Gehen ohne Gefahr: Geht das in Darmstadt überhaupt?

Die Haltestellen an der Kreuzung Rhein- und Neckarstraße und diese selbst sind dem Darmstädter Verein "Fuß e.V." ein besonderes Dorn im Auge. Weit darüber hinaus setzen sich die Aktiven für die Rechte des Fußverkehrs ein.

Im Interview zeigen Interessenvertreter des Fußverkehrs („Fuß e.V.”) auf, was sich für sie ändern muss und dass ihre Fortbewegung nicht zu vernachlässigen ist.

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So wie hier beim sonst unübersichtlichen Übergang Karl- / Nieder-Ramstädter-Straße begrüßt die Interessenvertretung der Fußgänger beruhigende Ampeln.
So wie hier beim sonst unübersichtlichen Übergang Karl- / Nieder-Ramstädter-Straße begrüßt die Interessenvertretung der Fußgänger beruhigende Ampeln. (© Andreas Kelm)

Flanieren, Schlendern, Spazieren, das scheint nicht in die Hektik des Alltags und der Großstadt zu passen, gehört aber dazu – oder?

Wolfgang Lohnes: Ja, natürlich! Uns geht es unabhängig von Ort und Verkehrsmitteln um das Miteinander, für das ja auch die Kampagne Miteinanderzone steht; vor allem in der Fußgängerzone. Dass das Flanieren und Spazieren überall möglich und ungefährlich ist.

Inge Justin: Dass man die Straßenseite auch wechseln kann, ohne vom nächsten Radfahrer schier überfahren zu werden.

Das Verhältnis zu den Radfahrern ist ja ein ganz besonderes. Wie würden Sie das regeln wollen?

Lohnes: Es gibt ja Gehwege, die freigegeben sind für Radfahrende. Aber die sollen sie bitte mit Schrittgeschwindigkeit befahren. Und es gibt ja auch zum Beispiel Lastenräder, die breiter, größer, stärker sind – aber nicht in der Rücksichtnahme, das ist der Punkt.

Justin: Das sind die Wege, auf denen sich beide fortbewegen dürfen. Was aber eben auch auffällt, sind Radfahrende, die auf normalen Gehwegen fahren und zu Fuß Gehende wegklingeln. Das erlebe ich täglich. Auch beim Aussteigen an Haltestellen kann es brandgefährlich werden, besonders für Ältere.

Lohnes: Der Luisenplatz ist da ja ein klassisches Beispiel.

Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der das erste Mal den Luisenplatz erreicht und dann betritt?

Lohnes: Viel links und rechts gucken. 

Justin: Vorsicht, Vorsicht!

Katalin Saary: Ich glaube, da müssen wir unterscheiden – zwischen Studierenden und Senioren etwa. Jüngeren fällt die Orientierung noch leichter. Gleichzeitig wissen wir aber, dass Unsicherheit auch Sicherheit schafft. Der Luisenplatz ist daher für mich zunächst Paradebeispiel eines funktionierenden shared space, eines geteilten Raums. Der ist aber geschrumpft: durch Autos, Taxen, Lieferdienste und Außengastronomie. Besonders für den Lieferdienst wären auch andere Konzepte möglich. 

Welches Stück vom Kuchen Straße hätten Sie denn gern?

Saary: Der eigentliche Gehweg sollte dem Fußverkehr vorbehalten sein.

Lohnes: Man hat es leider versäumt, beim Gestalten der Zufahrt zur Innenstadt eine Umgehungsmöglichkeit für den Radverkehr zu schaffen. Zuletzt bei der Umgestaltung der Grafenstraße hätte die Zimmerstraße einbezogen werden und das wiederum Wilhelminenstraße und Wilhelminenbuckel entschärfen können. So wäre es auch möglich gewesen, die Innenstadt wirklich zur Fußgängerzone zu machen.

Justin: Überall sind Radstreifen auf der Straße markiert – in Rot. Könnten nicht Verbotszeichen auch auf der Straße angebracht werden, für mehr Sichtbarkeit?

Saary: Man kann vieles beschildern oder kennzeichnen. Wenn sich die Stadt darauf einigt, auch Bodenmarkierungen. Das Problem ist immer das des Ahndens. Es muss aber jedem klar sein: Wenn ich rücksichtlos auf dem Gehweg fahre und dabei Andere behindere, kostet das wirklich 70 Euro. Wenn es gefährdend ist, noch mehr.

Sind Sie froh, dass das Gehwegparken und damit manche Engstelle zurückgedrängt wird?

Lohnes: Tatsächlich ist die Stadt ja jetzt dran; sehr zaghaft, aber immerhin. Man weiß aus den verschiedenen Stadtteilen, was wie gehandhabt und zugelassen wird, das ist schon sehr unterschiedlich.

