Hessen am Mittag: Das müssen Sie heute wissen

Neues aus Hessen.

Eine Legende stirbt. Alle Jahre wieder stellen wir uns diese Frage. Ein Bürgermeister kassiert Miete vom Amt. Immer weniger Kliniken mit Geburtsstation. Das ist heute wichtig.

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Hessen. eigentlich sollte dieser Newsletter zum Ausklang des Jahres anders beginnen.

Eine Legende ist tot

Bestritt 92 Länderspiele und gewann drei WM-Titel für Brasilien: Pelé.
Bestritt 92 Länderspiele und gewann drei WM-Titel für Brasilien: Pelé. (© Alexander Zemlianichenko/AP/dpa)

Nun aber verneige ich mich erst einmal vor Pelé. Edson Arantes do Nascimento war Fußballer. Der größte aller Zeiten. Er war viel mehr als ein Fußballer. Ein Botschafter seiner Zeit. Eine Legende zu Lebzeiten, wie auch mein Kollege Tobias Goldbrunner in seinem Nachruf schreibt. Pelé war leuchtendes Vorbild für zig Millionen kickende Kinder auf der ganzen Welt. Und er war ein Mensch, der die Vergötterung durch die Fans erstaunlich gut verkraftet hat. Nun ist Pelé nach langer Krankheit im Alter von 82 Jahren gestorben. Das macht mich traurig, passt aber irgendwie zu diesem verflixten Jahr.

Alle Jahre wieder

Der eine oder andere Kunde greift schon zum Feuerwerk, ansonsten läuft der Verkaufsstart in Mainz eher verhalten an.
Der eine oder andere Kunde greift schon zum Feuerwerk, ansonsten läuft der Verkaufsstart in Mainz eher verhalten an. (© Lukas Görlach)
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Alle Jahre wieder zu Silvester die Frage – böllern oder nicht? Es gibt kaum ein Thema, über das die Menschen in Deutschland mit solcher Inbrunst streiten, mir fällt da eigentlich nur noch das Tempolimit auf Autobahnen ein. Also böllern oder nicht? Hier ein paar Antworten: Geldverschwendung! Geschmacklos angesichts eines furchtbaren Krieges in Europa! Unverantwortliche Luftverschmutzung! Oder lieber so? Ein kleines Stück persönliche Freiheit in einer durchgetakteten und überregulierten Welt! Diesmal erst recht, um diese verdammte Pandemie endgültig zu vertreiben! Einfach mal Spaß haben und den ganzen Mist um uns herum vergessen!

Entscheiden Sie selbst. Ich böllere nicht und freue mich trotzdem aufs neue Jahr. Ich böllere nicht, habe aber kein Problem damit, dass andere gerne böllern. (Nur werde ich mich wieder ein bisschen über die Nachbarn ärgern, die ihren Böller-Müll nicht zusammenkehren.) Worüber ich mich mehr ärgere, sind die Nicht-Böllerer, die ihre persönliche Entscheidung dem Rest der Menschheit aufzwingen, das Böllern also verbieten wollen. So sieht es auch mein Kollege Christian Knatz in seinem Kommentar, den ich hiermit zur Lektüre empfehle.

Die Miete für die Mutter kommt vom Amt

Sven Gerich in seinem vierten Amtsjahr 2017. In diese Zeit fällt eine fragwürdige E-Mail vom Oberbürgermeister-Account zum Amtsleiter für Sozialhilfe.
Sven Gerich in seinem vierten Amtsjahr 2017. In diese Zeit fällt eine fragwürdige E-Mail vom Oberbürgermeister-Account zum Amtsleiter für Sozialhilfe. (© Archivfoto: Sascha Kopp)

Meine Kollegin Birgit Emnet aus Wiesbaden gehörte zu dem Team, das den unfassbaren Awo-Skandal aufgedeckt hat, dessen Schockwellen noch immer zu spüren sind. Jetzt erzählt sie eine Geschichte, die zwar nichts mit den Praktiken des Ehepaars Richter zu tun hat, aber irgendwie doch in dieses allgemeine Sittenbild hineinzupassen scheint. Sven Gerich, 2013 bis 2019 Wiesbadener OB und nach sechs Jahren wegen einiger Skandälchen lieber nicht mehr angetreten, hat seine Mutter 2017 in eine ihm gehörende Wohnung einquartiert – und die Miete dafür vom Sozialamt kassiert. Vorausgegangen war eine Mail des OB an das zuständige Sozialamt.

