Spielgemeinschaft plant Sommertheater in Darmstadt

Der Erfolg mit Zuckmayer soll weitergehen: Die Hessische Spielgemeinschaft, hier in der Freilichtaufführung des „Fröhlichen Weinberg“. Archivfoto: Jan Ehlers

Anfang Mai will die Hessische Spielgemeinschaft mit den Proben fürs Freilicht-Sommertheater beginnen: Ulf Goerke inszeniert eine hessische Fassung des „Sommernachtstraums“.

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DARMSTADT. Dieses Privileg genießen meistens nur die großen Stars: Die Rollen werden ihnen auf den Leib geschrieben. So ungefähr ist es, wenn der Regisseur Ulf Goerke die Proben für die Hessische Spielgemeinschaft vorbereitet. In Hamburg sitzt David Gieselmann, der eine neue, hessisch gefärbte Fassung von Shakespeares „Sommernachtstraum“ schreibt.

Es ist mehr als nur eine Mundart-Übersetzung, sondern eine aufs Ensemble und die Zeit passende Überschreibung, verspricht Goerke. „Gieselmann schafft es, den Shakespeare-Duktus zu treffen und doch einen ganz eigenen Ton zu finden.“ Wenn er anruft und mit dem Autor die Szenen bespricht, hat er die Besetzung schon im Kopf. Immerhin bietet Shakespeares Komödie 13 große Rollen. Alle konnten aus den Reihen der Theatervereinigung besetzt werden, die inzwischen in allen Altersgruppen mit starken Talenten gut aufgestellt ist.

Der „Sommernachtstraum“ in einer neuen Fassung soll der Spielgemeinschaft eine neue Open-Air-Saison auf der Terrasse des Darmstädter Staatstheaters bescheren, nach zwei überaus erfolgreichen Sommern mit dem „Fröhlichen Weinberg“. Anfang Mai sollen die Proben beginnen. Die Premiere ist fürs Heinerfest-Wochenende geplant, im August folgt dann eine lange Aufführungsserie: Das ist der Plan, auf dessen Verwirklichung alle Beteiligten inständig hoffen. Immerhin ist das Freilichtspiel ein zentrales Ereignis im Geburtstagsjahr der 95 Jahre alten Spielgemeinschaft.

In dieser Woche wäre Goerke in Darmstadt gewesen, um die letzten Arbeiten für die konzeptionell ausgearbeitete Produktion zu verabreden. Das muss jetzt per Telefon, Mail oder Video gehen. Zum Probenbeginn Anfang Mai aber wird Goerke da sein, ausgerüstet mit einem straffen Zeitplan. Die Nebenberufs-Akteure der Spielgemeinschaft proben werktags nur abends, dann aber das komplette Wochenende. Der Regisseur hat schon etliche Erfahrungen mit Bürgertheater gesammelt, „man ist ganz anders gefordert“, freut er sich.

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Dass die Mitglieder der Spielgemeinschaft in besonderer Weise für ihre Sache brennen, hat er schon beim ersten Treffen gemerkt. Kein Leistungswettbewerb sollte das Casting sein, eher eine Runde von Übungen zum Kennenlernen, und schnell hatte sich für ihn eine stimmige Besetzung gefunden. Natürlich, nicht alle können große Rollen haben; aber der „Sommernachtstraum“ bietet ja auch Gelegenheit für Elfen und Waldgeister.

Auch neben diesem großen Projekt hat sich die Spielgemeinschaft in ihrem 95. Jahr eine Menge vorgenommen, erzählt die zweite Vorsitzende Marga Hargefeld. Zum Beispiel mit der Heinerfest-Lesung, deren Programm „Der angewandte Datterich“ die beliebte Lokalposse in die Gegenwart verlängern soll. Zurzeit steht hinter den meisten Terminen ja ein Fragezeichen – aber diese Kombination aus Texten und Liedern, weiß Hargefeld, funktioniert zu jeder Jahreszeit – selbst im Dezember, wenn die Geburtstagsfeier ansteht: Die Spielgemeinschaft wurde nach der ersten „Datterich“-Vorstellung am 15. Dezember 1925 gegründet.

Erst einmal aber soll es auf die Theater-Terrasse gehen. Mit hoffentlich großem Publikum, sagt Ulf Goerke: „Ich hoffe, dass die Menschen nach der Corona-Dürre wieder richtig Lust auf Theater haben.“