Zu dem Bürgerpark in Heppenheim gehört auch ein alter Gewölbekeller: Aus dem einstigen Lagerraum am Starkenburgweg könnte ein Ort für Konzerte oder Lesungen werden.
HEPPENHEIM. Mit der laufenden "Echo hilft!"-Aktion soll in Heppenheim das Projekt eines Bürgerparks der Bürgerstiftung Heppenheim gefördert und damit "eine Vision auf historischem Grund" realisiert werden. Der Bürgerpark soll auf einem Anwesen entstehen, auf dem bis zur Zerstörung durch die Nazis 1938 die Hirsch-Synagoge stand. Zu dem Anwesen gehört auch ein alter Gewölbekeller, der seine eigene Geschichte hat und in den Planungen der Bürgerstiftung für vielfältige Verwendungen vorgesehen ist.
1929 kaufte die jüdische Gemeinde von Leonhard Bund das angrenzende, nordwestlich am Starkenburgweg gelegene Grundstück für 1000 Reichsmark hinzu. Unter diesem Grundstück befindet sich noch heute ein gut erhaltener Gewölbekeller. Dieser stammt aus der Zeit vor der Erbauung der Synagoge und hat nichts mit der 1900 fertiggestellten Synagoge zu tun.
Vor dem Jahr 1900 erfolgte die Straßenbeleuchtung in Heppenheim mit Petroleumlampen. Das Petroleum dafür wurde in diesem Gewölbekeller am Starkenburgweg gelagert. Mit der Fertigstellung eines Elektrizitätswerks in Heppenheim im Jahr 1899 begann die Einführung der elektrischen Straßenbeleuchtung ab Januar 1900 - und der Keller verlor seine Aufgabe als Petroleumlager.
In der Zeit, in der die jüdische Gemeinde den Gewölbekeller besaß, wurde er als Lagerraum genutzt, unter anderem für das kühle Lagern von Lebensmitteln und Getränken, aber auch von Reserveziegeln für die Synagoge. Diese über 100 Jahre alten Dachziegeln stammen nicht nur aus dem Heppenheimer Tonwerk, sondern auch aus Ziegelfabriken in Speyer, Eisenberg und Worms und sind heute noch in größerer Zahl vorhanden. Nach 1947 wurde das Grundstück mit dem Gewölbekeller von der Familie Saul erworben, die dann in den 1980er Jahren Eigentümer des gesamten Synagogengrundstücks wurde.
Beim Bau der Gedenkstätte für die Synagoge und die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus wurde am Starkenburgweg 1965 der Zugang zu dem Gewölbekeller etwas nach links verlegt. Der Gewölbekeller hatte früher einen Durchgang zu einem weiteren Kellerraum, der unter dem Nachbargrundstück lag und zugeschüttet wurde. Dieser Durchgang wurde dann auf Fenstergröße verkleinert. Heute erinnert noch eine Fensterumrahmung an die ursprüngliche Situation.
Im Mai dieses Jahres war der Gewölbekeller ein Teil des Aufgabenpakets für die 72-Stunden-Aktion der katholischen Jugend. Die Gruppe der Pfarrei Erscheinung des Herrn hat sehr fleißig und in großartiger Weise den Keller entrümpelt, Schutt abgefahren, die Wände gesäubert und einen neuen Bodenbelag eingebracht. Der stellvertretende Vorsitzende der Bürgerstiftung, Kurt Vettel, hat anschließend noch eigenhändig ein Treppengeländer gezimmert und eine Lampe aufgehängt. Damit ist der Gewölbekeller nach über 80 Jahren wieder zugänglich und kann in Regie der Bürgerstiftung für kleine Veranstaltungen wie etwa Ausstellungen, Lesungen oder Konzerte genutzt werden. Dabei gibt es zum Beispiel bei der Beleuchtung noch weitere Arbeiten, die im Rahmen des Gesamtprojektes Bürgerpark abgearbeitet werden müssen.
Mit der "Echo hilft!" Aktion sollen die Arbeiten der Bürgerstiftung zur Schaffung eines Bürgerparks kräftig unterstützt werden.
Von Hermann Müller