„Scoop“ von Evelyn Waugh und „Der größte Kapitän...

Spleen in allen Stimmen: Zwei satirische Hörbücher schildern die Auswüchse des Kapitalismus gestern und heute.

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. Zwei Satiren des Hörverlags zielen auf Auswüchse des Kapitalismus und Ausschweifungen der Oberschicht ab. In der Wahl ihrer Mittel gehen die Autoren Evelyn Waugh und Dave Eggers allerdings unterschiedlich vor.

In „Scoop“ von 1938 griff Evelyn Waugh auf seinen Erfahrungen als Auslandsberichterstatter in Abessinien zurück. Der Autor von Klassikern wie „Wiedersehen mit Brideshead“ versetzte seinen Protagonisten William Boot in den fiktiven afrikanischen Staat Ishmaelia. Dort landet der Autor einer Naturkolumne der Tageszeitung „Daily Beast“ nur aus Versehen. Eigentlich wollte der Verleger den angesehenen Schriftsteller John Boot in das Krisengebiet senden. In der ostafrikanischen Monarchie gerät der unwillig angeworbene William Boot mit den Kollegen in den Wettstreit um die nächste große Schlagzeile.

Im digitalen Zeitalter änderten sich zahlreiche Mechanismen des Zeitungsgeschäfts. Doch manche gar nicht so weit von der Realität entfernte Spitzen auf Beamtenmentaliäten, Eitelkeiten, Konkurrenzdenken, die Dynamik von Falschmeldungen bis hin zur Bahn als unzuverlässiges Fortbewegungsmittel wirken weiterhin aktuell. Zwar gebührt Kolumnist und Schriftsteller Jan Weiler der Verdienst, den in England schon als Hörspiel, TV-Serie oder Fernsehfilm adaptierten meisterlichen Stoff ausgegraben zu haben. Doch als Sprecher stattet er sämtliche Charaktere mit einem Übermaß an Exzentrik und Spleenigkeit aus.

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In dieser Hinsicht hält sich Matthias Matschke in „Der größte Kapitän aller Zeiten“ wohltuend zurück. Lediglich den Protagonisten charakterisiert er auch stimmlich als unbedarft-gefährlichen Verrückten. Hinter dem einstigen eitlen Gauner mit gelber Feder im Haar als neuer Schiffslenker verbirgt sich unverkennbar US-Präsident Donald Trump.

Dank seiner Entourage und naiver Passagiere als Wählerschaft ins Amt gehievt, räumt der ungebildete Chauvinist mit allem nützlichen Personal und Kritikern an Bord auf. Als sein Schlägertrupp beginnt, wahllos Andersdenkende samt Familien über Bord zu werfen, nimmt der Stoff zunehmend apokalyptische Züge an. Der ironische Spott von „Scoop“ verfliegt hier rasch. Angesichts des bitteren Humors der Satire um Populismus, Rassismus und Machtgebaren wirkt das verhalten optimistische Ende beinahe aufgesetzt.