Exklusiv aus der Redaktion: Spannende Themen aus Hessen

Neues aus Hessen.

Silvester-Verbote ohne Wirkung und warum immer weniger Ärzte eigene Praxen eröffnen: Diese Themen sind heute wichtig.

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Hessen. kaum hat sich der Rauch über die Silvesterknaller gelegt, steigt schon wieder neuer auf. Diesmal politischer Natur in Gestalt der Bundesverteidigungsministerin. Was auch immer Christine Lambrecht dazu geritten haben mag, ihre Neujahrsgrüße auf ihrem Social-Media-Account festzuhalten – es ging komplett in die Hose. Dabei sind die akustischen Probleme inmitten der Neujahrsböllerei das kleinere Übel. Form und Inhalt passen aber frappierend zu ihrer bisherigen Amtsführung. Was zu verstehen war: ein „herzliches Dankeschön“ dafür, dass sie 2022 „viele Begegnungen mit tollen Menschen hatte“ – eingebettet in den Kontext, dass in Europa bekanntermaßen Krieg herrscht. Diesen Bogen muss man erst mal schlagen! In der Partei herrscht betretenes Schweigen, was alles sagt. Wenn es einen Award für eines der peinlichsten Videos des Jahres gibt: Es ist kaum vorstellbar, dass dieser Schnipsel noch getoppt wird. Aber warten wir’s ab!

TOP 3 DES TAGES 

Knaller-Nachlese Teil II

Feuerwehrmänner löschen an der Berliner Sonnenallee einen Reisebus, der in der Silvesternacht von Unbekannten angezündet wurde.
Feuerwehrmänner löschen an der Berliner Sonnenallee einen Reisebus, der in der Silvesternacht von Unbekannten angezündet wurde. (© Paul Zinken/dpa)
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Wieder rüttelt eine Exzessnacht die Republik auf, dieses Mal in Berlin. Gewalt gegen Einsatzkräfte, Pyrotechnik, die bewusst als Waffe eingesetzt wird, ausgebrannte Fahrzeuge. Die Debatte könnte aber oberflächlicher kaum sein: Anstatt über Problemmilieus zu sprechen, kommt der Vorschlag eines Böllerverbots auf den Tisch – und die üblichen Forderungen, Bestrafungen sollen in solchen Fällen doch bitte auf dem Fuße folgen. Alles ausreizen, was geht. Letzteres ist als Idealvorstellung zwar richtig, nur wird diese Forderung nach jedem Missstand geäußert. Es würde also an der schieren Masse an Verfahren scheitern. Und an der Identifizierung von Verdächtigen. Bislang ist die Diskussion über die Silvesternacht über den Status eines Wolkenkuckucksheims nicht hinausgekommen. Was in Deutschland und der Region sonst noch passiert ist, hat Kollege Sascha Kircher zusammengefasst.

Verbot ohne Wirkungsmacht

Fast wieder wie in alten Zeiten: Raketen an Nachthimmel über der Mathildenhöhe in Darmstadt.
Fast wieder wie in alten Zeiten: Raketen an Nachthimmel über der Mathildenhöhe in Darmstadt. (© Dirk Zengel)

Dass ein Verbot nur dann etwas bringt, wenn es kontrolliert werden kann, hat der jüngste Fall in Darmstadt gezeigt. Auf flächendeckende Verbote hatte die Stadt im Vorfeld zwar verzichtet, Luisenplatz und Mathildenhöhe sollten aber tabu bleiben. Genau jene Orte aber, an denen am Morgen danach viele Raketen- und Böllerreste als Zeugen der Nacht übrigblieben. Immerhin blieb es hier friedlich, so viel sei vorweggenommen. Im Sinne der Deeskalation sei es laut Stadtpolizei auch gar nicht sinnvoll gewesen, das Böllerverbot an diesen Plätzen durchzusetzen, erklärte die Stadt gegenüber Kollegen Annette Wannermacher-Saal. Eine „Nachbetrachtung“ sei daher notwendig. Das glauben wir auch.

Eine Ärztin packt aus

Ärztemangel: Lohnt sich der Beruf überhaupt noch? Pfungstadt: Die Pfungstädter Ärztin Dr. Frauke Hofmann erzählt von ihrem Alltag: Ständige Nullrunden und dazu die Daumenschrauben durch Budgetierung und Regresse ( Strafzahlungen für z. B. Physiotherepie, Lopgopädie, Medikamente) haben bei ihr bisher oft Löcher in die "Haushaltskasse" gerissen, die sie nur durch häufigen Notddienst ausgleichen konnte. Kein Anreiz für junge Mediziner, meint sie.
Dr. Frauke Hofmann arbeitet seit 30 Jahren als Hausärztin in Pfungstadt. Eine Praxis zu führen, wird immer schwieriger, sagt sie. (© Karl-Heinz Bärtl)
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Unattraktive Honorare, ausufernde Bürokratie, renitente Patienten: Die Pfungstädter Medizinerin Frauke Hofmann wundert sich nicht, wenn in Anbetracht dieser Rahmenbedingungen die Anziehungskraft ihres Berufsstandes leidet – besonders außerhalb von Großstädten. In dem Landkreis, in dem sie arbeitet, herrscht speziell im Osten akute Unterversorgung – nur noch 88 Prozent beträgt der Versorgungsgrad, wie Janka Holitzka zusammengetragen hat.Nolens volens wird sie ihre Praxis länger betreiben müssen, denn Nachfolger sind nicht in Sicht.

ZU GUTER LETZT

Wissen, das die Welt nicht braucht

Apropos Welt: Darüber, was ihre wesentlichen Kennzahlen sind, herrschte nach Ansicht des 2017 verstorbenen Mediziners Hans Rosling eine erstaunliche Unkenntnis. Zum Teil unterhalb der Schwelle der Zufallswahrscheinlichkeit. Welche das sind – etwa Fehlannahmen zur Entwicklung der Weltbevölkerung, Tote durch Naturkatastrophen, Gesundheitsfortschritte auch in ärmeren Ländern – hat er in seinem Klassiker „Factfulness“ zusammengefasst. Wer keine Lust hat, 400 Seiten durchzulesen, kann auch den Selbsttest auf der Internetseite gapminder.org machen.

Viel Spaß dabei!

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