Lesung mit Jutta Wilke an der EKS

Jutta  Wilke las aus ihrem Buch „Schwarz wie Schnee“.Foto: Gutschalk  Foto: Gutschalk

(peg). Mediothek statt Klassenzimmer, Schriftstellerin statt Lehrerin. Am Dienstagmorgen durften die Klassen 7 Ra und 7 Rc der Erich Kästner-Schule eine ganz besondere...

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BÜRSTADT. (peg). Mediothek statt Klassenzimmer, Schriftstellerin statt Lehrerin. Am Dienstagmorgen durften die Klassen 7 Ra und 7 Rc der Erich Kästner-Schule eine ganz besondere Unterrichtsstunde erleben: Eine Lesung mit der Autorin Jutta Wilke.

„Lies doch mal ein Buch, statt immer nur auf dein Handy zu schauen.“ Viele Jugendliche kennen diese Aufforderung der Eltern – und sie nervt. Ob die Zahl der Leseratten steigt oder abnimmt, darüber gibt es zahlreiche Studien, die Ergebnisse sind unterschiedlich. Fakt ist jedoch: Ist eine Geschichte so spannend geschrieben wie Jutta Wilkes „Schwarz wie Schnee“, dann sind die Kids ganz Ohr. Mucksmäuschenstill war es in der Mediothek, als sie von der 17-jährigen Kira erzählte, die nach einem schweren Unfall jegliche Erinnerung verloren hat. Weder weiß sie, wer die Frau an ihrem Krankenbett ist, noch wer sie selbst war und ist. Ein Junge bringt ihr Blumen, sie kennt ihn nicht, auch die Namen auf der mitgebrachten Genesungskarte sind ihr fremd. Die Stimmung ist bedrückend, aber mit jeder Frage und jedem Besucher steigt die Spannung. Vor allem, als zwei Polizisten aufkreuzen und wissen wollen, wer ihr die Drogen verkauft hat, die im Blut festgestellt wurden.

Autorin ist Anwältin und fünffache Mutter

Zurück im Alltag kämpft Kira mit jedem kleinen Schritt. In der Schule erkennt sie niemanden, sie erinnert sich weder an ihr Zimmer, noch was der eingeritzte Name Tarek auf ihrem Schreibtisch bedeutet. Ein Unbekannter hat ihr einen Zeitungsartikel über den Unfall gemailt, darunter steht der Satz: „Rot wie Blut, Schneewittchen“. Jutta Wilke unterbricht an dieser Stelle. „Jetzt will sie nicht mehr wissen, wer sie ist, sondern, wer der Absender ist“, verweist die Autorin auf das, was sie vor der Lesung den Schülern anhand von Harry Potter erklärt hat. Nämlich, dass es einen Helden und ein Ziel braucht, welches sich im Laufe der Handlung auch ändern kann. „Nicht einfach drauf losschreiben.“ Hindernisse gehörten natürlich dazu. Das Cover sei wichtig, ebenso der Klappentext, um die Neugierde zu wecken. Sie erzählt, das „Schwarz wie Schnee“, Erstveröffentlichung 2012, ab jetzt Schullektüre ist. Durch einen Verlagswechsel sei der Umschlag nun „ein bisschen peppiger gestaltet“. Wie Kiras spannende Reise in die Vergangenheit weitergeht, und ob ihre Erinnerungen wiederkehren, wurde nicht verraten, das müssen die Schüler selbst nachlesen.

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Jutta Wilke, 1963 in Hanau geboren, kennt den Stoff, aus dem spannende Geschichten sind. Sie hat zahlreiche Erstleser-, Kinder- und Jugendbücher sowie Romane für junge Erwachsene veröffentlicht, engagiert sich bundesweit für die Leseförderung und gibt Kurse im kreativen Schreiben. Bevor die fünffache Mutter ihren lang gehegten Autorentraum realisierte, hat sie über zwölf Jahre als selbständige Anwältin für Familienrecht gearbeitet. Ihr neustes Werk, das im Juni erscheint, heißt „Roofer“. Es handelt von Nik, der auf die höchsten Gebäude und Baugerüste Frankfurts klettert. Auch hier war eine kleine Kostprobe fällig.

Auch Achtklässler kommen in den Hörgenuss

Ein bis zwei Autorenlesungen finden jährlich an der EKS statt, erzählte Lehrerin Vera Ulrich, die mit ihrer Kollegin Anette Weiß interessiert dem Vortrag lauschte. Später kamen noch die Achtklässler in den Hörgenuss.