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Emnet: „Das zunächst Bemerkenswerte an der Aktion vom Januar 2017: Gerich schrieb die Mail unter seiner dienstlichen Oberbürgermeister-Adresse an den Amtsleiter. Nicht als Privatmann und auch nicht an die zuständige Sachbearbeitung. Schon das allein ist nach Meinung von Verwaltungsexperten ein ungewöhnlicher Vorgang. Gegen den der Amtsleiter schon aus Gründen des Zweifels an der Rechtmäßigkeit hätte Einspruch erheben müssen. Des Weiteren stellt sich die Frage, warum ein um die 12.500 Euro im Monat verdienender Oberbürgermeister (und danach berufstätiger Politpensionär) Mietzahlungen vom Sozialamt kassiert, statt angesichts seines Einkommens die Wohnung seiner Mutter im Rahmen seiner Unterhaltspflicht zur Verfügung zu stellen. Hatte das Sozialamt das denn nicht geprüft?“

Man wundert sich (eigentlich nicht mehr). Hier lesen Sie die Fortsetzung der Recherche.

Wo bringe ich mein Kind zur Welt?

In Hessen und Rheinland-Pfalz schlossen vor allem in ländlichen Regionen etliche Geburtsstationen. Das bedeutet, dass Schwangere nun weitere Wege auf sich nehmen müssen.
In Hessen und Rheinland-Pfalz schlossen vor allem in ländlichen Regionen etliche Geburtsstationen. Das bedeutet, dass Schwangere nun weitere Wege auf sich nehmen müssen. (© Symbolfoto: dpa)

Die Zahl der Kliniken mit Geburtsstation hat in den vergangenen 20 Jahren auch in Hessen und Rheinland-Pfalz dramatisch abgenommen, jüngstes Beispiel für eine Schließung sind die Dill-Kliniken in Dillenburg. Seit 2000 sind in beiden Bundesländern insgesamt mehr als 50 Geburtsstationen verschwunden. Woran das liegt und welche Folgen das für werdende Eltern haben kann, hat meine Kollegin Elisabeth Saller zusammengetragen. Die Klinikbetreiber nennen die Fallpauschalen als einen Grund für die Schließungen: Hohen Fixkosten stehen unsichere Vergütungen gegenüber, Geburtshilfe lohnt sich finanziell nur in großen Häusern. Schuld ist also das Krankenhaus-Finanzierungssystem, das Gesundheitsminister Lauterbach ohnehin reformieren möchte. Aber auch die Eltern tragen zur Ausdünnung des Angebots bei, indem sie oft aus nachvollziehbaren Gründen eine große Klinik mit angeschlossener Pädiatrie ansteuern. Doch wo zu wenige Kinder auf die Welt geholt werden, fehlen irgendwann auch Ärzte und Hebammen. Ein Dilemma, befindet meine Kollegin in ihrem Kommentar.

Gas- und Strompreisbremse – wie sie funktionieren

Gas-, Wärme- und Strompreisbremse werden den Anstieg der Energiekosten für private Verbraucher wie für Unternehmen 2023 deutlich reduzieren.
Gas-, Wärme- und Strompreisbremse werden den Anstieg der Energiekosten für private Verbraucher wie für Unternehmen 2023 deutlich reduzieren. (© dpa)

Die Silvesternacht dürfte diesmal temperaturmäßig eine laue Angelegenheit werden, und auch Tage danach bleibt es ungewöhnlich warm. Das dürfte nicht nur Klaus Müller freuen, den Chef der Bundesnetzagentur und qua Amt Hüter unserer Gasreserve. Gas und Strom werden im kommenden Jahr deutlich teurer, da hilft es, wenn die Heizung im Keller nicht bollern muss wie Anfang Dezember. Dass Gas und Strom 2023 nicht unerschwinglich werden, ist der Gas- und Strompreisbremse geschuldet. Es hat lange gedauert, bis die Bundesregierung dieses superteure Hilfspaket geschnürt bekam – Umwege wie die Gasumlage (erinnert sich noch jemand?) eingeschlossen. Immerhin: Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Zwar ist das Ding recht kompliziert geraten, doch müssen wir Verbraucher eigentlich gar nichts machen – das Paket wird vom jeweiligen Versorger spätestens am 1. März unaufgefordert zugestellt. Wie die Gaspreisbremse im Detail funktioniert, habe ich noch einmal hier zusammengetragen.

Das Wichtigste: Energie sparen lohnt sich mehr denn je. Denn auch mit Gas- und Strompreisbremse bleibt es teuer. Jede Kilowattstunde, die später nicht auf der Zähleruhr steht, erhöht die Versorgungssicherheit für alle und macht sich auf dem eigenen Konto bemerkbar. Wer gleich mal anfangen will, hier ein paar Tipps vom Fachmann: Meine Kollegin Annette Wannemacher hat mit Frank Dammel gesprochen. Er ist zwar kein Heizungsinstallateur, als Ingenieur für Technische Thermodynamik an der TU Darmstadt aber ein Premium-Experte.

ZU GUTER LETZT

… soll’s das gewesen sein für dieses Jahr. Ich wünsche Ihnen ein erfülltes und erfolgreiches 2023, eine fröhliche Silvesternacht mit oder ohne Böller. Und wenn Sie vorher noch ein paar Minuten Zeit haben, empfehle ich das hier.

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