Tanz-Club des Mainzer Staatstheaters zeigt in Berlin...

Kein Entkommen vor der bedrohlich heranrückenden Masse Mensch: Szene aus „Overload“, das sich mit der Verengung von Räumen und Stressmomenten befasst. Foto: Andreas Etter  Foto: Andreas Etter

Der kahle Raum wird durch ein schwaches und kaltes Licht beleuchtet. Aus den Boxen dröhnt schwere Elektronikmusik. Nur ganz leise im Hintergrund hört man den monotonen Klang...

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MAINZ/BERLIN. Der kahle Raum wird durch ein schwaches und kaltes Licht beleuchtet. Aus den Boxen dröhnt schwere Elektronikmusik. Nur ganz leise im Hintergrund hört man den monotonen Klang eines Metronoms.

Es ist heiß im Raum. Personen stehen dicht gedrängt am Rand. Eine Masse von Menschen kommt auf sie zu. Es gibt kein Entkommen.

Stellt man sich dieses Szenario bildlich vor, kann der ein oder andere nicht verleugnen, dass diese Vorstellung Stress oder wenigstens Unbehagen auslöst. Stress – das ist auch das Thema des Tanzstücks „Overload“ des Tanz-Mainz-Clubs des Mainzer Staatstheaters. 22 Tänzer im Alter von 13 bis 25 Jahren beschäftigten sich ein halbes Jahr lang mit diesem Thema und entwickelten zusammen mit dem Choreografen Felix Berner das Stück.

Neben fünf erfolgreichen Auftritten konnte sich das Ensemble über eine Fahrkarte nach Berlin freuen. Denn die Produktion wurde in die Bundeshauptstadt eingeladen und tanzt beim 5. Tanztreffen der Jugend.

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Dem Jugendfestival ging ein bundesweiter Wettbewerb voraus. Aus zahlreichen Bewerbungen wählte eine Jury elf Produktionen aus, die sie dann vor Ort besuchten. Sechs der herausragenden Stücke wurden dann nach Berlin eingeladen. Von Freitag, 21. September, bis Donnerstag, 27. September, haben die Tänzer die Möglichkeit, an spannenden Workshops und Seminaren teilzunehmen und ihre eigene Produktion vor 400 Zuschauern vorzuführen.

Erst Schock, dann Luftsprünge vor Freude

Veranstaltet wird das Tanztreffen der Jugend von den Berliner Festspielen. Doch zuvor tritt das Tanzensemble am Sonntag, dem 9. September, noch einmal in Mainz auf.

„Im ersten Moment konnte ich es gar nicht realisieren, habe nur gedacht: Berlin. Alles klar“, sagte Tänzerin Mirijam. „Dann plötzlich, zehn Minuten später habe ich auf einmal Luftsprünge gemacht. Es ist unglaublich, dass wir noch einmal diese gemeinsame Zeit haben werden.“

„Overload“, ein Stück welches die unterschiedlichen Facetten des Begriffs Stress thematisiert. Vor allem jenen Stress, dem wir alle im alltäglichen Leben ausgesetzt sind. Dem Funktionieren, dem Anpassen an andere, dem immer auf Trab sein und immer die beste Version von sich sein. Niemals Schwäche zeigen oder aufgeben und dennoch nicht das Menschsein verlieren.

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Neben der harten Elektronikmusik und Bewegungen, die stark militärisch sind, findet sich wohl jeder in den Fragen wieder, die dieses Stück aufwirft und vor denen wir alle gerne die Augen verschließen, obwohl sie uns dennoch stark berühren.