Kommunen spüren Umtauschwelle für neuen EU-Führerschein

Millionenfacher Führerscheinumtausch nötig

Fälschungssichere Scheckkarte statt grauer oder rosafarbener „Lappen“: In Deutschland läuft der große Führerscheinumtausch. Die nächste Frist für bestimmte Geburtenjahrgänge...

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Wiesbaden (dpa/lhe) - . Kurz vor dem Ende der Umtauschfrist für Führerscheine von Autofahrern bestimmter Jahrgänge haben Hessens Fahrerlaubnisbehörden gut zu tun. Die Behörde in Frankfurt am Main verzeichnete nach Angaben des Ordnungsamtes in den zurückliegenden Monaten einen erheblichen Zuwachs an Anträgen. Aktuell betrage die Wartezeit für einen Termin im Servicezentrum „Rund ums Auto“ etwa acht Arbeitstage, teilte eine Sprecherin auf dpa-Anfrage mit.

Durch den Pflichtumtausch sei die Anzahl der vorsprechenden Kundinnen und Kunden 2022 im Vergleich zum Vorjahr von 6200 auf 13.200 gestiegen. Darüber hinaus seien im Zusammenhang mit dem neuen Führerschein bereits 45 122 Karteikartenabschriften von anderen Behörden angefordert und versandt worden, erläuterte die Sprecherin.

Der Führerschein soll bis 2033 in der EU einheitlich und fälschungssicher werden. Um alle auf das dann nur noch gültige Scheckkarten-Format zu bringen, müssen rund 43 Millionen Dokumente umgetauscht werden. Das betrifft generell alle Führerscheine für Autos und Motorräder, die vor dem 19. Januar 2013 ausgestellt wurden.

Für bis einschließlich 31. Dezember 1998 ausgestellte Scheine ist das Geburtsjahr relevant. Hier war der erste Stichtag bereits der 19. Juli 2022 für die Jahrgänge 1953 bis 1958. Bis zum 19. Januar 2023 müssen Betroffene der Jahrgänge 1959 bis 1964 getauscht haben. Bis 19. Januar 2024 sind dann alle aus den Jahrgängen 1965 bis 1970 zum Umtausch aufgefordert.

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Ein Sprecher der Stadt Kassel erklärte, wegen der erheblichen Steigerung der Fallzahlen seien das Personal der Führerscheinstelle aufgestockt und die Öffnungszeiten ausgeweitet worden. Seit April 2022 gebe es zudem einen Online-Service zum Pflichtumtausch der Papierführerscheine. Seitdem müssten die Antragsteller nicht mehr persönlich zur Führerscheinstelle kommen.

Bis zum Jahresende 2022 sei dieser Service bereits rund 1200-mal genutzt worden, erläuterte der Sprecher. „Momentan ist ein starker Anstieg der eingehenden Online-Anträge zu verzeichnen.“ Die Fallzahlen für den Führerscheinumtausch sind insgesamt deutlich gestiegen: Von knapp 670 im Jahr 2020 auf mehr als 3560 im zurückliegenden Jahr. „Generell bitten wir die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Kassel, nur dann Termine zum Umtausch des Führerscheins zu vereinbaren, wenn sie tatsächlich bereits zum Umtausch verpflichtet sind“, teilte der Stadtsprecher mit.

In Wiesbaden kommt es im Zusammenhang mit der Umtauschwelle zu längeren Wartezeiten auf einen Termin bei der Fahrerlaubnisbehörde. Viele Bürgerinnen und Bürger stellten den Antrag erst kurzfristig vor der jährlichen Frist am 19. Januar, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Die Behörde habe die Anzahl der Termine auf das Möglichste erhöht. Leider erschienen etwa 15 Prozent der Antragstellenden nicht zur vereinbarten Zeit.

„Wie in ganz Deutschland ist auch in Darmstadt die Nachfrage nach dem Führerscheinumtausch „alt gegen neu“ groß“, teilte ein Sprecher der Stadt mit. Die Fälle würden im laufenden Tagesgeschäft bearbeitet. Gesonderte Öffnungszeiten seien nicht erforderlich, da der Umtausch auch schriftlich beantragt werden kann, was überwiegend genutzt werde.

Der Wetteraukreis hatte von Dezember 2021 bis Anfang Februar 2022 eine verstärkte Nachfrage nach Terminen wegen des Führerscheinumtauschs registriert. Sollte es aktuell zu Engpässen kommen, werde die Termintaktung von 15 Minuten auf 7 Minuten geändert, so dass die Kommune recht flexibel und relativ kurzfristig reagieren könne, teilte eine Sprecherin mit.