ersehnte Kerwe-Predigt.

Bunt dekorierte Wagen, Fußgruppen in fantasievollen Kostümen und ein Publikum, das begeistert mitmachte: Der Kerwe-Umzug in Schlierbach machte seinem guten Ruf in diesem Jahr wieder alle Ehre. Ein Ruf, der mittlerweile schon weit über die Grenzen der kleinen Gemeinde im Odenwald hinausgelangt ist. Viele Gäste aus den Nachbargemeinden, aber auch aus Heppenheim und Bensheim, waren angereist, um sich an dem farbenfrohen Volksfest zu erfreuen.

Traditionell wurde mit viel Herzblut und vor allen Dingen laut gefeiert. Da lachte nicht nur die Sonne zeitweise vom Septemberhimmel, obgleich sie im Laufe des Nachmittags dem einen oder anderen Regentropfen wich. Eine Menge toller Umzugsnummern brachten die Verantwortlichen am Sonntag an den Start. Auch das ist für so einen kleinen Ort rekordverdächtig. Einmal mehr. Denn diese Gaudi hat in Schlierbach schon Methode.

Ein „Händchen“ bewiesen die Organisatoren und Teilnehmer auch bei der Zusammenstellung der Motive, die auf Rollen, zu Fuß, oder auf dem Kunstfahrrad unterwegs waren. Traditionell vorneweg und mit Pickelhaube und Handglocke kündigte der „Polizeidiener“ das Kommen des Kerwe-Umzuges an. Seinem Amt als Schirmherr gemäß lief auch Bürgermeister Michael Helbig im eleganten Outfit mit.

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Auf keinen Fall fehlen durfte das rustikale Symbol der Schlierbacher Kerwe: Der „Pflugskaisch“ auf dem zwei gestandene junge Herren Platz nahmen. Der eigenwillige Ausdruck umschreibt ein altes Wagenrad, das sich beständig dreht und damit auch die wagemutigen Jungs, die am Sonntag darauf durch den Ortskern gezogen wurden. Ein starker Magen ist bei so einem Spaß von Vorteil. Für die musikalische Note beim Kerwe-Umzug sorgte unter anderem der Spielmannszug aus Winterkasten, der dem Publikum in historischer Tracht den Marsch blies.

Den richtigen Ton traf auch eine Truppe von Guggemusikern aus Bensheim, die in flippigem Orange durch Schlierbach paradierte. Im Grunde ein kleiner Vorgeschmack auf die närrische Zeit, die am elften November offiziell eingeläutet wird. Allzu weit ist das ja auch nicht mehr hin. Eine große Fußgruppe brachte die örtliche Jugendfeuerwehr auf die Beine. Die jungen Brandschützer waren nicht nur in historischen Kleidern unterwegs, sondern hatten auch eine alte Löschspritze mit dabei.

Predigt vom fahrbaren Hochsitz aus

Immer länger schlängelte sich der Umzug durch den Ortskern. Vor dem Hintergrund der Bundestagswahl sorgte eine Gruppe mit einem aufwendig gestalteten Wagen für so manche Lacher am Straßenrand. Darauf wurden die antretenden Parteien mit ihren Kandidaten durch den Kakao gezogen. Spektakulär, wenn auch verbal, ging es noch einmal bei der Kerwe-Predigt zur Sache, die Kerwe-Pfarrer Robin Hördt von seinem fahrbaren Hochsitz aus hielt. Unterstützt von Mundschenk und Bruder Justin Hördt (19), der brav geistiges Getränk nachfüllte, glossierte er das Geschehen der vergangenen zwölf Monate im Ort. Anschließend wurde in Schlierbach noch lange gefeiert.