Saary: Ich bin seit gut 30 Jahren verkehrsplanerisch tätig. Mindestens genauso lange ist bekannt, dass und wo Konflikte bestehen, etwa im Johannesviertel. Bereits vor 30 Jahren wurden intensiv Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung im Johannesviertel diskutiert, aber nur zum Teil umgesetzt. Es braucht endlich mutige Konzepte. Das Gehwegparken ist ein großes Problem unter anderem für Schulkinder, die zu klein sind, um immer größer werdende Autos zu überblicken. Ein Ansatz wären größenabhängige Parkgebühren, die manche zum Umparken, zum Umdenken bewegen könnten. Da sind wir auch bei den viel diskutierten und einfach zu breiten Wohnmobilen – da muss etwas geschehen. Aber dafür gibt es ja eigentlich das Bremer Urteil zum Gehwegparken (Anmerkung der Redaktion: Anwohner als Kläger bekamen das Recht auf freie Gehwege vor ihrer Tür ausgesprochen; dies birgt das Potenzial einer Grundsatzentscheidung).

Welche Ecken sind Ihnen ein besonderer Dorn im Auge?

Lohnes: Die Ampelsituation an den Haltestellen Rhein-/Neckarstraße. Besonders problematisch, weil die Haltestellen überkreuz liegen. Auch an der Kreuzung Holz- und Kirchstraße ist es zu unübersichtlich, die Wegeführung zu uneindeutig. Wichtig ist immer, den Weg überhaupt klar ausmachen zu können.

Gibt es auch Positiv-Beispiele?

Justin: Stadtauswärts an der Nieder-Ramstädter-Straße, zwischen Brauhaus Grohe und Ludwig-Georgs-Gymnasium, war es immer schwierig, über die Straße zu kommen. Da ist jetzt tatsächlich eine Ampel aufgestellt, da hat es sich zum Besseren gewandelt. 

Apropos Ampeln: Es gibt in einigen Ländern solche, die beispielsweise eine bestimmte Zeit runterzählen, während der man laufen kann und warten muss – was halten Sie davon?

Saary: Die Herausforderung liegt da in der Frage der Barrierefreiheit. Nehme ich zum Beispiel Zahlen, schließe ich Analphabeten aus. Grundsätzlich finde ich solche Restgrün-Anzeigen aber sehr attraktiv.

Lohnes: Wir haben in Darmstadt ja schon sehr viele Beispiele, etwa die Ausstattung mit akustischer Unterstützung. Ich bin sehr stark sehbehindert; je nachdem, wie das Licht fällt, wird es dann sonst schonmal blöd, die Ampel zu erkennen. Die Ampeln ticken ja immer, um zu zeigen, dass sie da sind. Viele aktivieren dann über den Knopf den Ton und glauben, dass sie so schneller Grün bekommen. Dabei signalisiert das Tuten Menschen wie mir, Du kannst jetzt rübergehen.

Oder einfach machen, wie klassischerweise für Rom und überhaupt den südlichen Raum empfohlen: entschlossen geradeaus.

Lohnes: Deutsche haben da aber eine ganz andere Mentalität: Ich hab‘ jetzt Grün, ich fahr‘ jetzt.

Was muss sich denn entscheidend ändern?

Saary: Die Verkehrsverhältnisse sind oft sehr komplex, deshalb ist neben der eindeutigen Wegeführung eine gute Sicht wichtig. Wichtig ist auch, zu Fuß Gehenden eine eigene Grün-Phase zu geben.

Lohnes: Zum Beispiel auf dem großen TÜV-Parkplatz bei uns in Bessungen laufe ich in der Mitte. Ich drücke mich nicht an den Autos irgendwo am Rand vorbei; ich will gesehen werden.

Justin: Die E-Roller sind oft Stolperfallen, weil sie einfach irgendwo abgestellt werden oder rumliegen.

Endet Jahrzehnte nach „Der letzte Fußgänger“ mit Heinz Erhardt irgendwie wirklich das Laufen als Fortbewegung?

Saary: Wir sind 80 Millionen zu Fuß Gehende, jeder ist irgendwann am Tag zu Fuß unterwegs. Mobilitätsbefragungen zeigen, dass wir 80 Prozent der Wege bis 500 Meter großteils zu Fuß zurücklegen. Dazu zählt der Weg zur Bushaltestelle, zur Garage, zum Bäcker. Zu Fuß zu gehen ist die vorherrschende Verkehrsart. Wer die Verkehrswende will, muss als erstes gute Bedingungen für das zu Fuß Gehen schaffen.  

Ich erkunde Städte, vor allem auf Reisen, so intensiv wie möglich zu Fuß. Könnten Sie das guten Gewissens auch Darmstadts Gästen empfehlen?

Lohnes: Ich führe meine Besucher zu Fuß durch die Stadt.

Justin: Zumindest der Versuch sollte in jedem Fall unternommen werden. Jeder soll selbst seine Erfahrungen machen.

Saary: Man kann zum Beispiel wunderbar vom Hauptbahnhof über den Luisenplatz hoch zur Mathildenhöhe bis zum Botanischen Garten, dann noch zum Vivarium laufen, dabei aber auch all die beschriebenen Probleme persönlich erleben.

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