„Leonard Cohen“ von Klaus Modick

Seiner sanft hypnotischen Stimme kann sich der Autor nicht entziehen: Leonard Cohen. Archivfoto: dpa

Klaus Modicks Cohen-Band ist ein Mix aus Songs und Prosa, durchzogen von Wunsch und Willen, dem am 7. November 2016 gestorbenen Sänger ein literarisches Denkmal zu setzen.

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. Da ist Klaus Modick doch eine kleine große Hommage an Leonard Cohen gelungen. Der Autor aus Oldenburg hat für seine Künstlerromane wie „Sunset“ (2011), „Konzert ohne Dichter“ (2015) und „Keyserlings Geheimnis“ (2018) bislang sich viel mehr Platz eingeräumt als die paar-und-hundert Seiten im Handtaschenformat der neuen Reihe einer KiWi-Musik-bibliothek. Deshalb ist das Büchlein mit Nummer fünf auch überallhin mitzunehmen, am besten auf einem Trip zu einer griechischen Insel – nicht in der Jetztzeit, sondern der erzählten Zeit der Endsiebziger Jahre. Dorthin nämlich reist Hauptfigur Lukas in Klaus Modicks aktuellem Buch „Leonard Cohen“ und trifft am Hafen einen Herrn, der so aussieht („als würde der Mann in diesem Anzug leben“) und spricht wie der kanadische Singer-Songwriter Leonard Cohen mit einer Stimme, aus der eine „sonore Überzeugungskraft, etwas sanft Hypnotisches“ klingt, der weder die Figur noch ihr Autor sich entziehen können. Klaus Modick hat schon zweimal mit dem Anagramm seines Vornamens „Lukas“ gespielt („Weg war weg“ und „Bestseller“), weshalb er in seiner Lukas-Figur auch sehr deutlich anwesend ist.

Modicks Lukas ist 1968 – in vorelektronischen Zeiten also – Radiohörer, heiß aufs neue Doppelalbum der Beatles, hört „Mighty Quinn“, „Mrs. Robinson“, „Universal Soldier“ und Dylans „The Times They Are A Changin’‘“. Musik ist Lukas’ erste und stete Liebe. Sein Lebensgefühl Ende der sechziger Jahre drängt nach Aufbruch. Da hört er auf einmal „Suzanne“ und ist elektrifiziert vom sonor sinnlichen Bariton und geheimnisvollen Text eines ihm unbekannten Sängers namens Leonard Cohen. Modicks Kapitel im „Leonard Cohen“-Büchlein heißen wie auf einem Album „Tracks“, und es fließen Verse aus Cohens Lyrics subkutan unter die Haut des Erzähltextes. Das Vorgehen ist so geschickt, wie Cohens Lyrik dem Hunger des jungen Lukas nach Liebe entspricht und das doch Nicht-Satt-Werden. Es gibt Gitte, Julia, Britta und Meret, wobei allein die Letztere Cohens norwegischer Freundin Marianne auf der griechischen Insel Hydra gleicht, bestätigt vom Songtext im Erzähltext: „Ihre Haare fielen wie ein schläfriger goldener Sturm übers Kissen.“

Na klar, Lukas richtet sich nach seinem verehrten Vorbild aus, besucht das Cohen-Konzert 1970 in Hamburg, spielt dessen Lieder mit der eigenen Band, schreibt Songs, das heißt, Klaus Modick schreibt Gedichte (wie tatsächlich in den achtziger Jahren), inspiriert durch Leonard Cohen. Sein Büchlein betreibt ein allerliebst delikates Spiel auf Grundlage der Cohen-Texte, aufs Engste verquickt mit der eigenen schriftstellerischen Fantasie.

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Klaus Modicks Hommage an Leonard Cohen ist eine Erinnerung an Zeiten, da Musik das Lebensgefühl bestimmt, Leonard Cohen dabei eine singuläre Stellung einnimmt, indem dessen Songs den Autor zutiefst berühren, denn er erkennt: „Das ist Lyrik.“ Klaus Modicks Cohen-Band wiederum ist ein Mix aus Songs und Prosa, durchzogen von Wunsch und Willen, dem am 7. November 2016 gestorbenen Sänger und Schriftsteller ein literarisches Denkmal zu setzen. In bescheidener Weise ist es klein gehalten, leicht lesbar und lässt den Gegenstand der Verehrung durch und durchklingen. Und dann eben doch noch einmal das Original: „Suzanne“.