Volk und völkisch

aus Auf ein Wort

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Warum liegt der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry das Wörtchen "völkisch" so am Herzen, dass sie es allen Widerständen zum Trotz in Deutschland wieder hoffähig machen will? Es...

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. Warum liegt der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry das Wörtchen "völkisch" so am Herzen, dass sie es allen Widerständen zum Trotz in Deutschland wieder hoffähig machen will? Es sei doch schon früher verwendet worden, als es Hitler und die Nationalsozialisten noch gar nicht gab, deshalb könne man es jetzt doch wieder im ursprünglichen Sinne verwenden, sagt Petris Parteifreund Alexander Gauland. Dass die Nazis ihre Kampfschrift "Völkischer Beobachter" nannten und damit den Boden bereiteten für den Holocaust und weitere Gräueltaten, stört Gauland und Petri nicht. Dabei denkt fast jeder automatisch an die Hetzschrift, wenn er nur "völkisch" hört.

Wofür braucht die AfD das Wörtchen? Welchen Inhalt transportiert "völkisch", wenn nicht den der Nazis? Auf diese Frage schwurbeln die AfD-Politiker etwas von vaterlandsfreundlichen Jugendbewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Eigentlich aber geht es um die "völkische Jugend", die schon vor der Machtergreifung Adolf Hitlers die Ideen von Rassenhass und Herrenmenschentum teilte und propagierte.

Volk und völkisch

Das Wort "völkisch" bezeichnet ähnlich wie die Wortbildung "parteiisch" den ins Extreme gesteigerten Bezug auf den Inhalt des Stammwortes, bei "völkisch" also auf das Volk. Bei den Nazis gehörten vor allem die Juden nicht zum Volk. Sie sprachen zwar dieselbe Sprache, bezahlten demselben Staat Steuern, folgten denselben Gesetzen und lebten in demselben Land – doch die Nazis redeten den Menschen ein, die Juden seien fremd und böse und dürften deshalb nicht zu diesem Volk gehören. Denn was das Volk war, das bestimmten nun per Gesetz die Nazis – und ganz besonders ihr "Führer".

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Eine solche absolute Herrscherperson gehörte, betrachtet man die sprachliche Geschichte des Wortes, von Anfang an zum Begriff "Volk". Er bezeichnete bereits im frühen Mittelalter eine durch ethnische und/oder räumliche Gemeinsamkeiten bestimmte Gruppe von (kriegerischen) Menschen, die sich um einen Häuptling scharten. Die Herkunft des Wortes ist nicht geklärt, wahrscheinlich gehört es zu einer indogermanischen Sprachwurzel mit der Bedeutung "viel". Das bezog sich also auf die Menge von Menschen, die das Volk bildete.

Während der Begriff Volk den Eindruck erweckt, als sei die so bezeichnete Gemeinschaft aus sich heraus entstanden, war es in Wahrheit der Herrscher, der über die Zugehörigkeit zu seinem Volk bestimmte. Deshalb konnte er auch jederzeit einen oder mehrere Menschen ausgrenzen und dem Hass der Gruppe aussetzen. Damit gewann er gleich zweierlei: Einerseits konnte der durch sein Herrschaftshandeln aufgestaute Hass gefahrlos entladen werden und andererseits konnte er sich unbequemen Kritikern, Konkurrenten und Widersachern entledigen.